Scharfe Kritik

Stellenabbau-Programm bei Lohmann AH

02.08.2017

CUXHAVEN. Das ist ein Schlag für den Wirtschaftsstandort Cuxhaven: Lohmann Animal Health (AH) baut mehr als zehn Prozent der Stellen ab. (fw)

35 von knapp 300 Arbeitsplätzen in Cuxhaven stehen auf der Streichliste. Immerhin haben Geschäftsleitung und Betriebsrat eine vergleichsweise großzügige Abfindungsregelung für betroffene Mitarbeiter vereinbart: Danach werden 1,9 Monatsgehälter für jedes Jahr Betriebszugehörigkeit an ausscheidende Mitarbeiter gezahlt. Die Linken im Kreis Cuxhaven kritisieren die Geschäftsleitung und den Betriebsrat.

Wie Unternehmenssprecher Florian Schalke erklärte, war zunächst ein Abbau von etwa 50 Arbeitsplätzen bei dem Hersteller von Geflügel-Medikamenten geplant. Nun fielen die Einschnitte nicht ganz so gravierend aus. Lohmann AH, das zur US-amerikanischen Elanco-Gruppe gehört, fährt den Bereich Forschung und Entwicklung in Cuxhaven zurück. Das sei der Grund für den Stellenabbau, so Schalke. Im vergangenen Jahr hatte Elanco am Hauptsitz der Unternehmensgruppe in Greenfield (USA) ein modernes Forschungszentrum zur Entwicklung neuer Tierimpfstoffe eröffnet.

Auf die geplanten Streichungen am Standort Cuxhaven sei die Belegschaft erstmals im April hingewiesen worden, sagte Florian Schalke. Betriebsbedingte Kündigungen wolle Lohmann AH vermeiden. „Unser Ziel ist es, über die Abfindungsregelung ausreichend Freiwillige zu finden, die den Betrieb verlassen“, erklärte der Unternehmenssprecher. An dieser Stelle hakt jedoch der Kreisverband Cuxhaven der Partei Die Linke ein. Ihm kommt der Stellenabbau bei Lohmann AH im Wahlkampf als Thema gelegen. Die Linken wittern einen Anschlag auf „fundamentale Prinzipien des Arbeitsrechts“, wie sie in einer Presseerklärung mitteilen. Darin ist die Rede von „skandalösen Methoden“. Der Fall Lohmann AH zeige, „welche Gefahren die Einführung US-amerikanischer Management-Methoden“ mit sich brächte. Konkret kritisiert Die Linke, dass von Entlassung bedrohte Mitarbeitern erst vor wenigen Tagen zum Abschluss eines Aufhebungsvertrages mit Abfindung aufgefordert worden seien. Dabei sollten diejenigen von Abfindungen profitieren, die sich am schnellsten dazu entschieden. Wenn das „Personalabbau-Kontingent“ erreicht sei, hätten Mitarbeiter, deren Mitteilung, den Betrieb verlassen zu wollen, später eingehe, keinen Anspruch mehr auf eine Abfindung. Ein solches „Rennen um Abfindungen“ sei sittenwidrig und verstoße gegen die Menschenwürde, meint Die Linke. Die Vorwürfe richten sich auch gegen die Arbeitnehmervertreter von Lohmann AH: „Wir fordern die Betriebsräte auf, solche Betriebsvereinbarungen nicht zu unterzeichnen“, heißt es in der Mitteilung. Damit werde „die Axt an das deutsche Arbeitsrecht gelegt“.

Unternehmenssprecher Schalke hält dagegen: Zeitdruck solle keine Rolle spielen. Das Programm sei zeitlich so bemessen, dass jeder Mitarbeiter die Möglichkeit habe, sich vor Unterzeichnung eines Aufhebungsvertrages anwaltlich beraten zu lassen. Das Programm beschneide in keiner Weise Arbeitnehmerrechte. Sollten betriebsbedingte Kündigungen noch erforderlich sein, so verbleibe jedem betroffenen Arbeitnehmer die Möglichkeit, eine Kündigung arbeitsrechtlich prüfen zu lassen. Zudem gelte für die von Kündigungen betroffenen Arbeitnehmer ein ebenfalls mit dem Betriebsrat vereinbarter Sozialplan.

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