Das AKW in Brunsbüttel. Foto: Gambarini
AKW Brunsbüttel

Radioaktives Wasser aus dem Kernkraftwerk in die Nordsee?

von Ulrich Rohde | 20.11.2018

BRUNSBÜTTEL/CUXHAVEN. Die strahlenden Zeugen der Stromgewinnung aus Atomenergie werden in Rente geschickt. Allerdings dauert der Prozess Jahre.

Das Stader Atomkraftwerk wurde bereits 2003 stillgelegt. Der Rückbau soll bis 2023 andauern und wird am Ende eine Milliarde Euro kosten. Ähnlich lang wird der Rückbau des ebenfalls stillgelegten Atomkraftwerks Brunsbüttel dauern. Der Dithmarscher Meiler ist seit elf Jahren vom Netz, seit 2012 läuft das Rückbauverfahren. Es wird noch Jahre, mindestens bis 2031, dauern, bis anstelle des Kraftwerks eine grüne Wiese zu sehen sein wird. Der Rückbau dürfte um ein Vielfaches teurer werden als der Bau des von Vattenfall betriebenen AKW vor mehr als 40 Jahren.

Der Betreiber muss nachweisen, dass beim Abriss keine Strahlung in die Umwelt gelangt. Für schwach- und mittelradioaktive Bauteile werden auf dem Betriebsgelände Zwischenlager eingerichtet, die in zwei Jahren in Betrieb gehen sollen. Der strahlende Müll soll dort bis 2027 gelagert werden. Dann könnte der Schacht Konrad, das bundesweite Endlager bei Salzgitter, fertiggestellt sein.

Der Ausstieg aus der Atomenergie versetzt Umweltschützer in Verzückung. Einerseits. Andererseits bringt der Abriss der alten Anlagen unliebsame Begleiterscheinungen mit sich, etwa die Lagerung der radioaktiv belasteten Rückstände.

BUND fordert Filterung

Jetzt hat die Betreibergesellschaft die "Erteilung einer gehobenen wasserrechtlichen Erlaubnis für die Einleitung von erwärmtem Kühl- und Abwasser" in die Elbe beantragt. Es soll eine Leitung gebaut werden, über die das Wasser aus dem Meiler in den Fluss gelangt. Das ruft den Umweltverband BUND auf den Plan. Er fordert eine sorgfältigere - und teurere - Filterung der Abwässer. Er befürchtet, dass auch radioaktive Stoffe (Nuklide) in die Elbe fließen und damit Umwelt- und Gesundheitsschäden bei Mensch und Tier entstehen. Die Einleitungen wären zum Teil um ein Tausendfaches höher als während des AKW-Betriebes. Bei sorgfältiger Filterung, so der BUND, könne die Strahlenbelastung auf nahezu Null sinken.

Vattenfall hat beantragt, 185 Milliarden Becquerel pro Jahr radioaktiver Stoffe (einschließlich Plutonium) in 200 Metern Entfernung vom Deichfuß "zur besseren Verdünnung" einzuleiten. Der BUND hat gegen den Antrag von Vattenfall eine Sammeleinwendung mit Unterschriftenlisten vorbereitet. Die Entnahme und Einleitung von gut 10 Millionen Kubikmetern Elbwasser pro Jahr gefährde angesaugte Wassertiere wie Fische und Krebse. Die Menge an Wasser sei unnötig, da es in Brunsbüttel so gut wie nichts mehr zu kühlen gebe, argumentiert der Umweltverband.

Der Betreiber des Atomkraftwerkes hat die Einleitungen der Schadstoffe für die Dauer von 20 Jahren in gleichbleibender Höhe beantragt. Auch dagegen wendet sich der BUND. Die Menge müsse schrittweise mit dem Fortgang des Rückbaus reduziert werden.

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Ulrich Rohde

Stellv. Redaktionsleiter
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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