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Nach Altenwalde?

Tierheim setzt aufs Mun-Depot

28.03.2014 Zuletzt aktualisiert: 22.06.2022 08:09 Uhr

CUXHAVEN. Der Tierschutzverein Cuxhaven setzt große Hoffnungen auf einen Umzug in das ehemalige Munitionsdepot in Altenwalde. Die Pläne, die bei der 1. Vorsitzenden Irene Führer im Büro hängen, sind schon sehr konkret: Mehrere Gebäude und große Freiflächen sollen reichlich Platz für Tiere, Beschäftigte und Öffentlichkeitsarbeit bieten.

Viele Verhandlungen und Sitzungen habe es mit der Stadt hierzu bereits gegeben. Allerdings wissen die Vorsitzende Irene Führer und Tierheimleiterin Nina Eckhart, dass sie jetzt in Zugzwang sind: „Dr. Getsch hat uns gesagt, dass er das Tierheim durchaus im Munitionsdepot sehe. Nun sei es an uns, unseren Beitrag zu leisten und die Bedingungen für einen Umzug zu schaffen.“

Zurzeit seien sie mit der Kostenermittlung beschäftigt. Das dauere seine Zeit, zumal Firmen sich die Gebäude – den gesamten Komplex rechts hinter dem Eingangstor – zunächst ansehen müssten. Parallel müsse die Finanzierung sichergestellt werden. Daher liefen auch Gespräche mit Sponsoren, Spendern und möglichen Paten. Den Gebäudezustand bezeichnen Nina Eckhart und Irene Führer als sehr ordentlich. Allerdings müssten Heizung, Strom, Wasser und Gas komplett neu installiert werden, weil die Bundeswehr früher dort komplett autark war. Die Hochschule 21 in Buxtehude sei in die Erstellung eines energetischen Konzeptes mit eingebunden: „Das könnte auch ein tolles Aushängeschild werden“, findet Irene Führer.

Sozialräume schaffen

Sie braucht bald Gewissheit, weil für ihre zwei zukünftigen Auszubildenden die Uhr tickt: Nur wenn der Tierschutzverein bis zum 1. August 2014 die verbindliche Zusage für den Umzug in das Munitionsdepot erhält, wird ihre Ausbildung im Tierheim zugelassen. Die verpflichtend notwendigen Sozialräume und sanitären Anlagen sollen im Empfangsgebäude am Tor installiert werden. Außerdem solle hier die Aufnahme der Fundtiere stattfinden, um diese abseits anderer Tiere auf Krankheiten untersuchen zu können.

Dass die Stadt Cuxhaven zurzeit einen Vertrag mit dem Tierheim Drochtersen zur Aufnahme von Fundtieren hat, hat folgenden Hintergrund: Das Tierheim nahm seit 1994 die Fundtiere der Stadt auf. Durch steigende Kosten sah sich der Tierschutzverein gezwungen, sämtliche Verträge mit der Stadt, sieben Samtgemeinden und dem Landkreis zu kündigen – mit dem Ziel, neue Verträge zu besseren Bedingungen abzuschließen. „Das ist mit allen anderen gelungen“, sagt Nina Eckhart.

Die Kosten seien in die Höhe geschossen: „Es gibt eine andere Gesetzeslage, die Preise sind – auch durch den Euro – gestiegen.“ Die Stadt schloss nach der Kündigung einen günstigeren Vertrag mit Drochtersen. Entgegen der Erwartung der Cuxhavener Tierschützer hat dieser Vertrag nach wie vor Bestand.

„Wir wünschen uns, den Vertrag mit der Stadt zu erneuern, auch jetzt übernehmen wir ganz viele öffentliche Aufgaben“, betont die Tierheimleiterin: Das Tierheim sei für den gesamten Landkreis Cuxhaven zuständig, rund um die Uhr in Rufbereitschaft und werde auch durch das Veterinäramt bei Verletzungen des Tierschutzes eingeschaltet. „Wir arbeiten auch nach wie vor für die Untere Naturschutzbehörde, zum Beispiel bei verletzten oder verlassenen Wildtieren.“ Die Zusammenarbeit mit Polizei und Feuerwehr sei sehr gut, vor allem, wenn verletzte, verängstigte oder bedrohliche Tiere eingefangen oder aufgenommen werden sollten. „Man respektiert uns, arbeitet Hand in Hand mit uns.“ Beide betonen auch den Wert der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit: Kinder der Schule am Meer besuchten einmal in der Woche die Tiere und die Realschule habe eine Tierheim-AG. Am neuen Standort könnten Veranstaltungen durchgeführt und Familien angesprochen werden.

Hundeplatz vorhanden

Zu dem angepeilten Areal gehört auch ein Hundeplatz, auf dem früher die Hundeausbildung der Bundeswehr stattgefunden haben soll. Zureit leben rund 25 Hunde im Tierheim, für die der Auslauf besonders wichtig ist. „Wir wollen keinen Ärger mit den Nachbarn“, unterstreicht Irene Führer. Ein Lärmschutzgutachten sei ohnehin im Zuge der Planungen zu erstellen und zu beachten.

Der Tierschutzverein kann derzeit noch keinen Nutzungsvertrag mit der Stadt schließen, weil die BImA (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben) das Geländeteilstück noch nicht freigegeben hat. Laut Martin Adamski, Leiter des Dezernats II bei der Stadt, dürfte es sich aber nur noch um eine Formsache handeln. Während der Löwenanteil des rund 220 Hektar großen Munitionsdepot-Geländes an die Deutsche Bundesstiftung Umweltschutz geht und das Naturschutzgebiet „Cuxhavener Küstenheiden“ vergrößert, will die Stadt ein vier Hektar großes Teilstück hinter dem Haupttor erwerben. Ein Teil davon ist für den Katastrophenschutz bestimmt, der andere für das Tierheim: „Es muss um Nutzung im öffentlichen Interesse gehen“, so Adamski.

Formalien erfüllen

Damit komme der Tierschutzverein nur in Betracht, wenn er Dienstleister der Stadt sei, was bedinge, den Vertrag über die Aufnahme von Fundtieren zu erneuern. Jede nicht öffentliche Nutzung benötigte die Aufstellung eines Bebauungsplans. Wenn der Tierschutzverein seine Vorgaben zu Planung und Finanzierung erfüllt habe, werde in den Ratsgremien diskutiert. Vorerst bestehe formal nicht mehr als eine Interessenbekundung. Das ist auch der Stand des Ortsbürgermeisters Ingo Grahmann: „Meiner Information nach ist noch nichts beschlossen.“ Die Stadt müsse wissen, was auf sie zukomme. Ein Problem könnte die nahegelegene Standortschießanlage darstellen. Ingo Grahmann möchte sich dem Tierheim im Munitionsdepot keineswegs verschließen, aber auch nicht alle Türen für touristische Nutzung zuschlagen: „Warum kann es nicht eine friedliche Koexistenz geben? Das Gelände ist so riesig, da muss es Möglichkeiten geben.“ Oberbürgermeister Dr. Ulrich Getsch möchte das über Jahrzehnte gesperrte Gebiet zur Saison für die Öffentlichkeit öffnen. Er unterstreicht, dass das Tierheim jetzt Informationen über die finanzielle Lage und Rechtssicherheit liefern müsse.

Von Maren Reese-Winne

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