Reent Reins: Die deutsche Stimme von Don Johnson
OTTERNDORF. Die deutsche Stimme von Don Johnson ("Miami Vice") stammt aus Otterndorf: Reent Reins ist einer der gefragtesten Synchronsprecher.
Rechts neben ihm sitzt seine Frau und Managerin Birgit und blättert in einem Fotoalbum ihres Mannes, das mit Zeitungsartikeln und Bildern gefüllt ist. Sie zeigen den Schauspieler und Synchronsprecher in allen Lebensphasen von der frühesten Kindheit bis zu den großen Theaterrollen.
Geboren wurde Reent Reins - den ostfriesischen Vornamen hat der Großvater ausgesucht - am 10. Oktober 1943 in Otterndorf. "Daran kann ich mich aber nicht mehr erinnern", sagt Reins und schmunzelt. Nach dem Bombenangriff auf Hamburg hatte die schwangere Mutter, eine gelernte Schneiderin, die Hansestadt auf Anweisung des nationalsozialistischen Regimes verlassen und brachte ihr Kind im beschaulichen Otterndorf zur Welt. Lange blieb die Familie dort aber nicht. Die Taufe fand bereits wieder in Hamburg statt. Erst viele Jahre später kehrte Reins nach Otterndorf zurück, um sich mit seinem Cousin das Krankenhausgebäude, das heutige Amtsgericht, anzuschauen. "Otterndorf ist wirklich ein hübsches Städtchen, vielleicht komme ich ja bald mal wieder vorbei", sagt er.
Das schauspielerische Talent hat Reent Reins von seinem Vater geerbt. Der arbeitete zwar für eine Versicherung, trat aber bei verschiedenen Anlässen als Hobbyschauspieler auf. Als der junge Reent ein Weihnachtsmärchen miterlebte, war es vollends um ihn geschehen. Ganz klar: Er wollte Schauspieler werden. Die Eltern waren wenig begeistert von den Plänen des Sohnes. Aber sie stimmten einem Kompromiss zu: Wenn er die Aufnahmeprüfung an der Hochschule für Musik und darstellende Künste besteht, würden sie seinem Traum nicht im Weg stehen. "Und ich habe bestanden", sagt Reins.
Noch während der Schauspielausbildung holt ihn der Filmregisseur Egon Monk vor die Kamera: Zusammen drehen sie das viel beachtete Fernsehspiel "Ein Tag - Bericht aus einem deutschen Konzentrationslager". Sein Bühnendebüt gibt Reent Reins 1964 in Shaws "Caesar und Cleopatra" an der Landesbühne Niedersachsen-Mitte. Es folgen Engagements in Hamburg am Deutschen Schauspielhaus, in Köln, Essen und am Stuttgarter Staatstheater mit Regie-Legende Hansgünther Heyme. "In Stuttgart hat es mir gut gefallen, da wäre ich fast hängen geblieben. Aber ich bin und bleibe nun mal ein Nordlicht", erzählt der Vater eines erwachsenen Sohnes, der beim Schweizer Fernsehen arbeitet.
Ein echter Glücksgriff
Erste große Bekanntheit erlangt der Schauspieler in den 1970er-Jahren durch die Rolle des Schiffskochs Teeje in der deutsch-französischen TV-Serie "Graf Luckner". "Diese Produktion war ein echter Glücksgriff", blickt Reins zurück. "Wir sind um die halbe Welt gereist und haben uns nicht tot gearbeitet. Heute wäre das überhaupt nicht mehr denkbar, heute ist doch alles durchgetaktet."
Wenn er von früher erzählt, dann funkeln die Augen des Hamburgers. In vielen Krimiserien hat Reins mitgespielt, "Tatort", "Großstadtrevier" und "Ein Fall für zwei". Und immer wieder Theater. Doch seit den 90er-Jahren ist damit Schluss: "Das moderne Theater ist mir zuwider", sagt Reins und seine eigentlich so freundliche Stimme bekommt etwas Bitteres.
Stattdessen konzentriert er sich aufs Sprechen - Reins ist einer der gefragtesten Synchronschauspieler im deutschsprachigen Raum. Er lieh schon Alec Baldwin, Michael Landon, David Carradine oder Dolph Lundgren seine Stimme. TV- und Kino-Fans ist er aber vor allem als feste Synchronstimme von Don Johnson bekannt. Wer in den 1980er-Jahren "Miami Vice" gesehen hat oder später die Serie "Nash Bridges", kam an Reins' markanter Bariton-Stimme nicht vorbei. "Ich habe Don Johnson auch schon persönlich getroffen", erzählt der Schauspieler. Wo? Natürlich in Miami. Das Zusammentreffen sei aber nicht sonderlich spektakulär gewesen. "Kurzes Hallo und Bye-Bye."
Einfach ist der Sprecher-Job nicht, betont Reins. "Wenn der Schauspieler beispielsweise laut wird, muss auch ich laut werden, wenn er leise spricht, muss ich ebenfalls leise sprechen. Wir dürfen die Rollen nicht neu erfinden", sagt er. Bei jedem Take ist Detailgenauigkeit gefragt. Wie schnell spricht der Schauspieler? Verändert er den Sprachrhythmus? Spricht er am Anfang langsam und dann schneller? Alle Lippenbewegungen müssen exakt gleich sein. "Synchronsprechen ist in erster Linie ein Handwerk", erklärt der Hamburger. "Aber wenn man es richtig gut macht, ist es Kunst."
Zum Ende des Interviews bestellt sich Reent Reins noch eine Cola. An der Lobby-Bar des Atlantic-Hotels herrscht jetzt großes Gewusel. Der Hotelbetrieb läuft wie ein Uhrwerk. 1997 wurde hier der James-Bond-Film "Der Morgen stirbt nie" gedreht. Reins weiß das natürlich, er liebt die James-Bond-Filme. Thriller und Krimis sind seine Passion. Und dann verrät er dem Reporter noch ein Geheimnis: "Ich habe jetzt selbst einen Krimi geschrieben. Mal schauen, was daraus wird."