OTT-Kennzeichen: Zeichen der Liberalität

28.02.2012

OTTERNDORF. Mehrere niedersächsische Kommunen streben die Wiedereinführung ihrer alten Autokennzeichen an. Auch Otterndorf ist dabei. Mit der Kreisgebietsreform 1977 verschwanden die alten Kennzeichen allmählich aus dem Straßenbild. Doch die Freigabe der Alt-Kennzeichen stößt nicht nur auf Befürworter.

In einer gemeinsamen Initiative haben sich 14 Kommunen aus Niedersachsen zusammengetan, um für die alten Kennzeichen zu werben. Unterstützt werden sie dabei durch eine Studie der Hochschule Heilbronn.

Das Bundesverkehrsministerium will den Ländern die Wiedereinführung der Alt-Kennzeichen grundsätzlich erlauben. Im Frühjahr soll dazu eine rechtliche Regelung in den Bundesrat eingebracht werden. Auch das Land Niedersachsen unterstützt das Vorhaben der Kommunen unter der Bedingung, dass die Landkreise mitspielen.

Doch da liegt der Haken, zumindest im Cuxland. "Die Kreisverwaltung befürwortet das Kennzeichen OTT nicht", sagt Dezernent Friedrich Redeker. "Für OTT wäre der Wiedererkennungswert nicht gegeben, wohl aber für CUX." Die Entscheidung soll aber die Politik treffen. Am 7. März berät der Kreisausschuss über das Thema.

"Das Wohl und Wehe des Landkreises hängt von dieser Frage sicher nicht ab", sagt Land Hadelns Samtgemeindebürgermeister Harald Zahrte, "OTT wäre eine gute Werbung. Das Kennzeichen wäre freiwillig, es kostet die Allgemeinheit nichts und den Bürgern würde die Wahl gelassen. Am Ende könnte auch der Landkreis davon profitieren."

Völlig anders beurteilt Dr. Hubert Meyer, Geschäftsführer des Niedersächsischen Landkreistages, die Diskussion um die Alt-Kennzeichen: "Uns wundert, dass die Landesregierung, die mit den Kommunen über zukunftsfähige Strukturen spricht, die Altkreisstädte bei ihren kleinkarierten Spielen der Vergangenheit gewähren lässt. Wir lehnen die willkürliche Wiedereinführung einzelner Alt-Kennzeichen ab. Das Thema ist seit 40 Jahren erledigt und die Schilder sollten bleiben, wo sie sind: im Museum."

Die Auffassung des Landkreistages hält Harald Zahrte für "wenig souverän". Wenn eine Wahlmöglichkeit als "rückwärtsgewandt bzw. museal" herabgewürdigt werde und die Wiederverwendung auslaufender Kennzeichen als "Verkennung des modernen Tourismusmarketing" diskriminiert werde, zeuge das "schlichtweg von sehr wenig Sachverstand". Gerate die Identität der Landkreise über 40 Jahre nach der Kreisreform durch eine Wahlfreiheit bei der Wahlmöglichkeit von Kennzeichen ins Wanken, dann hätten die Landkreise in der Tat ein Identitätsproblem. Zahrte: "Die Bürgerinnen und Bürger identifizieren sich eher mit ihrer Gemeinde als mit ihrem Landkreis. Eine solche Identitätskrise lässt sich aber nicht durch Verbote heilen." Letztlich werde sich die Freiheit durchsetzen, glaubt Zahrte. "Wenn alle so denken, wie es der Auffassung des Landkreistages entspricht, dürfte es doch gar kein Problem geben. Dann wird kein Bürger von seinem Wahlrecht Gebrauch machen."

Otterndorfs Bürgermeister Claus Johannßen hielte die Freigabe der Kennzeichen für ein "Zeichen der Liberalität", nennt aber auch touristische Gründe: "Das Gastgeberverzeichnis für den Landkreis wird nicht neu aufgelegt. Von einer gemeinsamen Identität kann man zumindest im Bereich Tourismus kaum sprechen. Das Kennzeichen OTT würde Otterndorfs Bekanntheitsgrad weiter steigern." Er habe besonders von vielen jungen Menschen positive Resonanz zum Thema erfahren, so Johannßen. Doch es müsse auch deutlich werden, dass die Initiative nicht gegen den Landkreis gerichtet sei. Johannßen: "Wir wollen damit nicht erreichen, dass Otterndorf wieder Kreisstadt wird."

Von Ulrich Rohde

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