Der vor wenigen Monaten neu eröffnete Schulhof der Abendroth-Grundschule in Cuxhaven hat sich zu einem Brennpunkt entwickelt. Während des Shutdowns soll die Situation dort regelmäßig ausgeartet sein. Foto: May
Der vor wenigen Monaten neu eröffnete Schulhof der Abendroth-Grundschule in Cuxhaven hat sich zu einem Brennpunkt entwickelt. Während des Shutdowns soll die Situation dort regelmäßig ausgeartet sein. Foto: May
Mehrere Polizeieinsätze

Vandalismus, Drogen, Gewalt: Cuxhavener Schulhof entwickelt sich zu Brennpunkt

von Denice May | 19.06.2021

CUXHAVEN. Der Schulhof einer Cuxhavener Grundschule hat sich in den vergangenen Monaten zu einem Brennpunkt entwickelt. Schule, Stadt, Polizei und Jugendamt suchen nun nach Lösungen.

Der neue Schulhof der Abendroth-Grundschule, für den 400 000 Euro investiert wurden, ist im Winter vergangenen Jahres eingeweiht worden und für jeden zugänglich. Auch außerhalb der Unterrichtszeiten und für diejenigen, die dort nicht zur Schule gehen. In Cuxhaven ist das eine bewusste Entscheidung, die allerdings auch Probleme mit sich bringt. Besonders während des Shutdowns haben sich an den Nachmittagen und an den Wochenenden Kinder und Jugendliche dort aufgehalten, die sich nicht an die auf Spielplätzen geltenden Regeln gehalten haben sollen. Es geht um Gewaltandrohungen, Sachbeschädigung, Drogen, Waffen und Verunreinigungen.

Schulleiterin ist fassungslos

Herausgerissene und durch die Gegend geworfene Büsche, haufenweise ausgespuckte beziehungsweise liegengelassene Sonnenblumenkernschalen und Schäden an den Toren des Fußballfeldes. Es sind nur ein paar Dinge, die Schulleiterin Anjuta Günther sprachlos machen. Sie kann nicht nachvollziehen, warum all das auf dem erst im Winter neu errichteten Schulhof der Abendroth-Grundschule passiert.

Viel Arbeit für Reinigungskräfte

Besonders während des Shutdowns sei die Situation an den Nachmittagen und an den Wochenenden ausgeartet. "Ich kriege die Folgen selbst zu sehen und habe auch schon vieles selbst beobachtet. Es werden Büsche rausgerissen, Erwachsene werden angepöbelt und Spielgeräte werden durch unsachgemäße Nutzung beschädigt. Das Tor zum Fußballfeld hat schon Schäden und die Jugendlichen und Kinder lassen ihren Müll liegen. Sicher rennen unsere Schüler auch mal durch die Büsche, aber sie zerstören nichts mutwillig." Die Reinigungskräfte der Grundschule seien vor Schulbeginn eine Stunde lang damit beschäftigt, die Hinterlassenschaften zu entfernen und den Schulhof wieder bespielbar zu machen.

Waffen und Drogen?

Doch nicht nur der Müll und die Sachbeschädigungen sind ein Problem. "Erwachsene werden angepöbelt und von einer besorgten Mutter habe ich erfahren, dass sie ihr Kind dort nicht mehr alleine hingehen lassen will", erklärt die Schulleiterin. Die Mutter erklärte unserer Zeitung gegenüber, dass es vermehrt zu Gewaltandrohungen gekommen sei, Drogen angeboten und sogar Waffen auf den Spielplatz mitgebracht wurden.

Mehrere Vorfälle gemeldet

Die Polizei Cuxhaven erklärt dazu: "Der Polizeiinspektion Cuxhaven wurden in der jüngeren Vergangenheit vereinzelt Vorfälle auf dem Gelände der Abendrothschule gemeldet. In diesem Jahr wurden bisher drei Sachverhalte angezeigt, die sich auf dem Gelände zugetragen haben", erklärt Melanie Pöpke, Sprecherin der Polizei Cuxhaven. Unter anderem meldete eine Betreuerin, dass sich mehrere Kinder und Jugendliche mutmaßlich mit einer Schusswaffe auf dem Gelände aufhielten. "Bei der polizeilichen Überprüfung stellte sich heraus, dass Kinder und Jugendliche mit einer Spielzeugwaffe hantierten", klärt die Polizeisprecherin auf.

Polizei weiß von Problemen

Auch wegen möglicher Corona-Verstöße wurde die Polizei zum Schulhof der Abendroth-Grundschule gerufen. "Vor Ort konnten fünf Personen unter Einhaltung der geltenden Corona-Regeln angetroffen werden." Zuletzt musste die Polizei wegen eines Körperverletzungsdelikts zum Schulhof ausrücken. Die Ermittlungen dazu dauern noch an.

"Krisen-Treffen" geplant

Diese Vorfälle duldet Schulleiterin Anjuta Günther nicht und hat sich deshalb an die Stadt Cuxhaven gewandt. Oberbürgermeister Uwe Santjer sagt dazu: "Ich habe die Meldung erhalten, dass da Dinge passieren, die wir nicht wollen." Um der Situation schnellstmöglich entgegenzuwirken, treffen sich nun unter anderem Vertreter der Schule, der Stadt, der Polizei und des Jugendamtes für eine Bestandsaufnahme. "Wir müssen sofort zusammenkommen und etwas dagegen unternehmen. Wenn die Situation also so ist, wie sie beschrieben wird, werden wir eingreifen. Das Problem wird jetzt angepackt. Es ist richtig und wichtig, dass Eltern und die Schule das Problem erkennen und an zuständige Stellen weitergeben. Wenn Kinder auf Spielplätzen nicht mehr spielen mögen und verdrängt werden, muss das unterbunden werden."

Wegschicken ist keine Lösung

In der Vergangenheit, so weiß der Oberbürgermeister, habe sich das Netzwerk - unter anderem bestehend aus Polizei und mobiler Jugendhilfe - bei solchen Problemen als wirksam erwiesen. "Es wäre zu einfach, den jungen Leuten zu sagen, was sie nicht dürfen und was nicht geht. Wir tragen eine Verantwortung und müssen uns auch um sie kümmern. Wie können wir den Jugendlichen helfen und können wir ihnen Alternativen bieten? Wir wollen nicht weggucken, sondern müssen schnell reagieren. Die Spielplätze bleiben jedenfalls offen, davon weiche ich auch nicht ab", macht Uwe Santjer deutlich.

Mehr Kontrollen der Polizei

Auch die Polizei wird in Zukunft schärfere Kontrollen durchführen. "Wir sind immer dankbar für Hinweise aus der Bevölkerung, wenn sich Problembereiche auftun. Aufgrund der nun vorliegenden Hinweise steht die Polizeiinspektion Cuxhaven in Kontakt mit der Schulleitung der Abendroth-Grundschule und wird den Bereich in den Nachmittagsstunden vermehrt bestreifen", bestätigt Melanie Pöpke von der Polizeidienststelle Cuxhaven.

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