Neue Heimat in Bülkau: Bäcker-Azubi aus Bangladesch auf Zielgeraden
BÜLKAU. Bei Bäcker Buck in Bülkau lernt ein junger Mann mit Bravour sein Handwerk. Er hat aber einen besonders schweren Weg hinter sich.
Seine Motivation ist ungebrochen. Pünktlich um 3.30 Uhr beginnt Ebrahim Miah seine Arbeit. Der 22-Jährige aus Bangladesch ist Auszubildender und erlernt den Beruf des Bäckers im Familienbetrieb von Norbert Buck in Bülkau. Und das mit Bravour, wie unser Medienhaus bereits im Frühjahr berichtete.
Schlechtes Wetter? Das kennt Ebrahim Miah nicht. Ohne zu klagen, zieht er seine Regenkleidung über, setzt sich auf sein Fahrrad und fährt die zehn Kilometer von seiner kleinen Wohnung in Cadenberge zu seinem Arbeitsplatz in Bülkau. Dort wird er von seinem Chef bereits erwartet. "Ich habe noch nie einen so guten Lehrling gehabt", schwärmt Bäckermeister Norbert Buck in höchsten Tönen.
Theorie eine Hürde
Vor einigen Monaten hat das dritte Lehrjahr für Ebrahim Miah begonnen. "Voraussichtlich im Februar oder März des kommenden Jahres fangen dann die Abschlussprüfungen an", blickt Norbert Buck voraus.
Und wie sieht er, der im Laufe seiner vielen Berufsjahre schon zahlreiche Lehrlinge ausgebildet hat, die Chancen des jungen Mannes aus Bangladesch? "Praktisch habe ich bei ihm überhaupt keine Bedenken", prognostiziert Buck: "Die Theorie ist aber schon eher eine Hürde."
"Strukturiertes Arbeiten"
Denn auch Ebrahim Miah musste, bedingt durch Corona, Ausfälle seines Unterrichts an der Berufsschule in Cuxhaven in Kauf nehmen. Und es gibt eine weitere Einschränkung. "Ein pensionierter Lehrer hier aus der Nachbarschaft hat mit Ebrahim regelmäßig das Sprechen der deutschen Sprache geübt", schildert Norbert Buck, "dies ist wegen Corona natürlich auch ausgefallen."
Die Folge: "Einige Schulfächer, wie etwa Wirtschaft und Politik, gestalten sich dadurch natürlich besonders schwierig.".
Aber dann verzieht sich seine kurzzeitig ernste Miene wieder zu einem Lächeln: "Ebrahim zeichnet wirklich ein sehr eigenständiges und strukturiertes Arbeiten aus. Alle seine Abläufe sind planvoll und durchdacht." Kein Wunder, denn: "In Bangladesch wollte ich schon immer Bäcker werden", bestätigt Ebrahim Miah die Freude an seinem Beruf.
Weiteres Ziel: Führerschein
Wie weit ist Ebrahim denn mit seinem Ziel, den Führerschein zu erlangen? "Der Beginn ist gemacht", sagt Ebrahim Miah, aber natürlich hat auch Corona die Sache erschwert. "Auch wenn Ebrahim nicht viel Geld ausgibt, aber sein Erspartes oder sein monatlicher Verdienst reicht dabei natürlich bei Weitem nicht aus, um das Ganze mal eben so durchzuziehen", steht Norbert Buck dem motivierten jungen Mann erklärend zur Seite.
Unbekannter spendete Geld
In diesem Zusammenhang sprechen sie ein großes Dankeschön aus: "Als die Niederelbe-Zeitung im Frühjahr über Ebrahim berichtet hat, kam kurz darauf ein älterer Herr in meinen Laden und wollte meinen Lehrling sprechen", erzählt Buck. "Der nette Mann begrüßte mich freundlich und gab mir einen Umschlag", fügt Ebrahim Miah hinzu. "Ich konnte es kaum glauben: Darin war Geld", strahlt er.
Viel Arbeit vor Weihnachten
Norbert Buck ergänzt: "Der Herr sagte, es freue ihn und es sei ihm ein Bedürfnis, jemandem so direkt eine Freude machen zu können und er wünsche ihm weiter alles Gute."
Die Adventszeit steht kurz bevor und Weihnachten naht. Zurzeit wartet noch mehr Arbeit auf Ebrahim Miah. "Besondere Kekse und vieles mehr werden jeden Tag gebacken", umreißt er seine Tätigkeit.
Weihnachten beim Chef
Klar ist aber auch, dass das Persönliche in einem Betrieb wie von Norbert Buck einen großen Stellenwert einnimmt.
Die vergangenen beiden Weihnachtsfeste verbrachte Ebrahim Miah im Hause seines Chefs - und in diesem Jahr ist der junge Mann auch wieder dabei. "Meine Eltern, die noch voll in den Betrieb integriert sind, nehmen dann selbstverständlich ebenso daran teil wie meine Tochter Helena, die schon die nächste Generation im Familienunternehmen darstellt", freut sich Bäckermeister Norbert Buck.
Von Arno Grewe
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