Der Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer mit den Inseln Scharhörn und Nigehörn sowie Neuwerk feiert sein 30-jähriges Bestehen. Foto: Schlüsselburg
Der Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer mit den Inseln Scharhörn und Nigehörn sowie Neuwerk feiert sein 30-jähriges Bestehen. Foto: Schlüsselburg
Metropole mit Nationalpark

Natur pur: Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer feiert 30. Geburtstag

20.08.2020

HAMBURG. Der Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer wird 30 Jahre alt. Die Hansestadt ist neben Wien die einzige europäische Großstadt mit einem Nationalpark in ihren Gebietsgrenzen.

Die Geschichte des Nationalparks Hamburgisches Wattenmeer ist eine Erfolgsgeschichte: 1990 gegründet, 2004 erweitert, 2011 Weltnaturerbe, vogelreichste Gegend im gesamten Wattenmeer und drei Mal Drehort für einen "Tatort". Hamburgs Nationalpark liegt mit einem Wildnisanteil von über 90 Prozent und mit seiner Fläche von rund 137 Quadratkilometern genau in der Mitte der insgesamt 16 deutschen Nationalparks.

Neben konsequentem Naturschutz geht und ging es immer auch um wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten für die Bewohner der Insel Neuwerk und die Förderung des einmaligen Naturerlebnisses für die pro Saison bis zu 100.000 Besucherinnen und Besucher. Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan: "Unser Nationalpark ist das Herzstück des Weltnaturerbes Wattenmeer. Er war von Anfang an das am konsequentesten geschützte Gebiet mit Fischerei- und Jagdverbot sowie weitreichenden Betretungsregeln. Belohnt wird diese Politik mit einem Vogelreichtum, der zwischen Esbjerg und Den Helder seinesgleichen sucht. Jüngstes Beispiel sind die rund 370 Paare brütender Eiderenten auf Scharhörn und Nigehörn. Rund hundert Kilometer vom Hamburger Rathaus taucht man in eine andere Welt ein. Großen Anteil an diesem einmaligen Naturerlebnis haben auch die Neuwerker, die dafür eine hervorragende Infrastruktur bieten. Damit können wir auch die großen Herausforderungen von Corona und Klimawandel bewältigen. Wichtig ist uns, die gute Entwicklung Neuwerks für die Bewohner mit dem Wunsch der Besucher nach einem einmaligen Naturerlebnis in Einklang zu bringen."

Naturschutzgebiet vergrößert

Früher war der Nationalpark ein ausgedehntes Naturschutzgebiet, das nach dem verheerenden Seehundsterben 1988 in der Nordsee um fast ein Drittel auf 117 Quadratkilometer vergrößert wurde. Gründe: Um die Lücke zwischen den bereits bestehenden Wattenmeer-Nationalparken von Schleswig-Holstein und Niedersachsen zu schließen und den Schutz der Seehunde unter dem neuen Status konsequent abzurunden.

Nach seiner Gründung 1990 ging es Schlag auf Schlag: die erste Rangerin (damals noch eine große Ausnahme) begann 1994 mit ihrer Arbeit, 2001 wurde der Park auf 137,5 Quadratkilometer erweitert und von der Europäischen Union ins europäische Schutzgebietssystem "Natura 2000" eingegliedert. 2011 kam der bisherige Höhepunkt: Der Park erhielt von der Unesco den Weltnaturerbe-Status zuerkannt.

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Die Renaturierung des Neuwerker Ostvorlands hat den Anteil der wilden Natur im Park nochmals um rund 60 Hektar vergrößert. Die frühere Schaf-, Pferd- und Rinderweide hat sich in eine blühende Salzwiese entwickelt, mit Halligflieder, Strandaster, Rotschenkel, Austernfischer und Brandseeschwalbe. Hauptmaßnahmen waren das Ende der Beweidung und der Wiederanschluss des dort verlaufenden Entwässerungspriels an die Gezeiten. Das Gebiet ist für Besucher durch einen Pfad erlebbar.

Die seeseitige Erweiterung des Parks um 20 Quadratkilometer brachte große Rastgebiete für Meeresenten und Seetaucher ins Gebiet.

Ein weiteres Standbein der Arbeit im Nationalpark ist die Besucherinformation. 2004 wurde das Nationalpark-Haus mit seiner Wattenmeer-Ausstellung eröffnet - besondere Attraktion ist das große Tide-Aquarium, das alle 80 Minuten durch Ein- und Ablassen von Meerwasser die Gezeiten nach empfindet. Ein extra Raum ist für Experimente mit Schulklassen und Seminare reserviert. 2008 startete das Programm "Junior-Ranger", an dem Insel- und Gästekinder gleichermaßen teilnehmen.

Tägliche Führungen

Pro Saison bietet der Nationalpark-Ranger gemeinsam mit Mitarbeitern des ehrenamtlichen Vereins Jordsand täglich Veranstaltungen und Führungen mit unterschiedlichen Themen an. Neuwerk ist die einzig dauerhaft bewohnte (um die 40 Personen schwankend), drei Quadratkilometer große Insel im Nationalpark, Sie wird zu einem Drittel durch einen Ringdeich vor Sturmfluten geschützt.

Als Biosphärenreservat (seit 1992, durch die Unesco zertifiziert) unterstützt der Nationalpark kontinuierlich die Neuwerker Wirtschaft mit Nachhaltigkeitsprogrammen. Derzeit wird mit dem Hamburger Bezirk Mitte, zu dem Neuwerk gehört, das "Entwicklungskonzept Neuwerk" umgesetzt, das Anfang des Jahres verabschiedet wurde. Über Details will Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan bei seinem Besuch auf Neuwerk und Scharhörn am 3. und 4. September anlässlich des Jubiläums berichten.

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