Trotz Coronawarnung: Urlauber tummeln sich in Cuxhaven
KREIS CUXHAVEN. Urlauber, wohin man blickt: Am Wochenende waren in und um Cuxhaven wieder viele Touristen unterwegs - und das trotz der Ausgangswarnungen von öffentlicher Seite.
Vor allem auf der Strandpromenade und im Stadtteil Duhnen tummelten sich die Touristen. "Das ist nicht im Sinne der Präventionsbemühungen", sagt auch Sandra Langheim, Kurdirektorin der Gemeinde Wurster Nordseeküste. Doch einige Urlauber sehen das anders.
"Am Wochenende war hier die Hölle los", sagt Klaus Schroh (83) aus Duhnen. "Auf der Strandpromenade war es am Sonnabend so voll wie sonst nur im Sommer." Der pensionierte Kapitän hat sich die Auto-Kennzeichen auf dem Parkplatz genauer angesehen. "Viele kamen aus Nordrhein-Westfalen und aus dem Ruhrgebiet."
Viele Menschen unterwegs
Auch die Kurverwaltung Wurster Nordseeküste und Cux-Tourismus bestätigen den hohen Andrang. "Es waren wirklich auffällig viele Menschen unterwegs, was nicht im Sinne der Corona-Prävention ist", sagt Wurstens Kurdirektorin Sandra Langheim. "Was die Leute dazu bewegt, weiß ich nicht. Viele sind wohl vorzeitig in die Osterferien aufgebrochen und wollten das gute Wetter ausnutzen." Cux-Tourismus ließ auf Nachfrage mitteilen, dass der "Andrang sich nur aufs Wochenende bezog". Seit Dienstag seien auch alle Geschäftsstellen geschlossen.
Doch nicht nur am Strand war vor ein paar Tagen noch eine Menge los. Auch in den umliegenden Restaurants und auf dem nahen Campingplatz seien viele Urlauber gewesen, berichtet Klaus Schroh. "Schon um 8 Uhr morgens waren in einem Duhner Frühstücksrestaurant fast alle Tische besetzt. Die Parkplätze und der Wohnmobil-Stellplatz in Duhnen waren nahezu ausgebucht." Ihn stört diese Entwicklung. "Wenn wir alle weiterhin kreuz und quer durchs Land reisen, wird das Virus noch schneller eine flächendeckende Tragödie auslösen."
"Relativ ruhig"
Auf dem Bremerhavener Campingplatz Havencamp war die Situation laut Geschäftsführer Jens Grotelüschen nicht so dramatisch wie in Cuxhaven. "Bei uns war es am Wochenende relativ ruhig. Von einer Welle kurzfristiger Buchungen kann hier keine Rede sein."
Eine Frau aus Bremen, sie möchte namentlich nicht genannt werden, hat am Dienstag einen Tagesausflug nach Cuxhaven gemacht. "Weil man mit den Kindern mal raus muss. Die brauchen doch Bewegung. Sonst hat man drinnen abends nur noch Streit." Gleichzeitig fragt sie sich, ob sie das Spielschiff, auf dem ihre Kinder turnen, überhaupt noch nutzen dürfen. "Eigentlich soll man Spielplätze ja meiden." Doch außer der Frau und ihren Kindern ist weit und breit kein Mensch in Sicht, der das Schiff nutzen will.
Auf Höhe des Strandhauses Döse steht eine Gruppe Urlauber aus Nordrhein-Westfalen. Auch von ihnen möchte niemand seinen Namen nennen. "In den Ballungsgebieten ist wirklich Vorsicht geboten. Aber hier oben kann man sich ganz einfach aus dem Weg gehen", sagt eine der Frauen. "Außerdem ist die frische Luft gut, um das Immunsystem zu stärken", wirft einer ihrer Begleiter ein. Die Urlauber planen, noch bis Sonntag zu bleiben. Sie hoffen, dass sie ihren Urlaub - trotz der kritischen Lage - bis zum Ende durchziehen können. Das dürfte angesichts der politischen Entwicklung ein frommer Wunsch sein.
Auch bei Gudrun Schissler (57) aus der Nähe der hessischen Kurstadt Bad Hersfeld ist die Verunsicherung spürbar. "Wir versuchen, einen möglichst normalen Urlaub hinzukriegen - lange Strandspaziergänge, die Sonne genießen. Die Restaurants, die am Wochenende wirklich brechend voll waren, haben wir aber gemieden."
Keine Touristen mehr erlaubt?
In den nächsten Tagen könnte der Tourismus aber vollends zum Erliegen kommen. Nachdem die schleswig-holsteinische Landesregierung am Dienstag beschlossen hat, Reisen aus touristischem Anlass komplett zu untersagen, wird damit gerechnet, dass Niedersachsen am Mittwoch nachzieht. Mehr zum Thema lesen Sie hier. (Smart+)
Von Jannik Sauer