Neuer Wattweg von Cuxhaven nach Neuwerk offiziell eingeweiht
CUXHAVEN. Viele Wege führen nach Rom, aber nur einer nach Neuwerk - und der ist neu gesteckt worden. Muschelschalen sind streckenweise verbaut. Sie sorgen für mehr Stabilität.
Nun ist der neue Weg nach Neuwerk offiziell abgenommen. Er stellt nicht nur die touristische Anbindung mit rund 60 Wattwagen aus Cuxhaven und Neuwerk, sondern auch die Versorgung der Wattenmeerinsel sicher. Die Verkehrssicherungspflicht der zu Hamburg gehörenden Insel obliegt dem Land Niedersachsen.
Umwelt-Staatssekretär Frank Doods vor Ort
Umwelt-Staatssekretär Frank Doods aus dem Umweltweltministerium in Hannover, sowie Behörden- und Politikvertreter verschafften sich Freitagmorgen bei bestem Wetter hoch vom gelben Wagen ein eigenes Bild vom Weg über den Meeresgrund. Mithilfe von Duhnern und Neuwerkern ist diese bessere, wenn auch rund 1,5 Kilometer längere Zuwegung über den Winter gefunden und im Frühjahr ausgepriggt worden. Für Stabilisierung des Untergrunds sorgt Muschelschill als natürliches Material im sensiblen Weltnaturerbe.
Hendrik Brütt (28) war aktiv an der Suche nach dem neuen Weg beteiligt, der zunächst mehr südwestlich in Richtung Weser verläuft. Er ist mit dem Watt vor seiner Haustür auf- und in den Familienbetrieb hineingewachsen. Seit 1880 sind die Brütts mit der "Wattenpost" für die postalische Anbindung der Insel Neuwerk verantwortlich. Sechs eigene Wattwagen unterhält die Duhner Familie heute. Neben Feriengästen sind Neuwerk-Touren ihr wirtschaftliches Standbein. "Anderthalb Stunden dauert es bis Neuwerk, wir fahren in Duhnen drei Stunden vor Niedrigwasser los, damit die Leute eine Stunde Aufenthalt auf der Insel haben."
Hendrik Brütt fährt die Postkutsche nicht nur im Sommer mit Ausflüglern. Im Winter geht es drei Mal die Woche nach Neuwerk, um Post und Pakete rüber zu bringen. Und gemeinsam mit den Neuwerkern haben er und sein Vater Jan sich während der kalten Monate durch Ausprobieren und Beobachten auf die Suche nach einem geeigneten Weg durch das Weltnaturerbe gemacht - und ihn gefunden.
Schließlich wurde es in den zurückliegenden Jahren immer schwieriger, den großen Priel, der landläufig als "Duhner Loch" bezeichnet wird, mit Pferd und Kutschen sicher zu queren. Vor allem bei Westwind und Mittagstiden drohte Ungemach. "Nur bis 1,30 Meter Tiefe im Priel können die Pferde durchs Wasser gehen - und das Wasser kommt schnell", erläuterte Brütt - dem Wattwagenfahrer dient ein hölzernes Kreuz als Messlatte für den Wasserstand. 35 bis 40 Mal pro Saison mussten Wattwagen wegen Unpassierbarkeit wieder umkehren. Im Mai vorigen Jahres gab es eine große Protestaktion, mit der die Wattwagenfahrer und Neuwerker auf die Misere öffentlichkeitswirksam aufmerksam machten. Das Land Niedersachsen sicherte Abhilfe zu.
Land Niedersachsen ist für die Zuwegung zuständig
Die Verkehrssicherungspflicht liegt beim Land. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) war unter Hinzuziehung der Forschungsstelle Küste sowie der Akteure vor Ort unter Beteiligung des Umweltministeriums mit der Ausarbeitung der neuen Route betraut. Diese Wegführung orientiere sich, so Hartwig Meyer vom NLWKN Stade, an der Verlagerung der Wattwasserscheide nach Westen und an den natürlichen Prozessen. Für die Querung des auf der neuen Route liegenden Priels wurde Muschelschill eingearbeitet, um den Bodenbereich zu naturnah zu verdichten.
Größenordnung von vier Bigpacks
ests und positiven Rückmeldungen der Wattwangenfahrer erfolgte die Ausweisung der neuen Strecke mit Priggen. Dieser neue Weg nach Neuwerk ist zwar rund anderthalb Kilometer länger, aber für die Wattwagen zurzeit gut befahrbar. In einer Größenordnung von vier Bigpacks wurden Muschelschalen eingebracht. Für Nachschub ist gesorgt. Weiterer Muschelschill liege auf einem NLWKN-Beteriebshof in Cuxhaven bereit, um kurzfristig Ausbesserungen von auftretenden Schadstellen vornehmen zu können, teilte die Behörde mit.
"Das Material passt ins Watt", so Hendrik Brütt, "aber Veränderungen können sich hier täglich ergeben. Da ist es wichtig, dass das Material in der Nähe gelagert wird, um entsprechend schnell nachbessern zu können." Er hofft, dass dies eine dauerhafte Lösung darstellt. Umwelt-Staatssekretär Frank Doods zeigte sich anlässlich der "Wattwegabnahme" mit dem bisherigen Ergebnis hoch zufrieden: "Das Land Niedersachsen hat die Sorgen und Wünsche der Neuwerker und Wattwagenfahrer gehört. Zugleich galt es eine Lösung zu finden, die dem sensiblen und nur begrenzt beeinflussbaren Naturraum Wattenmeer, durch den dieser in Deutschland einzigartige Weg führt, gerecht wird. Das ist den Beteiligten mit der nun umgesetzten Wegführung gut gelungen."