Beitrag zur Integration:

Skatepark in Altenwalde aufgebaut

26.05.2016

ALTENWALDE. In der Notunterkunft Altenwalde bauen Lig-Schüler, Altenwalder Jugendliche und Vertreter des Jugendrats Geräte für einen Skatepark.

Auf dem Gelände der Notunterkunft in Altenwalde wird gesägt, gebohrt und gemalt. Seit Montag sind Schüler des Lichtenberg-Gymnasiums gemeinsam mit Jugendlichen der Kirchengemeinde und des TSV Altenwalde und Vertretern des Jugendrats dabei, Ramps, Pipes und Boxes für einen Skatepark zusammenzubauen.

Während an einigen Geräten noch gebaut wird, ist Omar schon dabei, die Rückseite der Quarterpipe mit einer imposanten Skyline zu verschönern. Der Nachwuchs-Künstler stammt aus Syrien und ist seit acht Monaten in Deutschland.

Der 16-jährige besucht die Geschwister-Scholl-Schule und macht zurzeit sein Schulpraktikum bei der Gemeinde Altenwalde. Aufgrund seiner Arabischkenntnisse war er der ideale Kandidat, um das Skateprojekt zu begleiten. Muhammed Ali Alawi und Duiram Frajai, Bewohner der Notunterkunft, probieren nebenan schon die Skateboards aus, die Bernhard Kriebel und Jürgen zur Mühlen vom Rotary-Club soeben vorbeigebracht haben. Außerdem spendeten diese Helme, Knieschoner, Ellbogen- und Handgelenkschützer, die sich die Bewohner künftig ebenfalls ausleihen können.

Muhammed geht die Sache vorsichtig an. Er hat noch nie auf einem Skateboard gestanden. Bei Duiram sieht es dagegen schon fast professionell aus. Skateboard gefahren sei er noch nicht, übersetzt Muhammed. Aber so etwas Ähnliches habe er schon gemacht. Was genau, dafür fehlen den beiden syrischen Jungen noch die deutschen Worte.

Künftig soll die Skateanlage nicht nur den Bewohnern der Notunterkunft, sondern allen Jugendlichen offen stehen und so einen Beitrag zur Integration leisten.

„Niemals hätten wir gedacht, dass wir 13 000 Euro zusammenbekommen würden!“, erzählen die Lichtenberg-Gymnasiasten, die am Dienstag zum „Dienst“ in der Notunterkunft gekommen sind. Wer beim Aufbau der sechs Skate-Rampen dabei sein durfte, war per Los entschieden worden. Im Dezember hatten die Schülerinnen und Schüler einen Spendenlauf für Flüchtlinge organisiert, dessen Ergebnis alle vom Hocker haute: Plötzlich standen 13 000 Euro zur Verfügung.

Für ein so überwältigendes Engagement sollten die Schüler auch etwas zurückbekommen: Bernward Kaltegärtner, Ehrenamtskoordinator des DRK, brachte die Idee von der Skateanlage auf den Tisch. Ein Projektteam mit Beteiligung unter anderem des DRK, der Kirchengemeinde und der Schule übernahm die weitere Planung, wozu auch ein positiv beschiedener Stiftungsantrag an die Heinrich-Peters-Stiftung gehörte. Der besondere Reiz: Nicht nur den Aufbau sollten die Jugendlichen und die Bewohner weitgehend in Eigenregie hinbekommen, sondern sie sollen später dort auch gemeinsam fahren.

Auf einem Lkw samt Anhänger brachten Harry Wülfken und Bernd Müller von der „Fun Company“ am Montag die Bauteile in die alte Altenwalder Kaserne. Bei Schietwetter waren alle heilfroh, für den Zusammenbau unter dem Dach einer offenen Halle Schutz zu finden. An den Vormittagen waren Abordnungen aus dem LiG dabei, an den Nachmittagen Jugendliche aus Altenwalde.

Jeder Handgriff neu 

Erstes Aha-Erlebnis: Die Elemente sind richtig groß. „Viel größer, als wir erwartet hätten!“, so die Schüler. Schon nach kurzer Zeit hantieren alle mit Stichsäge und Schleifgeräten, bohren Löcher und versenken Nieten. „Wann kommt man schon mal dazu, so was auszuprobieren?“, sagt einer der Jungen. Harry Wülfken nimmt es locker, wenn mal was schief geht. Bei ihm darf jeder an die Werkzeuge. Ihm macht es Spaß, zu erklären, Ersatzteile heranzuschleppen und nach und nach das große Puzzlespiel der Bauteile aufzuklären. Als studierter Sozialwissenschaftler ist er mit einer großen Portion Geduld ausgestattet. Mit seinem eigenen Unternehmen Fun Company hat er eine ideale Kombination gefunden. Als er einst in einem Jugendzentrum arbeitete und mit den Jugendlichen „Ramps“ für Skateanlagen baute, stellte er fest: „Das ist ausbaufähig.“ Denn am Ende seiner Projekttage steht nicht nur eine Skate-Anlage da, sondern die Jugendlichen haben jede Menge mitgenommen – und er auch: „Die sind alle freundlich, motiviert, offen“, erzählt er. Einfacher könnten die Schüler nichts über Werkzeuge und Materialien lernen.

Ein Bereich, der für seine Begriffe in den Schulen heute viel zu unterrepräsentiert ist. Das Fach Werken sei fast verschwunden. „Ich würde mir viel mehr echte Projektwochen wünschen, in denen etwas Handfestes geschaffen wird“, erzählt er. Großes Experimentierfeld Handfest sind die sechs Hindernisse – die später, in Sektionen zerteilt, leicht versetzt werden können – auf jeden Fall. Die Namen sind kaum ins Deutsche zu übersetzen, sind von der Surfer- und Skaterszene beeinflusst und wechseln immer mal wieder: „Bank, Quarter, Dach mit Rail Ledge, Kicker, Wheely Table und Manual Pead“, zählt Harry auf. Für Skateboard- und Inliner-Fahrer sind sie echte Herausforderungen. Die Longboard-Fans finden auf dem ehemaligen Exerzierplatz der Kaserne Platz für ihre Fahrkünste.

Von Katharina Jothe und Maren-Reese-Winne

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