Olympia ohne Emotionen

24.03.2006

Gabriele Stietz war Weltmeisterin und holte Bronze in Seoul ­ Glücklich wurde sie erst in Altenwalde

tb. -­ Der Glanz von WM-Gold und Olympia-Bronze, aber auch ein verschlissener Körper: Das ist alles, was Gabriele Stietz von ihrer Turnerkarriere blieb. "Ich würde es nie wieder machen", sagt sie heute in aller Deutlichkeit.

Als Top-Athletin der DDR musste sie vor allem eines: Funktionieren. Während der Weltmeisterschaft 1985 in Montreal erlitt sie einen Muskelfaserriss im Oberarm, turnte trotzdem weiter und holte Gold am Stufenbarren. "Äußerlich hat man mir den Schmerz nie angesehen und ich traute mich nie, etwas zu sagen", berichtet Stietz und schüttelt dabei über sich selbst ein wenig den Kopf. Zwei Jahre später reiste sie zur WM nach Rotterdam, ohne Form und von Verletzungen geplagt ­ sie wurde sechs Monate zuvor an beiden Knien operiert. Stietz patzte im Pflichtprogramm, verlor alle Medaillenchancen. Statt Trost bekam sie von den Trainern nur Missachtung. "Ich hatte versagt, wurde links liegen gelassen und keines Blickes gewürdigt", klagt sie. Schnell merkte die junge Frau, dass sie für den Sport-Apparat lediglich eine Marionette war.

Bereits mit vier Jahren begann Stietz, die damals noch Gabriele Fähnrich hieß, in ihrer Heimatstadt Hoyerswerda mit dem Turnen. "Meine Eltern und meine Schwester waren auch Turner und da hatte man mich natürlich im Blick", erzählt sie und meint damit die Trainer des DDR-Systems. Im Alter von neun Jahren bekam sie 1977 schließlich einen Internatsplatz im Berliner Sportforum, dem größten Sport- und Trainingszentrum Europas. Bis sie 20 war, lebte sie dort abgeschnitten von der Außenwelt, erfuhr den Drill des Systems.

Auf Auslandsreisen wurde sie ständig überwacht und gar verhört, nachdem sie sich während eines Turniers in Japan mit einer Sportlerin aus der BRD unterhalten hatte. "Wir haben uns lediglich über einen Fotoapparat ausgetauscht. Doch geglaubt haben die mir nicht", sagt sie mit Blick auf die damaligen Funktionäre.

Sie habe, was Hotels und Turnhallen angehe, viel von der Welt gesehen. Freude wollte trotz WM-Sieg und Olympia-Teilnahme nie aufkommen. "Du wusstest, du fährst dahin und das war?s. Nachdem ich WM-Gold gewonnen hatte, dachte ich nur ,Ach, schön?", erinnert Stietz sich emotionslos.

Offen gesteht sie, dass sie mit Dopingmitteln in Kontakt kam: "Natürlich habe ich auch diese kleinen blauen Pillen bekommen." Bis heute weiß sie nicht, was das genau war. Die Pillen nahm sie nicht lange, hatten sie doch eine für Turnerinnen inakzeptable Nebenwirkung: Man nahm zu. "Wir wurden vier Mal am Tag gewogen. Selbst wenn man nur 100 Gramm zu viel wog, hagelte es Kritik von den Trainern", berichtet Stietz.

Bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul holte sie zum Abschluss ihrer Karriere Bronze mit der Mannschaft. Die Ex-Weltmeisterin hat sich für ihren Sport geschunden, den Körper über die Grenzen verbogen. Ihr Rücken macht ihr oft zu schaffen, die Bänder in den Knien sind ausgeleiert.

Bis 2005 blieb Stietz in Berlin. Sie wurde schwanger, heiratete, fühlte sich jedoch nie richtig wohl. Dann wagte die zierliche, 1,55 Meter kleine Frau einen Neuanfang. Sie verliebte sich, zog mit ihrer Tochter zu ihm nach Altenwalde und fand ihr Glück. Seit August hat sie ein Kosmetikstudio im Westerwischweg.

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