Döhler: Produkte aus Kreis Cuxhaven weltweit gefragt
NEUENKIRCHEN. In den Ausbau des "Döhler"-Werkes in Neuenkirchen wird massiv investiert. Es geht um eine Summe von über 10 Millionen Euro.
Auf diesen Moment hatte nicht nur Dr. Hubert Gründing ("Managing Director" bei Döhler in Neuenkirchen) gewartet: Über den beiden neuen Hallen, die in den vergangenen Monaten auf dem Firmengelände entstanden sind, hing nach intensiven Vorbereitungen der rund 30 Meter lange und tonnenschwere "Verdampferturm" am Haken eines Krans, der normalerweise bei der Montage von Windkraftanlagen eingesetzt wird. Langsam wurde dieser Riese in die Höhe gehievt und in Position gebracht, um dann durch eine Öffnung im Dach einer der beiden Hallen auf seinem endgültigen Platz zu landen. Ein spektakuläres Manöver, das den bisherigen Höhepunkt der Arbeiten auf dem Werksgelände darstellt.
Der gewaltige Turm, der zuvor per Lkw-Sondertransport aus dem italienischen Parma über den Brenner nach Neuenkirchen gebracht worden war, ist das Herzstück der neuen Konzentratanlage, die Döhler in Auftrag gegeben hat und die im August ihren Betrieb aufnimmt - rechtzeitig vor Beginn der Apfelsaison. Denn Äpfel spielen in dem Neuenkirchener Werk seit Jahrzehnten eine dominierende Rolle. Die Firma "Alma Hoppe" hatte dort den Grundstein für die Fruchtsaftverarbeitung gelegt. Ende der 70er-Jahre übernahm dann Hans Dinter das Unternehmen, bis 2001 das Familienunternehmen "Döhler" als neuer Eigentümer dort die Akzente setzte.
Neuenkirchen ist Bestandteil eines Netzes von 45 Produktionsstätten, die sich auf nahezu allen Kontinenten befinden: "Wir sind in der ganzen Welt zu Haus", sagt Gründing. Jede einzelne Produktionsstätte habe ihren Schwerpunkt: "Die Döhler- Gruppe produziert weltweit natürliche Inhaltsstoffe für die weiterverarbeitende Lebensmittelindustrie wie nichtalkoholische Getränke mit Schwerpunkt auf Frucht, Milchprodukte, Süßwaren, Backwaren und Snacks." Zu den Endprodukten gehören nach seinen Worten Säfte, Konzentrate, Pürees, Smoothies, Granulate, Pulver, Extrakte aus Früchten und Gemüse, Fermente verschiedenster Art sowie Grundstoffe für Bier, Fruchtweine, Cider, Malzgetränke, Extrakte aus Getreide, zudem Pflanzenextrakte aus Tee und Kaffee und auch natürliche Farben und Aromen aus Pflanzen, Früchten und Gemüse.
Den Namen "Döhler" wird man aber auf den Produkten im Supermarkt vergeblich suchen: "Wir verkaufen nicht an den Endverbraucher, sondern an den Handel. Daher wird man uns in den Regalen auch nicht entdecken."
In Neuenkirchen liegt der Schwerpunkt der Produktion bei der Verarbeitung von Früchten: "Sie kommen vorwiegend aus dem Alten Land", so Gründing. Aus den Früchten entsteht das Konzentrat: rund 65000 Tonnen aus Äpfeln, Birnen und roten Früchten (wie Kirsche, Johannisbeere, Heidelbeere und Brombeere) pro Jahr.
Rund die Hälfte dieser Menge wird in Deutschland abgesetzt und per Tankzug, Edelstahlcontainern oder Fässern zum Abnehmer transportiert. Ein Teil der Ware verlässt das Unternehmen in Hamburg und Bremerhaven auch Schiffstransport.
Um die Ware in der geforderten hohen Qualität liefern zu können, sind spezielle Fruchtverarbeitungs-, Filter-, Konzentrat- und Füllanlagen notwendig. Hinzu kommt ein eigenes Labor zur Qualitätssicherung: "Das sind wesentliche Bausteine der immer weiter steigenden Qualitätsansprüche der Kunden."
Um die Anlagen bedienen zu können, setzt Döhler in Neuenkirchen auf rund 185 Beschäftigte. Vergleichsweise hoch ist zudem die Zahl der Auszubildenden: Zurzeit befinden sich zusätzlich 21 junge Menschen in der Ausbildung - ob als Fachkraft für Fruchtsafttechnik oder für Lagerlogistik, als Chemielaborant und auch als Mechatroniker sowie Industriekaufmann.
Als ein "Bekenntnis zum Standort Neuenkirchen" wertet Gründing die Investition der "Döhler Group" in einer Größenordnung von 10,4 Millionen Euro: "Der Hintergrund der laufenden Investition ist die Schaffung zusätzlicher Kapazitäten, die Verbesserung der Qualitäten und die Reduzierung des Energieverbrauchs." Für diese Summe würden ein Tanklager, eine "Ultrafiltrationsanlage" und die Konzentratanlage in den Hallen geschaffen.
Allein das neue Tanklager verfüge über eine Kapazität von rund 2700 Tonnen. In der neuen Konzentratanlage werden Fruchtsäfte zu Fruchtsaftkonzentrat verarbeitet. Das Besondere an dieser Anlage sei die "schonende und wenig Hitze benötigende Prozesstechnologie sowie die energiesparende Verfahrenstechnik". Effektiv und sparsam zugleich: "Im Vergleich zu konventionellen Konzentratanlagen verbraucht die neue Konzentratanlage 67 Prozent weniger Energie und hat einen um 55 Prozent geringeren CO2-Ausstoß, was dazu führt, dass wir am Standort Neuenkirchen pro Jahr 14 Prozent Energie einsparen."
Maßgeblich am Bau der Hallen und der anderen Arbeiten waren übrigens viele Firmen aus dem Cuxland beteiligt: So wurden zum Beispiel die Hallen nach Gründings Angaben von den Firmen Lüdke (Cuxhaven) und Witte (Otterndorf) gebaut. Ein positiver Nebeneffekt der Millionen-Investition eines weltweit agierenden Unternehmens für die regionale Wirtschaft...