Nordseeküste: Diese Deiche sollen Sicherheit für 100 Jahre schaffen
OTTERNDORF. Der schleswig-holsteinische CDU-Landtagsabgeordnete Klaus Jensen informierte in der Medemstadt über den sogenannten Klimadeich.
"Küstenschutz gehört zur DNA eines jeden Küstenbewohners." Klaus Jensen weiß, wovon er spricht. Der CDU-Landtagsabgeordnete aus Schleswig-Holstein ist auf der Insel Pellworm aufgewachsen und hat so manche schwere Sturmflut erlebt. Als fischerei- und tourismuspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion ist ihm die Sicherheit an den Küsten ein großes Anliegen. Auf Einladung der Otterndorfer CDU informierte der Agraringenieur am Montag über die sogenannten Klimadeiche.
"Keen nich will dieken, de mutt wieken": Wer nicht deichen will, muss weichen. Dieses alte plattdeutsche Weisheit beherzigen die Menschen an den Küsten Norddeutschlands schon seit Jahrhunderten und stellen den Fluten der Nordsee immer mächtigere Deiche entgegen. In Zeiten des Klimawandels sind diese Bollwerke gegen die See wieder stärker in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. "Das ist ein Thema, das uns auf den Nägeln brennt", sagt der Otterndorfer CDU-Vorsitzende Peter Hoppe, der zum Küstenschutz eine ganze Veranstaltungsreihe auf die Beine stellt. "Wir leben hier in einer bedrohten Region. Insofern ist es wichtig, dass die Öffentlichkeit wieder auf den Küstenschutz aufmerksam gemacht wird."
Problemlos Kappe draufsetzen
In Schleswig-Holstein ist die Antwort der Küstenschützer auf die steigenden Meeresspiegel der Klimadeich: Acht bis neun Meter hoch, weitere eineinhalb Meter Ausbaureserve und bis zu 130 Meter breit. Die nächste Generation könnte problemlos eine Kappe aufsetzen und den Deich auf diese Weise nochmals verstärken und erhöhen. "Mit einem Klimadeich werden zukünftige Entwicklungen berücksichtigt, der weitere Anstieg des Meeresspiegels ist einkalkuliert", erläuterte Klaus Jensen in den Seelandhallen. In Büsum und Nordstrand gibt es diese "Deiche 2.0" schon, aber das Ganze sei natürlich "eine Generationenaufgabe", meinte Jensen. Erst fünf Prozent der schleswig-holsteinischen Deiche seien entsprechend umgebaut. Es sei nicht einfach die erforderlichen Materialien, wie Füll- und Abdeckmaterial, heranzuschaffen.
Die technische Umsetzung ist das eine, "aber wir müssen die Klimadeiche auch finanziert bekommen, das ist die große Kunst", sagte der 62-jährige Landespolitiker. Der Bund gebe 70 Prozent und das Land 30 Prozent. Außerdem würden EU-Fördermittel angezapft. Glücklicherweise sei die Diskussion um den Küstenschutz in Schleswig-Holstein nicht parteipolitisch geprägt. "Sie ist auf Konsens ausgerichtet", so Jensen.
Um die Sicherheit der Küstenabschnitte gesamtheitlich im Blick zu behalten, habe das Land Schleswig-Holstein nach der Sturmflut von 1962 einen so genannten "Generalplan Küstenschutz" aufgestellt. "Damit werden immer sehr weitsichtig die notwendigen Maßnahmen für die Sicherheit von Deichen und Küstenschutzanlagen identifiziert und umgesetzt", erklärte Jensen.
Übrigens: Bei der Planung von Deichen geht man künftig von einem höheren Wasserstand aus als bislang - aus 50 Zentimetern Sicherheitsreserve für den steigenden Meeresspiegel wird ein Meter. So steht es in den Plänen der Küstenschutzbehörden, die sich dem Zeitraum bis zum Jahr 2120 widmen.
Ausgeklügelter Einsatzplan
Und was passiert, wenn die Sturmflut an den Otterndorfer Deichen knabbert? "Dann sind wir gut vorbereitet", sagte Torsten Heitsch, Geschäftsführer bei den Wasser- und Bodenverbänden Otterndorf. Mit einem ausgeklügelten Einsatzplan, moderner Technik und Fahrzeugen sei man für solche Ereignisse glänzend gerüstet. Sandsäcke seien aber noch immer ein wichtiges Rückgrat im Deich- und Küstenschutz, erläuterte Heitsch. Helfer aus der Bürgerschaft würden im Notfall aber nicht direkt am Deich gebraucht, sondern vor allem am Verbandsgebäude zum Befüllen der Säcke.