Frank Berghorn hat das Millionenprojekt von Anfang an geplant. Jetzt kontrolliert er regelmäßig den Fortschritt auf der Baustelle an der Neufelder Straße. Foto: Sassen
Frank Berghorn hat das Millionenprojekt von Anfang an geplant. Jetzt kontrolliert er regelmäßig den Fortschritt auf der Baustelle an der Neufelder Straße. Foto: Sassen
Umstrittenes Projekt

Trotz Kritik: Arbeiten am Holzheizkraftwerk Cuxhaven gehen weiter

08.11.2021

CUXHAVEN. Ungeachtet der öffentlichen Kritik wird am Cuxhavener Holzheizkraftwerk mit Hochdruck weiter gearbeitet.

Es war von Anfang an umstritten, das Holzheizkraftwerk, das derzeit an der Neufelder Straße am Ostende des Cuxhavener Fischereihafens entsteht. Es ist vermutlich die größte Baustelle im Landkreis Cuxhaven. Am Ende werden dort rund 90 Millionen Euro in das Werk und die dazugehörigen Leitungen für das Fernwärmenetz investiert.

Während die Kritiker der Meinung sind, Holz zur Strom- und Wärmeerzeugung zu verbrennen, sei eine Technik von gestern, sind die Gesellschafter, der Geschäftsführer Hermann Schlesinger, der Planer Frank Berghorn und der Bauleiter Hanke von Döhlen von ihrem Projekt überzeugt. Sie verweisen auf die ausgeklügelte moderne Filtertechnik ihrer künftigen Anlage und darauf, dass der Bund Biomassekraftwerke, zu denen auch das Cuxhavener Werk zählt, über das Erneuerbare Energien Gesetz ausdrücklich fördert, weil das Verbrennen von Holz als klimaneutral gilt. Außerdem kann das Werk durchgehend Energie liefern, anders als Windturbinen und Fotovoltaik-Anlagen.

Grüne und SPD sind dagegen

Weil die Öffentlichkeit im Vorfeld nicht über das Projekt und seine Tragweite für die Stadt informiert worden ist, machen die Grünen und auch die SPD nun Front dagegen. Sie wollen den Ausbau des Fernwärmenetzes auf Stadtgebiet behindern. Weil die Anlage unter der Grenze von 50 Megawatt Heizleistung liegt, bedurfte es nur der vorgeschriebenen Prüfung durch das Gewerbeaufsichtsamt.

Die städtischen Gremien waren nicht beteiligt. Nachdem sie das Kraftwerk nun nicht mehr verhindern kann, will die neue Ratsmehrheit mit ihrem Veto wenigstens den Ausbau des Fernwärmenetzes blockieren, sobald dieses den Innenstadtbereich tangiert und die Politik ihr Einverständnis erteilen muss. Das bestätigte SPD-Fraktionsvorsitzender Gunnar Wegener auf Nachfrage.

Turbinenstart in einem Jahr

Keine gute Ausgangslage für die Betreiber, die allerdings zunächst einmal auf die Versorgung der Hafenanrainer mit Strom und Wärme setzen. Sie planen mit Hilfe des schweizer Investmentfonds Fontavis am Ende rund 90 Millionen Euro in das neue Kraftwerk zu stecken. Eine Investition, die sich allein über die aus dem EEG garantierte Stromeinspeisevergütung nach wenigen Jahren amortisieren dürfte. Unbeeindruckt von der öffentlichen Diskussion gehen die Bauarbeiten unter Hochdruck weiter. Die Holz-Heizkraftwerke GmbH will bereits ab September nächsten Jahres Strom ins öffentliche Netz einspeisen, um sich die volle EEG-Förderung zu sichern. Die dafür benötigte Turbine mit einer 17 Megawatt elektrischer Leistung ist das Herzstück.

Der Dampf für ihren Betrieb wird in drei Kesseln erzeugt, mit deren Aufbau vor zwei Wochen in der benachbarten großen Halle von Titan Wind begonnen worden ist. Seitdem schrauben und schweißen Monteure der österreichischen Firma Kohlbach an der später 22 Meter hohen Kesselanlage, die in zwei bis drei Wochen in einzelnen Segmenten mit Schwerlastfahrzeugen zur Baustelle transportiert und dort zusammengebaut wird.

Glücksfall für das Projekt

Die Vormontage in der großen Halle von ehemals Ambau hat sich als Glücksfall erwiesen. "Das haben wir selten, dass wir eine so große Halle vorfinden, in der wir die Kesselanlage vormontieren können," freut sich Projektleiter Ümit Lässig, der mit seinen Leuten derzeit die drei elektrischen Staubfilter zusammensetzt, die später an die Brennräume angeschlossen werden, in denen das Holz verfeuert wird. Sowohl Technik als auch die Dimension der Anlage sind für Cuxhaven Neuland. Mit jährlich rund 90.000 Tonnen gehacktem Restholz von maximal 16 Zentimeter Länge sollen die Kessel befeuert und auf 400 Grad gehalten werden, was wiederum durch ein ausgeklügeltes Kühlsystem sichergestellt wird. Die anfallenden Aschen seien kein Sondermüll, versichert Bauleiter von Döhlen sondern könnten größtenteils als Zusatzstoff in der Betonindustrie eingesetzt werden.

Um die notwendige Kühlung auch dann sicherzustellen, falls das öffentliche Stromnetz zusammenbricht, sind zwei Blockheizkraftwerke vorgesehen, die mit Gas betrieben werden.

Abwärme zum Heizen

Die entstehende Abwärme beim Betrieb von Kessel und Turbine wird über einen turmhohen Wärmetauscher abgeleitet und in einem 22 Meter hohen Wassersspeicher gesammelt aus dem das angeschlossene Fernwärmenetz mit rund 90 Grad heißem Wasser gespeist wird. 40 Zentimeter Durchmesser hat das Rohr, mit dem das Heißwasser in Richtung Hafen und dann weiter in die Innenstadt geleitet wird.

Anschließen kann sich im Prinzip jeder Betrieb und jeder Haushalt der nah genug an der Fernwärmeleitung liegt und einen Vertrag mit dem Betreiber unterschreibt. Auf NPorts-Gelände kommt der Ausbau in rund 1,60 Meter Tiefe derzeit einigermaßen voran. Dabei bemühe man sich die Beeinträchtigungen für Geschäfte und Betriebe so gering wie möglich zu halten, versichert Frank Berghorn. Bis zum kommenden Ostergeschäft seien die Arbeiten im Bereich der Neufelder Straße abgeschlossen.

Die Akquise läuft

Wie und in welcher Richtung das auf 25 Zentimeter Durchmesser reduzierte Rohr ab Höhe "real"-Markt weiterverlegt wird, stehe noch nicht fest. Das hänge auch davon ab, wie die Akquise laufe und wer sich an das Netz anschließen wolle, sagt von Döhlen. Er sei diesbezüglich optimistisch, weil auf den Kunden ein Rundum-Sorglospaket für Heizung und Warmwasser warte. Heizungskessel, Schornstein, Tanks und alles, was damit zusammenhängt könne sich der Eigentümer sparen. Ein Wärmetauscher in der Größe einer Einkaufstasche reiche etwa, um ein Einfamilienhaus mit Warmwasser und Heizung zu versorgen.

Die Leistung des Holzheizkraftwerks würde theoretisch ausreichen, um fast die Hälfte der Cuxhavener Haushalte anzuschließen. Nutznießer werden aber in erster Linie die Hafenbetriebe sein, bei denen das Angebot bereits auf großes Interesse gestoßen sein soll, weil die steigende CO2-Bepreisung entfällt.

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