Heiko "Speedy" Grantz, der Edel-Fan des HSV. Foto: Schröder
Heiko "Speedy" Grantz, der Edel-Fan des HSV. Foto: Schröder
Fußball

"Speedy Hemmoor": Hamburger SV erinnert an seinen Edel-Fan

von Frank Lütt | 26.01.2022

HEMMOOR. Heiko "Speedy" Grantz war ein Fußballverrückter durch und durch. Der Hamburger SV hatte es ihm von klein auf angetan. Er entwickelte sich zum Edel-Fan. Im Dezember ist der Hemmoorer gestorben.

Heino Grantz schaut auf das gerahmte Porträtfoto von seinem Sohn Heiko auf dem Flur und spricht leise: "Dass er HSV-Fan wurde, das habe ich ihm quasi in die Wiege gelegt." Sein Augenpaar richtet sich in Heikos heimisches Arbeitszimmer und er fügt hinzu: "Aber dass er solch ein Fan wird, das war ja nicht zu erahnen." Alles in diesem Raum, bis auf Computer und Schreibtisch, hat irgendwie mit dem HSV zu tun. Jegliche Merchandising-Idee für den Fußball-Verein scheint hier ihren Platz gefunden zu haben - von A wie Autokennzeichen bis Z wie Zahnbürste. Unzählige Schals und signierte Trikots, Bilder und Wimpel zieren die Wände in dem kleinen Raum mit Dachschräge. Heino Grantz entdeckt hier immer wieder neue Sachen in dem Fundus seines Sohnes, greift zu einer der mehreren Uhren auf einer kleinen Ablage und sagt: "Was soll ich damit? Darüber sollen sich andere freuen."

Fanclub gegründet

Sehr früh begann die Sammelleidenschaft von "Speedy", wie er liebevoll von Freunden in Anlehnung an die Comicfigur "Speedy Gonzales - Die schnellste Maus von Mexiko" genannt wurde. Mit etwa fünf Jahren entschloss er sich, HSV-Fan zu sein, ganz wie sein Papa. Schnell wurden Fanschal und andere wichtige Utensilien angeschafft. Im Lauf der Jahre entwickelte sich das zur Passion. "Speedy" trat als Mitglied dem Hamburger SV bei. Er war außerdem Mitbegründer des HSV-Fanclubs "The Fanatics" in Hemmoor, dessen Präsident er dann auch war. Und obwohl er gesundheitliche Probleme hatte, der HSV war immer Pflichtprogramm für den ewig rast- und ruhelosen Fußballanhänger.

Kritik an Vereinsführung

Auch in sportlich düsteren Zeiten hielt er seinem Verein die Treue, aber mit Kritik an Vereinsführung oder Spielern sparte er dennoch nicht. Erst im vergangenen Jahr wetterte er nach dem Verpassen des Aufstiegsrelegationsplatzes gegen die Mannschaft: "Die Spieler haben doch gegen den Trainer Thioune gespielt, nachdem der sich mit Bobby Wood überworfen hatte. Das sind doch alles Söldner!" Und auch die Vereinsführung bekam ihr Fett weg: "Das ist doch ein Gurkenverein. Der HSV ist mittlerweile genauso ein Gurkenverein wie der 100 Kilometer weiter entfernt in der verbotenen Stadt."

Viel zu früh verstorben

Bei allen harschen Worten von Heiko Grantz, seine Liebe zum HSV hielt bis zum Ende seiner Tage - und das Ende kam viel zu früh. Der 1969 geborene "Speedy" ist am 9. Dezember vergangenen Jahres gestorben. Dabei hatte er noch kurz zuvor Pläne geschmiedet, sogar ein Umzug in die Schweiz aus gesundheitlichen Gründen spielte dabei eine Rolle. Grantz hatte 1986 eine Leber transplantiert bekommen, die später versagte und 2000 durch eine weitere ersetzt wurde. 1988 erhielt er außerdem eine neue Niere, die nun von seinem Körper abgestoßen worden sei, wie sein Vater Heino berichtet.

Abschied im Krankenhaus

Voraussichtlich hätte "Speedy" in Deutschland noch viele Jahre auf ein neues Organ warten müssen, in der Schweiz wäre die Wartezeit vermutlich um einige Jahre kürzer gewesen. Selbst als es dann in der Vorweihnachtszeit in das Uniklinikum Eppendorf ging, war er immer noch zuversichtlich. "Aber er wurde von Tag zu Tag schwächer", berichtet Vater Heino. "Das Schlimmste war, dass wir ihn wegen der Coronaauflagen nicht besuchen durften." Am 9. Dezember rief die Klinik aber an, dass "Speedy" schon bald sterben werde und die Familie noch einmal zum Verabschieden kommen sollte. Der 52-Jährige kämpfte aber. Die Pflegekräfte der Station rieten der Familie nach Stunden, die Klinik zu verlassen, und sie versprachen anzurufen, wenn es soweit ist. "Wir waren gerade einmal vom Parkplatz des Krankenhauses runtergefahren, dann rief die Station an und teilte mit, dass Heiko gestorben ist. Nachdem er uns noch mal gesehen hatte, da konnte er wohl loslassen", beschreibt Heino Grantz den Moment, als sein Sohn starb.

Große Anteilnahme

Die Anteilnahme war enorm. Der Verstorbene war schließlich bekannt wie ein bunter Hund in der Fußballszene. Aber auch viele Hemmoorer gedachten "Speedys", schließlich war er auch aktiv im Schützenverein und beim Rauch- und Unterstützungsclub. Die Trauerfeier in der Christuskirche zu Warstade war bewegend. Das bestätigte auch Andreas Witt, Fanbeauftragter des HSV, der zusammen mit Alexander Iwan vom HSV-Museum jetzt zu Besuch im Hemmoorer Kastanienweg war. "Speedy war ein super Typ. Wer kannte ihn nicht?", erklärt Witt.

Besondere Persönlichkeit

Für den Fanbeauftragten war "Speedy" eine besondere Persönlichkeit. Die beiden Vertreter des Fußball-Zweitligisten durchforsteten jetzt den Nachlass von Heiko Grantz, um originelle und einzigartige Dinge für das HSV-Museum zu sichern. "Hier gibt es schon so einige Schätze, die ich so noch nicht gesehen haben", so Iwan, unter anderem mit dem Hinweis auf ein Bild der Meistermannschaft von 1960, auf dem fast alle Spieler unterschrieben haben.

Neues entwickelt

"Wir wollen auch in Zukunft uns an Speedy erinnern, über ihn schmunzeln", deutet Witt eine Neuerung im Museum an. Die Corona-Zeit hätten die Verantwortlichen nämlich dazu genutzt, etwas Neues zu entwickeln. "Wir haben eine traditionsreiche Fanszene mit schillernden Figuren, und dazu zählte Speedy eindeutig. Wir wollen die Erinnerungskultur größer machen, englische Klubs sollen dafür Vorbild sein."

Gedenktafel im HSV-Museum

Außerdem haben die Fans einen riesigen Anteil an der Bedeutung des HSV. Immerhin seien rund 28 000 Fans in organisierten HSV-Fanclubs. Im Hamburger Museum soll unter anderem eine Gedenktafel mit den Namen verstorbener Edel-Fans aufgehängt werden. Überhaupt soll noch mehr die Fankultur dargestellt werden, da werden die "Speedy"-Andenken sicherlich integriert werden. Heino Grantz freute sich darüber und auch, dass die HSV-Vertreter seiner Bitte nachkommen wollen.

Für einen guten Zweck

Nachdem "Speedys" Arbeitgeber anlässlich der Trauerfeier einen Betrag zur Verfügung gestellt hat, der im Sinne des Verstorbenen verwendet werden soll, schlossen sich der HSV-Museumsmitarbeiter und der Fanbeauftragte dieser Idee an. Der Hamburger SV werde ebenso als Gegenleistung für die vielen Gegenstände aus "Speedys" Fundus einen ordentlichen Betrag für die Uwe-Seeler-Stiftung zur Verfügung stellen. Auch unser Medienhaus beteiligt sich, versteigert einige Schätze aus dem Hause Grantz. Der Erlös kommt ebenfalls der Stiftung der HSV-Legende zugute. "Dass die Seeler-Stiftung bedacht wird, das hätte Speedy gefreut", so Heiko Grantz.

Seeler-Stiftung

- Uwe Seeler hat 1996, anlässlich seines 60. Geburtstag, Überlegungen angestellt für eine eigene Stiftung. Hamburgs Ehrenbürger gründete die nach ihm benannte gemeinnützige Stiftung.

- Ausschließlicher und unmittelbarer Zweck der Stiftung ist die selbstlose Unterstützung von Personen, die infolge ihres körperlichen, geistigen oder seelischen Zustandes auf die Hilfe anderer angewiesen sind, unverschuldet in Not geraten und auf Soforthilfe angewiesen sind.

- Ein Seeler-Zitat dazu: "Wer dem Sport so viel zu verdanken hat und auf der Sonnenseite des Lebens steht, der sollte jenen etwas abgeben, die niemals die Möglichkeit hatten, ein solches Glück zu empfinden und auf der Schattenseite des Lebens stehen."

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