Was Material angeht, verarbeitet Gaia Gionti alles, was ihr in die Hände fällt. Wie diese Rümpfe von Styropor-Puppen. Foto: Frank
Was Material angeht, verarbeitet Gaia Gionti alles, was ihr in die Hände fällt. Wie diese Rümpfe von Styropor-Puppen. Foto: Frank
Kultur

Schrille Werke einer Kunststudentin aus Hemmoor

24.05.2019

HEMMOOR/HAMBURG. Bunt und zuweilen provokant sind die Werke der 22-jährigen Künstlerin Gaia Gionti, gebürtig aus Florenz und aufgewachsen in Hemmoor.

Die Wände sind voller Farbspritzer, Leinwände sind nicht nur an der Wand angebracht, sondern auch Teil von Installationen, in einer Ecke hängt eine Figur aus - Plastikmüll? Etwas chaotisch mutet er zunächst an, der Atelierarbeitsplatz von Gaia Gionti. Doch sinnlos oder ohne Funktion ist hier gar nichts.

Gionti stammt aus Florenz, lebte längere Zeit in Hemmoor, nun ist sie nach Schenefeld gezogen. Sie studiert an der Hochschule für Bildende Künste (HFBK) in Hamburg. Eine kleine Ecke eines Raumes, den sie sich mit zwei anderen Studenten teilt, ist ihr "Reich", ihr Atelierplatz. "Ich bin dankbar dafür", sagt sie. Zuvor hatte sie bereits Kunsttherapie und Kunstphilosophie studiert und gemeinsam mit der Lebenshilfe Stade ein Kunstprojekt für Menschen mit Behinderung realisiert. "Viele dieser Menschen dachten von sich, sie seien unselbstständig und könnten nichts. Durch das Projekt hat sich das geändert." Angefangen mit der Kunst hat es, als Gionti ungefähr zwölf Jahre alt war. In dem katholischen Internat, das sie besuchte, kritzelte sie Figuren der "Simpsons" auf die Tische.

Tag und Nacht arbeiten

Ihren Atelierplatz an der Hochschule schätzt Gionti sehr. "Ich kann hier Tag und Nacht arbeiten. Und manchmal hilft mir der Pförtner, schweres Material nach oben zu tragen", erzählt sie lachend. "Feierabend" scheint es für Gionti tatsächlich nicht zu geben. Sie zeigt auf eine Installation: "An der habe ich bis heute Morgen um vier Uhr gearbeitet. Ich bin immer hier."

Das zeigt sich auch auf Giontis Instagram-Account. Unter dem Namen "gai_gei" gibt es zu jeder Tages- und Nachtzeit Einblicke in ihr künstlerisches Arbeiten. Sie möchte damit gerade jüngere Leute erreichen, aber auch Galerien würden sich verstärkt bei Instagram nach Künstlern umsehen, erzählt Gionti. "Künstler müssen sich mit dem Alltag beschäftigen. Kunst muss relevant bleiben, vor allem für die jüngere Generation", ist die Studentin überzeugt.

Soziale Netzwerke beschäftigten sie auch in ihrem vorherigen Studiengang. In ihrer Bachelor-Arbeit ging die Künstlerin darauf ein, wie diese neuen Medien den Begriff von Erfolg verändern. Hauptsächlich über Materielles werde Erfolg in den sozialen Netzwerken definiert, ist Gionti aufgefallen. Doch viel zu besitzen, hat für sie nichts mit Glück zu tun. Damit beschäftigte sich die 22-Jährige zuletzt auch viel in ihren Arbeiten. Markennamen oder Luxus-Autos waren zu sehen, teure Taschen bemalte Gionti mit Farbe. "It's not Gucci, it's Gaia", betitelte sie Fotos dieser Werke auf ihrer Homepage. Was sie auch bemerkt hat: "Viele Leute haben Angst zu scheitern. Doch Scheitern ist auch ein Neubeginn. Auch in der Kunst gelangt man in Sackgassen. Für mich sind sie aber eine Anregung, auf andere Weise weiterzumachen."

Momentan bildet jedoch ein anderes Thema den Schwerpunkt ihrer Arbeit. Gionti befasst sich damit, wie Gegebenheiten in der Natur in die Mechanik oder Architektur übernommen werden - und ob das Ergebnis immer nachhaltig ist. "Fliegen zum Beispiel ist es nicht." Häufig "recycelt" die Künstlerin in ihren Arbeiten auch Dinge, die eigentlich entsorgt werden würden, gerade Plastik. "Meine Inspiration kommt von allem", sagt sie dazu. Sie besucht Ausstellungen, aber auch Freizeitparks können sie inspirieren, da dort andere Welten dargestellt werden. "Ein Künstler ist ein Kind in seiner eigenen Welt", sagt Gionti. Sie schätzt Künstler, die der Gesellschaft etwas geben. Auch sie hofft darauf, mit Modelabels, der Automobilindustrie oder Architekten zusammenzuarbeiten, dass ihre Werke vielleicht Prototypen für die Zukunft sein könnten. "Zu viele Künstler zeigen nur das, was schon da ist", meint sie.

Beruflich hat Gaia Gionti ein recht festes Ziel: Sie möchte Professorin werden und sich noch mehr mit künstlerischer Forschung beschäftigen. Viel Geld verdienen, teure Statussymbole besitzen, was andere - gerade bei Instagram - vielleicht verfolgen, ist für sie nicht wichtig. "Glück ist, wenn ich das mache, was ich liebe", sagt Gionti. Und das ist eben die Kunst.

Von Ina Frank

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