Wollen, dass sich was tut in Sahlenburg: Wattwagenfahrer Kai Stelling, Dirk Fock und Tochter Tina haben besonders in der warmen Jahreszeit Probleme, auf dem schmalen Weg ihre Wagen gefahrlos über den Deich zu steuern, vorbei an vielen Menschen. Sie drängen auf eine schnelle Lösung. Foto: Anders
Wollen, dass sich was tut in Sahlenburg: Wattwagenfahrer Kai Stelling, Dirk Fock und Tochter Tina haben besonders in der warmen Jahreszeit Probleme, auf dem schmalen Weg ihre Wagen gefahrlos über den Deich zu steuern, vorbei an vielen Menschen. Sie drängen auf eine schnelle Lösung. Foto: Anders
Übergangslösung gefordert

Strandzugang in Sahlenburg zu schmal - schnelle Lösung fehlt

20.04.2021

CUXHAVEN. Die Deichüberfahrt im Cuxhavener Ortsteil Sahlenburg ist zu schmal für Passanten und Wattwagen. Dessen Fahrer fordern eine schnelle Lösung.

Strahlender Sonnenschein, blauer Himmel und steigende Temperaturen. Das aktuelle Wetter lockt viele Menschen raus in die Natur. Und nicht selten an den Strand. In Sahlenburg sorgt dieser Umstand dafür, dass sich am Strandzugang nahe der DLRG-Station Fußgänger, Wattwagenfahrer, Strandbesucher, Reiter, Rolli-Fahrer und Katamaran-Fahrer treffen. Das Ergebnis: Viel Verkehr für den schmalen Weg.

Weg zum Strand "unübersichtlich"

Zu viel Verkehr, meinen die Wattwagenfahrer. Seit Jahren versuchten sie bereits, eine andere, alternative Einfahrt durchzubringen. Mal schriftlich, mal mündlich. Bislang jedoch ohne Erfolg. "Wenn wir den Deich hochfahren, sehen wir auf der anderen Seite nicht, was da für Reiter kommen oder ob eine Sandburg gebaut wurde", ärgert sich Tina Fock, die über den Hof ihres Vaters vor allem in der warmen Jahreszeit mit ihren Wattwagen nach Neuwerk fährt.

Pferde vor Wattwagen

Als Zufahrt zum Watt nutzen sie seit jeher den schmalen Weg am Strand. Dabei sei es bereits mehrfach zu brenzligen Situationen gekommen. "Viele Kinder bleiben dort oben stehen, sodass wir noch maximal 50 Zentimeter neben ihren Füßen Platz haben", sorgt sich Fock. Reagiert werden würde nur selten. Auch seitens der Verantwortlichen. Hinzu kommt der Sand am Ende des Weges. "Der Sand wird dort einfach schlecht geschoben, sodass dort eine Kante entsteht und unsere Pferde da nur schlecht heraufkommen", ärgert sie sich. Das sei einfach alles zu eng und eine "tickende Zeitbombe", ergänzt Vater Dirk. Immer wieder erschreckten sich die Pferde. "Wir haben das auch Anfang 2019 im Kreishaus angesprochen", betont Kai Stelling, der in der Wattwagenkommission sitzt. Reagiert hätten die Verantwortlichen bislang nicht.

Bislang kaum Unfälle

Vielleicht auch, weil bislang kaum etwas passiert ist? Dieses Bild ergibt sich bei einer Recherche unseres Medienhauses. "In den letzten zehn Jahren wurde dort ein Unfall gemeldet", weiß Markus Walter, der bei der Polizei Cuxhaven die Verkehrsunfallstatistik pflegt. "Damals erschraken die Pferde wegen Baggerarbeiten am Strand und dem Absatz am Ende des Weges." Die Tiere liefen daraufhin zur Seite weg. Zwei Menschen wurden schwer verletzt.

Rücksicht nehmen ist die Basis

Erwin Krewenka ist Kurdirektor bei der Nordseeheilbad Cuxhaven GmbH und somit auch für den betroffenen Bereich zuständig. "Bei mir hat sich kein Wattwagenfahrer nach einer Verbreiterung des Weges erkundigt, danach gefragt oder eine gesonderte Ausfahrt gefordert", entgegnet er auf die Vorwürfe. "Wir sind die Letzten, die bei einem Mängel keine Verbesserungen anstreben." Auch appelliere er an die Vernunft der Menschen: "Wenn sie nicht aufeinander Rücksicht nehmen, wird der Weg nie breit genug sein." Von einem zu hoch aufgeschütteten Sand am Ende des Weges wisse er nichts: "Der Strand wird im Frühjahr etwas höher profiliert, damit der Sand nicht bei der ersten kleinen Sturmflut wieder weggespült wird. Dies gilt allerdings nicht für die Wattwagenzufahrt. Diese wird nicht aufgeschüttet, weil es die Ein- und Ausfahrt aus dem Watt erschweren würde", erklärt er die Situation.

Gefahrenpunkt Deichübergang

Dass die Überfahrt selbst aktuell nicht breit genug sei, bestätigt indes Axel Finck, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Sahlenburg: "Wir sehen das schon als Gefahrenpunkt, dass so viele verschiedene Gruppen diesen Weg nutzen. Eine Einfahrt für die Wattwagenfahrer, getrennt von den Fußgängern, wäre wünschenswert", so Finck.

Auch Claudia Bönnen, stellvertretende Ortsbürgermeisterin Sahlenburgs, vertritt diesen Standpunkt - und lenkt die Aufmerksamkeit auf zukünftige Deichbauarbeiten. "Die Planungen für den Deich sind in Arbeit. Und dann braucht es eh eine neue Überfahrt", erklärt sie. "In diesem Zuge muss auch eine adäquate Überfahrtsmöglichkeit geplant werden, auch für die Wattwagen." Geschätzte 20 Millionen Euro soll der eineinhalb Kilometer lange Deich in Sahlenburg kosten. 95 Prozent übernimmt das Land Niedersachsen.

Planung neuer Cux-Deich

"Aktuell sind wir im Stadium der Varianten-Planung, konkret ist diese noch nicht", erläutert Karsten Petersen, der als Dezernent für den Bereich "Planung und Bau" beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz auch den Sahlenburger Deich-Bau plant. "Wenn wir etwas planen, wie in so einem öffentlichen Raum, dann müssen auch alle Parteien mit eingebunden werden", betont er. "Wir sind in einem Stadium, wo wir noch auf viel Rücksicht nehmen können. Eine Deichüberfahrt wird es an dieser Stelle nach wie vor geben", so Petersen. Wie diese genau aussehen wird, könne er jedoch noch nicht sagen. Eine Berücksichtigung des Weg-Problems versichert auch Jürgen Schubel vom hiesigen Deichverband. "Zu der gegenwärtigen Situation kann ich nichts sagen. Allerdings werden wir uns bei der Planung die Frage, wie die verschiedenen Verkehre problemlos über den Deich geführt werden können, sehr genau überlegen müssen."

Übergangslösung fehlt bislang

Laut Stadt soll es 2023 ins Planfeststellungsverfahren gehen und anschließend in die Bauphase. Zu einer garantierten Übergangslösung äußerte sich jedoch keiner der Befragten.

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