Schifffahrt oder Schiffahrt? Cuxhavener "Promis" uneins
An der Rechtschreibreform scheiden sich die Geister
man. - Kommt sie nun oder kommt sie nicht - die neue Rechtschreibung? Darüber wird derzeit in Deutschland heftig debattiert. Große Zeitungen drohen mit dem Boykott. Auch an der Elbmündung ist man sich uneins. Wie sehr, das zeigt eine Umfrage unter prominenten Cuxhavenern.
Gegen eine "Änderung der Änderung" spricht sich Hilke Behrendt, Geschäftsführerin des "Stadtmarketings Cuxhaven e.V.", aus: "Wer will die Verantwortung für die immensen Kosten übernehmen, die eine Rücknahme der Regeln nach sich ziehen würde?", fragt Hilke Behrendt.
Oberbürgermeister Helmut Heyne ist seit dem 1. August 1998 verpflichtet, die neuen Regeln der deutschen Rechtschreibung im dienstlichen Schriftverkehr anzuwenden. "Doch als Privatperson tendiere ich aufgrund meiner Erziehung beziehungsweise meiner persönlichen Ausbildung eher zu der alten Rechtschreibung", so Heyne.
"Die Ziele der Reform wurden nicht erreicht", sagt Polizeidirektor Friedhold Schacht. Die Regularien haben sich seiner Meinung nach nicht bewährt. Eine Vereinheitlichung der Schreibweise innerhalb Deutschlands wurde während der letzten Jahre nicht erreicht, so der Cuxhavener Polizeichef. "Aus diesen Gründen bin ich der Meinung, dass eine Rückkehr zur bewährten deutschen Rechtschreibung geboten ist und zur Minimierung von Kosten schnellstmöglich erfolgen sollte." Persönlich bedeutet die deutsche Rechtschreibung für Schacht auch "ein Stück Kulturgut, welches sich zu erhalten lohnt".
Horst Jaßmann vom "Musicafé´ Schnapp" spricht sich für die neuen Regeln aus, auch wenn er selbst "aus einer Mischung aus alt und neu" schreibt. Die Reform vereinfacht das Lernen für die Schüler und ist in vielen Teilen durchaus logisch, meint Jaßmann. Als Beispiel nennt er das Wort "Schifffahrt": "Das Argument der Reformgegner, das Wort nur mit zwei f zu schreiben, weil es immer so war oder weil drei f komisch aussehen, hat doch nichts mit einer logischen Vereinfachung der Schreibweise zu tun."
Und was sagen die Politiker? Der CDU-Bundestagsabgeordnete Enak Ferlemann hält "die Zeit für Experimente nach den entstandenen Kosten" für abgelaufen. "Jetzt die Beschlusslage wieder zu ändern, nachdem alle Schulbücher für viel Geld gedruckt und internationale Vereinbarungen getroffen worden sind, halte ich für falsch", sagt der Cuxhavener Politiker. Sein Vorschlag für eine Lösung des Problems: Die Übergangsfristen sollten verlängert und beide Rechtschreibungen noch weiterhin nebeneinander toleriert werden.
Auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Annette Faße ist gegen eine Rücknahme der neuen Rechtschreibregeln: "Ich möchte die neue Rechtschreibung beibehalten, besonders wegen der Kinder und der Kosten." Für sie sei die ganze Diskussion "ein Sommertheater". Faße: "Wer Bedenken hat, hätte sich in der Kultusministerkonferenz lange einbringen können und nicht vor Toresschluss."
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