An der Alster in Hamburg fühlt sich Reent Reins wohl - der Schauspieler und Synchronsprecher ist ein echtes Nordlicht. Geboren wurde er 1943 in Otterndorf. Foto: Mangels 
An der Alster in Hamburg fühlt sich Reent Reins wohl - der Schauspieler und Synchronsprecher ist ein echtes Nordlicht. Geboren wurde er 1943 in Otterndorf. Foto: Mangels 
Gesellschaft

Reent Reins: Die deutsche Stimme von Don Johnson

von Christian Mangels | 10.05.2019

OTTERNDORF. Die deutsche Stimme von Don Johnson ("Miami Vice") stammt aus Otterndorf: Reent Reins ist einer der gefragtesten Synchronsprecher.

Die Lobby-Bar des Hamburger Atlantic-Hotels hat er als Treffpunkt vorgeschlagen. "Da kann man nett sitzen", weiß der 75-Jährige. Recht hat er. Und so sitzt er dann da, mit dem Cola-Glas in der Hand, ein bisschen wie aus der Zeit gefallen. Er trägt ein weißes T-Shirt unter dem dunklen Blazer, das schüttere ergraute Haar hat er vornehm nach hinten gekämmt. Reins ist ein Schauspieler der alten Schule, höflich, hanseatisch zurückhaltend, die Stimme leise. Rote Teppiche sind ihm nicht geheuer, er lebt zurückgezogen.

Rechts neben ihm sitzt seine Frau und Managerin Birgit und blättert in einem Fotoalbum ihres Mannes, das mit Zeitungsartikeln und Bildern gefüllt ist. Sie zeigen den Schauspieler und Synchronsprecher in allen Lebensphasen von der frühesten Kindheit bis zu den großen Theaterrollen.

Geboren wurde Reent Reins - den ostfriesischen Vornamen hat der Großvater ausgesucht - am 10. Oktober 1943 in Otterndorf. "Daran kann ich mich aber nicht mehr erinnern", sagt Reins und schmunzelt. Nach dem Bombenangriff auf Hamburg hatte die schwangere Mutter, eine gelernte Schneiderin, die Hansestadt auf Anweisung des nationalsozialistischen Regimes verlassen und brachte ihr Kind im beschaulichen Otterndorf zur Welt. Lange blieb die Familie dort aber nicht. Die Taufe fand bereits wieder in Hamburg statt. Erst viele Jahre später kehrte Reins nach Otterndorf zurück, um sich mit seinem Cousin das Krankenhausgebäude, das heutige Amtsgericht, anzuschauen. "Otterndorf ist wirklich ein hübsches Städtchen, vielleicht komme ich ja bald mal wieder vorbei", sagt er.

Das schauspielerische Talent hat Reent Reins von seinem Vater geerbt. Der arbeitete zwar für eine Versicherung, trat aber bei verschiedenen Anlässen als Hobbyschauspieler auf. Als der junge Reent ein Weihnachtsmärchen miterlebte, war es vollends um ihn geschehen. Ganz klar: Er wollte Schauspieler werden. Die Eltern waren wenig begeistert von den Plänen des Sohnes. Aber sie stimmten einem Kompromiss zu: Wenn er die Aufnahmeprüfung an der Hochschule für Musik und darstellende Künste besteht, würden sie seinem Traum nicht im Weg stehen. "Und ich habe bestanden", sagt Reins.

Noch während der Schauspielausbildung holt ihn der Filmregisseur Egon Monk vor die Kamera: Zusammen drehen sie das viel beachtete Fernsehspiel "Ein Tag - Bericht aus einem deutschen Konzentrationslager". Sein Bühnendebüt gibt Reent Reins 1964 in Shaws "Caesar und Cleopatra" an der Landesbühne Niedersachsen-Mitte. Es folgen Engagements in Hamburg am Deutschen Schauspielhaus, in Köln, Essen und am Stuttgarter Staatstheater mit Regie-Legende Hansgünther Heyme. "In Stuttgart hat es mir gut gefallen, da wäre ich fast hängen geblieben. Aber ich bin und bleibe nun mal ein Nordlicht", erzählt der Vater eines erwachsenen Sohnes, der beim Schweizer Fernsehen arbeitet.

Ein echter Glücksgriff

Erste große Bekanntheit erlangt der Schauspieler in den 1970er-Jahren durch die Rolle des Schiffskochs Teeje in der deutsch-französischen TV-Serie "Graf Luckner". "Diese Produktion war ein echter Glücksgriff", blickt Reins zurück. "Wir sind um die halbe Welt gereist und haben uns nicht tot gearbeitet. Heute wäre das überhaupt nicht mehr denkbar, heute ist doch alles durchgetaktet."

Wenn er von früher erzählt, dann funkeln die Augen des Hamburgers. In vielen Krimiserien hat Reins mitgespielt, "Tatort", "Großstadtrevier" und "Ein Fall für zwei". Und immer wieder Theater. Doch seit den 90er-Jahren ist damit Schluss: "Das moderne Theater ist mir zuwider", sagt Reins und seine eigentlich so freundliche Stimme bekommt etwas Bitteres.

Stattdessen konzentriert er sich aufs Sprechen - Reins ist einer der gefragtesten Synchronschauspieler im deutschsprachigen Raum. Er lieh schon Alec Baldwin, Michael Landon, David Carradine oder Dolph Lundgren seine Stimme. TV- und Kino-Fans ist er aber vor allem als feste Synchronstimme von Don Johnson bekannt. Wer in den 1980er-Jahren "Miami Vice" gesehen hat oder später die Serie "Nash Bridges", kam an Reins' markanter Bariton-Stimme nicht vorbei. "Ich habe Don Johnson auch schon persönlich getroffen", erzählt der Schauspieler. Wo? Natürlich in Miami. Das Zusammentreffen sei aber nicht sonderlich spektakulär gewesen. "Kurzes Hallo und Bye-Bye."

Einfach ist der Sprecher-Job nicht, betont Reins. "Wenn der Schauspieler beispielsweise laut wird, muss auch ich laut werden, wenn er leise spricht, muss ich ebenfalls leise sprechen. Wir dürfen die Rollen nicht neu erfinden", sagt er. Bei jedem Take ist Detailgenauigkeit gefragt. Wie schnell spricht der Schauspieler? Verändert er den Sprachrhythmus? Spricht er am Anfang langsam und dann schneller? Alle Lippenbewegungen müssen exakt gleich sein. "Synchronsprechen ist in erster Linie ein Handwerk", erklärt der Hamburger. "Aber wenn man es richtig gut macht, ist es Kunst."

Zum Ende des Interviews bestellt sich Reent Reins noch eine Cola. An der Lobby-Bar des Atlantic-Hotels herrscht jetzt großes Gewusel. Der Hotelbetrieb läuft wie ein Uhrwerk. 1997 wurde hier der James-Bond-Film "Der Morgen stirbt nie" gedreht. Reins weiß das natürlich, er liebt die James-Bond-Filme. Thriller und Krimis sind seine Passion. Und dann verrät er dem Reporter noch ein Geheimnis: "Ich habe jetzt selbst einen Krimi geschrieben. Mal schauen, was daraus wird."

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Nachrichten-Newsletter

Hier können Sie sich für unseren CNV-Newsletter mit den aktuellen und wichtigsten Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven anmelden.

Die wichtigsten Meldungen aktuell


Bild von Christian Mangels
Christian Mangels

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

cmangels@no-spamcuxonline.de

Lesen Sie auch...
Energiewende

Kreis Cuxhaven: Neuer Wind- und Solarpark in der Oste-Niederung geplant

von Wiebke Kramp

KREIS CUXHAVEN. Der forcierte Ausbau der Erneuerbaren Energien erzeugt so etwas wie Goldgräberstimmung. Planer für Wind und Solarparks schließen schon Pachtvorverträge ab, um sich Flächen zu sichern - auch in der Oste-Niederung.

Feuerwehreinsatz 

Anwohnerin in der Wingst nimmt Gasgeruch wahr - und sorgt für Großeinsatz

von Redaktion

WINGST. Für einen Großeinsatz der Feuerwehren Wingst, Cadenberge und Neuhaus sorgte eine Frau, die in ihrer Wohnung einen Gasgeruch wahrnahm. 

Wannaer wünschen sich mehr

Freizeit, Sport und Aktivitäten in Wanna: Was die Gemeinde bietet - und was nicht

von Vanessa Grell

WANNA. Die Ergebnisse unserer Umfrage zeigen: Wannas Bürgerinnen und Bürger wünschen sich mehr und vielfältigere Angebote. Aber was macht die Gemeinde schon - und was ist geplant?

Blaulicht

Dramatischer Rettungseinsatz in Hechthausen: Pferd steckt in Schlammgraben fest

KREIS CUXHAVEN. Bei einem tierischen Rettungseinsatz ist am Montag ein Pferd aus größter Not aus einem Graben in Hechthausen gerettet worden.