Plötzlicher Kindstod weckt Schuldgefühle

24.06.2003

Rechtsmediziner stellt Situation der Eltern in den Vordergrund

mr. - Er trifft Eltern und Angehörige wie ein Blitz, er hinterlässt unbeantwortete Fragen und Schuldgefühle - der plötzliche Säuglingstod. Zu diesem Thema hatte der Kinderhospizverein Cuxhaven in Zusammenarbeit mit der AOK am Freitag mit Prof. Dr. Klaus-Steffen Saternus, Rechtsmediziner an der Universität Göttingen, einen Fachmann eingeladen, der sich seit Jahren insbesondere mit der Lage der zurückbleibenden Familien befasst. Auch wenn der plötzliche Kindstod nach wie vor häufigste Todesursache im Säuglingsalter ist, so stellt sich, so Prof. Saternus, doch immer wieder die zentrale Frage: "Ist das Kind nicht vielleicht doch erstickt?" und: "Wer trägt die Schuld daran?" Er appellierte an alle Hilfskräfte (auch Notärzte, Rettungskräfte und Polizeibeamte waren am Freitag im Publikum), alles zu vermeiden, was für die Eltern zusätzlich kränkend und verletzend ist - "das Verhalten im ersten Moment ist von allergrößter Bedeutung". Wie dünnhäutig alle Beteiligten sind, wenn es um dieses Thema geht, zeigte sich an den Diskussionsbeiträgen - auf der einen Seite von den Ärzten und Rettungssanitätern, die sich nicht den Vorwurf machen lassen wollen, nicht alles versucht zu haben, andererseits von Eltern, die dieses schreckliche Ereignis teilweise schon vor Jahrzehnten erlebt und nicht verwunden haben. Saternus selbst bietet sich bei Fällen von plötzlichem Kindstod in der Umgebung von Göttingen als Ersthelfer an. Auf eine zweite Anlaufstelle für Eltern wies die zweite Referentin des Abends, Beate Hirschberg von der Gemeinsamen Elterninitiative Plötzlicher Säuglingstod (GEPS) hin. Ihre Schilderung vom Tod ihres einmonatigen Sohnes vor sieben Jahren ließ den Zuhörern den Atem stocken. Eine Stütze fand die Familie nicht nur beim Institut für Rechtsmedizin in Göttingen bei Prof. Saternus, sondern auch bei der Elterninitiative GEPS - so sehr, dass sich Beate Hirschberg entschloss, hier einen Vorstandsposten zu übernehmen.

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