Triathlon bei den "Finals" in Berlin: Wingster Lasse Lührs spurtet zum DM-Titel
BERLIN. Der gebürtige Wingster Triathlet Lasse Lührs hat bei den "Finals" in Berlin die Deutsche Meisterschaft gewonnen. Mit unserem Medienhaus sprach der 26-Jährige über diesen Erfolg und welche Ziele er noch verfolgt.
Der gebürtige Wingster Lasse Lührs ist am Wochenende bei den "Finals" in Berlin Deutscher Meister im Triathlon geworden - zum zweiten Mal nach 2018. Der 26-Jährige befindet sich nach einigen Veränderungen im vergangenen Jahr in einer super Form, sodass auch bei weiteren Rennen mit ihm zu rechnen sein wird, ob beim riesigen Hamburger Triathlon in zwei Wochen oder bei der Europameisterschaft im August in München. Sein Fernziel bleibt aber Olympia. "Auf jeden Fall möchte ich 2024 in Paris dabei sein", betonte der BWL-Student gegenüber unserem Medienhaus.
Beim VfL Wingst begonnen
Lasse Lührs, der im Alter von neun bis zehn Jahren erstmalig beim VfL Wingst mit dem Triathlon in Berührung kam und auf dem Sportinternat in Potsdam zu einem national beachteten Nachwuchssportler wurde, hat auch schon früh international aufgetrumpft. So hat er 2014 im Juniorenbereich bei der Europameisterschaft in Kitzbühel Gold im Triathlon Mixed Relay geholt. Ein Jahr danach feierte Lührs mit dem EM-Titel in Genf den bisher größten Einzelerfolg seiner Karriere.
Von Potsdam nach Spanien
Es folgte ein Wohnortwechsel nach Spanien. Er studierte, lebte und trainierte in Alicante. 2016 durfte er erstmals in der World Triathlon Series für Deutschland starten. Zwei Jahre danach wurde er Deutscher Meister bei den Herren über die Sprintdistanz. Bei der U23-WM folgte ein sechster Platz. 2019 und 2020 mischte er international gut mit, sodass sein Ziel Olympia realistisch war. 2020 wurde er WM-Zwölfter, 2021 holte er mit dem deutschen Team bei der EM im Mixed Relay Silber. Der Qualifikationswettkampf für Olympia wurde als Teamwettkampf bestritten, obwohl es um Einzelstarts ging. Lührs scheiterte knapp, der Traum von den Olympischen Spielen in Peking war geplatzt.
Einige Veränderungen
Lasse Lührs war tief enttäuscht. Er wollte deswegen etwas verändern, neue Impulse setzen. "Ich mache mal einen Cut, mache alles neu", erklärt der Triathlet. Es zog ihn wieder nach Deutschland zurück, aber nicht nach Potsdam oder in die Wingst. Der 26-Jährige suchte sich Bonn aus. Mit dem Siebengebirge oder der Eifel hat er hier für das Radtraining hervorragende Bedingungen in der Nähe. "Auch zum Laufen am Rhein und an der Sieg ist das toll hier", so Lührs. Er startet jetzt für den SSF Bonn 1905 und wie vorher schon für den Bundesligisten TV Germania Buschhütten 1885. Und er hat ein neues Trainerteam. Sein Heimtrainer ist Christian Großkopf, der zweite Trainer ist kein Geringerer als Dan Lorang, der sogenannte "Coach der Weltmeister. Lorang hat unter anderem Jan Frodeno und Anne Haug zu Iron-Man-Siegen auf Hawaii geführt. Seit einigen Jahren ist er nach seinem Ausstieg als Nationaltrainer bei der Deutschen Triathlon-Union nun auch Trainer beim Profiradteam Bora-hansgrohe.
"Coach der Weltmeister"
Mit diesem Trainergespann merkt Lührs auch selbst, dass er stärker wird. Im Winter wurde der Fokus auf das Schwimmen gelegt, die vermeintlich schwächste Disziplin des gebürtigen Wingsters. "Ich konnte eigentlich schon immer gut schwimmen, aber in den Wettkämpfen hatte sich das noch nicht so gezeigt", so Lührs. Jetzt habe er noch deutlich mehr Schwimmen trainieren müssen. "Beim Triathlon wird ja superschnell angeschwommen, das Tempo dann halten zu können, das ist so wichtig", erläutert, der frischgebackene Deutsche Meister, und er fügt gleich hinterher: "Das hat bei den beiden letzten Rennen ja auch sehr gut geklappt. Ich bin immer vorn mit aus dem Wasser gekommen und aufs Rad gewechselt."
Dritter Platz in Leeds
Gemeint war der World Triathlon Series-Wettkampf im englischen Leeds, wo er den dritten Platz belegte, und die jetzige DM im Rahmen der "Finals" in Berlin. Und in beiden Rennen schlug er seinen langjährigen Widersacher aus dem Saarland, den 27-jährigen Lasse Nygaard Priester. "Wir haben uns in der Juniorenzeit schon viele enge Duelle geliefert", so Lührs, der über den Verlauf seines DM-Rennens sehr glücklich ist. "Das lief von vornherein gut. Das Schwimmen im Wannsee war sehr gut, sodass ich mich in der ersten Gruppe befand, nachdem ich die 79 Stufen nach oben in die Wechselzone absolviert hatte und mich aufs Rad setze."
"Weit vorn fahren"
Es habe sich eine relativ große Führungsgruppe gebildet, sodass es für den Wingster nur eine Devise gab: "Immer möglichst weit vorn fahren, um sich aus dem Gedrängel rauszuhalten." Ganz vorn nach dem Schwimmen war allerdings Henry Graf aus Darmstadt, der aber von mehr als einem Dutzend Verfolgern eingeholt wurde. Das große Pulk kam dann bei der Wechselzone an. Hier sorgte Henry Graf für Chaos, als er seinen Platz nicht fand und andere behinderte. Sogar Stürze waren die Folge. Lührs und Nygaard Priester kamen gut durch und führten von nun an das Feld an. Die beiden Kontrahenten liefen die fünf Kilometer immer beisammen.
Duo war zu schnell für andere
Das Duo war an diesem Tag auch einfach zu schnell für die anderen. Selbst die Olympia-Teilnehmer Jonas Schomburg und Justus Nieschlag waren am Ende mehrs als 25 Sekunden langsamer.
Beeindruckender Spurt
"Beim Laufen habe ich gemerkt, dass ich heute gute Beine habe. Ich hatte am Ende dann auch knapp die besseren Beine", beschreibt Lührs die letzten Meter. Kurz vor der letzten Kurve zog der Wingster an und überholte Nygaard Priester. Mit diesem beeindruckenden Spurt setzte er sich an die Spitze und rannte mit ausgebreiteten Armen als Erster durch das Zielband.
EM in München als Ziel
Lasse Lührs genießt zwar den Moment, aber sein Blick richtet sich schon nach vorn, denn in zwei Wochen ist die World Series in Hamburg. "Quasi mein Heimrennen. Das ist schon eine einzigartige Atmosphäre dort in der Stadt." Hier startet er ebenfalls über die Sprintdistanz. Die doppelte Distanz, die sogenannte Olympische Distanz, ist dann im August angesagt, wenn Lasse Lührs bei der Europameisterschaft im München teilnehmen möchte. "Das wird wie in Berlin mit vielen Sportarten an einem Ort stattfinden", freut sich der Wingster schon.
Die Platzierten:
1. Lasse Lührs 51:02 Minuten (750 Meter Schwimmen 9:05/19,4 Kilometer Rad 24:41/5 Kilometer Laufen 14:29.
2. Lasse Nygaard Priester 51:10 (9:06/25:49/14:31).
3. Henry Graf 51:21 (8:49/25:57/14:44).