Reinhard Gramm: Das kann tatsächlich eine Lebensstellung werden

05.01.2006

Die Sonne scheint auf den Garten, es ist ruhig hier, viel Grün drumherum, hier lässt es sich sicher gut leben. Reinhard und Marita Gramm sitzen am Gartentisch unter dem Sonnenschirm, der sich hin und wieder im seichten Wind aufplustert und selbstständig machen möchte, sobald es ein wenig stärker aufbrist. In der Ecke eine Kindersandkiste, auch mit Sonnenschutz, damit Töchterchen Juliane beim eifrigen Buddeln keinen Sonnenbrand bekommt.Im Haus wird sichtbar, dass es frisch bezogen ist. Die Bewohner sind noch nicht allzu lange hier und nebenher damit beschäftigt, das eine oder andere Einrichtungsstück anzubringen. Reinhard Gramm (42), seine Frau Marita (32) und die zweieinhalb Jahre alte Juliane, die viel lieber Julemaus genannt werden möchte, leben seit dem 1. Juli im ehemaligen Geversdorfer Pastorenhaus. "Wir haben uns in der Region umgesehen, auch in der Umgebung von Stade, wo ich ja mein Büro habe. Aber wir sind sehr froh darüber, dass wir hier - beinahe zufällig - in Geversdorf gelandet sind", stellt Reinhard Gramm fest und fügt hinzu: "Hier lässt es sich wunderbar wohnen und arbeiten." Gramm ist erst jüngst zum Landesposaunenwart für den evangelischen Kirchensprengel Stade gewählt worden. Eine aufwändige Prozedur mit einer ganzen Reihe von Entscheidungsträgern, der sich er und drei weitere Bewerber unterziehen mussten, inklusive großer Orchesterprobe mit 100 Bläsern. Reinhard Gramm kennt das, er ist es seit langem gewohnt, vor Orchestern zu stehen. In einem westfälischen Kirchenkreis war er vorher als Posaunenwart und als Gemeindekantor tätig. Gramm und seine Familie lebten zuvor bei Gütersloh auf einem Bauernhof. "Wir sind Landleute und leben gern auf dem Dorf", sagt Gramm. Beim Blick zurück nach Westfalen kommt keine große Wehmut auf. Die Gramms sind schon seit langer Zeit Küstenfans. "Die Gegend war uns nicht unbekannt. Schließlich haben wir schon oft in der Wingst Urlaub gemacht." Allerdings hier einmal zu leben und zu arbeiten, das schien kaum zu verwirklichen. Da kam die Stellenausschreibung der Landeskirche wie ein Geschenk aus heiterem Himmel. "Ich habe Glück gehabt", bekennt Gramm. Dass die Wahl des Gremiums auf ihn gefallen ist, könne auch damit zu tun haben, dass er in der Szene kein Unbekannter ist. Er ist durch verschiedene Kompositionen hervorgetreten und hat einiges zur Literatur für den Bläsernachwuchs beigetragen. Ansprechpartner der Bläser Nun ist Reinhard Gramm einer von sieben Landesposaunenwarten. Ab und zu kommt es natürlich vor, dass er erklären muss, was ein Posaunenwart eigentlich macht. Auf keinen Fall wartet er, wie man fälschlich vermuten könnte, die Posaunen. Sein Tätigkeitsbereich ist alles andere als handwerklicher Natur. "Ein Posaunenwart", erläutert er dem Unkundigen geduldig, "ist ein Chorleiter für Instrumentalisten. Und in dieser Funktion bin ich einer der Referenten der Landeskirche für die Ausbildung der Chorleiter und Blechbläser in den hiesigen Chören." Zu dieser Aufgabe gehört es unter anderem, Seminare für Bläser abzuhalten, sie fachlich voranzubringen, sie mit der Literatur für diese Instrumentengruppe vertraut zu machen und die Leiter der Chöre zu schulen. Betreuung und Dienstleistung, das sind die Hauptschwerpunkte des Landesposaunenwarts, der zusätzlich auch die Leitung des Sprengel-Posaunenchors inne hat. Reinhard Gramm hat in Detmold Posaune sowie Chor- und Orchesterleitung studiert. Dazu kam ein Studium der Kirchenmusik, er ist auch auf Klavier und Orgel zu Hause. Eine Tätigkeit als Orchestermusiker kam für ihn nie in Frage. Als Organist in einer Gemeinde hat er auch seine Ehefrau Marita kennen gelernt, die in der kirchlichen Jugendarbeit tätig war. Vor elf Jahren heirateten er und die Stationsassistentin der Inneren Intensivabteilung einer Klinik in Bethel. Nun stehen die beiden vor einer neuen Herausforderung, die sie gerne angenommen haben. "Als Mitarbeiter der Landeskirche trägt man eine gewisse Verantwortung und hat einige Pflichten zu erfüllen, aber man genießt auch viele Freiheiten", sagt Reinhard Gramm, der sich gut vorstellen kann, dass daraus eine Lebensstellung werden kann, das komfortable Wohnen nur einen Steinwurf von der Oste entfernt inbegriffen. Musikalisch steht Reinhard Gramm für die Offenheit des Repertoires. Gerade Blasinstrumente böten sich für ein weites Spektrum von der Klassik, über Swing, Gospel bis hin zum Jazz geradezu an. Das und ein weiterer Aspekt machen für ihn die besondere Faszination von Bläserchören aus: "Sie umschließen alle Generationen, vom jüngsten bis zum ältesten Musiker."

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