Marescape, ein Unternehmen der Hatecke-Gruppe, wartet auf Offshore-Plattformen alle Rettungsmittel, vom Erste-Hilfe-Kasten bis zum Rettungsboot. Foto: Marescape
Marescape, ein Unternehmen der Hatecke-Gruppe, wartet auf Offshore-Plattformen alle Rettungsmittel, vom Erste-Hilfe-Kasten bis zum Rettungsboot. Foto: Marescape
Spezialisten

Unternehmen aus Kreis Stade sorgt für Sicherheit auf hoher See

09.05.2021

DORNBUSCH. In der Ortsdurchfahrt Dornbusch ist er ein Blickfang: der Schriftzug "Marescape" am ehemaligen Schuhgeschäft Freudenthal.

Anfänglich hätten manche dahinter ein neues Café vermutet, erzählt Geschäftsführer Krischan Oltmann. Doch sein Unternehmen sorgt für Sicherheit auf hoher See.

Hatecke-Werft

"Mar" steht für Meer und "escape" für Rettung. 400 Meter entfernt hat die Hatecke-Werft ihren Ursprung: In Dornbusch im Landkreis Stade gründete Oltmanns Ur-Ur-Großvater Wilhelm Hatecke 1903 das Unternehmen.

Dornbuscher Tochter

Marescape ist eine 100-prozentige Tochter der Hatecke-Service, die als Teil der Hatecke-Gruppe ihren Hauptsitz auf Krautsand hat. Die Dornbuscher Tochter wurde 2016 gegründet und kümmert sich um die Sicherheit auf hoher See. Das umfassende Angebot ist das Ergebnis eines Optimierungsgedankens. Hatecke- Service wartet seit 2005 Rettungsboote und die dazugehörigen Aussetzvorrichtungen, seit 2015/16 auch auf Offshore-Plattformen von Energiekonzernen und Netzversorgern. Das dauert zwei Tage, aber der Hubschrauber, der die Techniker zur Plattform bringt, fliegt nur wöchentlich.

Marescape

Es wurde überlegt, wie die Zeit effizient ausgenutzt werden kann. "Da war es naheliegend, unseren Service auf andere Rettungsmittel auszudehnen", so Oltmann. Dazu gehören Rettungswesten, Überlebensanzüge, Feuerlöscher, Pressluftatmer, Notbeleuchtung und vieles mehr. Für all das bietet Marescape Wartungen und Zertifizierung an, ebenso Schulungen für die Besatzungsmitglieder auf den Plattformen.

"Eine enorme Verantwortung"

Inzwischen dauere der Einsatz auf hoher See 14 Tage, berichtet Melvin Blanck, bei Marescape gemeinsam mit Jan Suhr und Harmke Pape für das operative Geschäft verantwortlich. Zwei bis vier Mitarbeiter würden pro Plattform 500 Artikel prüfen, pro Jahr seien es rund 8700 Artikel auf 15 Plattformen. Das reiche vom Erste-Hilfe-Kasten über das Sicherheitskonzept mit Notwege-Ausschilderung bis zum Rettungsboot. 2019 zählte das Marescape-Team 333 Offshore-Tage (Tage mal Mitarbeiter), vergangenes Jahr waren es schon 477. Die Herausforderung sei, die Techniker so auszubilden, dass alle in der Lage sind, alle Arbeiten vor Ort zu machen, "sie übernehmen eine enorme Verantwortung".

Kompetenz im Schifffahrtsbereich

Seit 2018/19 ist das junge Unternehmen mit seiner Kompetenz auch im Schifffahrtsbereich unterwegs, bietet seinen Service auf Container-Riesen und Kreuzfahrtschiffen an. Aber auch Freizeit-Schipper gehören zum Kundenstamm. Marescape verkauft und überprüft zum Beispiel Rettungswesten. "Wir haben zahlreiche Häfen und Sportboote im Landkreis, aber kaum eine Möglichkeit, Rettungswesten vor dem Kauf anzuprobieren", erzählt Jan Suhr.

Zum Angebot gehören außerdem Schutzanzüge und Schutzausrüstung gegen Absturz (zum Kauf oder zur Miete), Ersatzteile für Boote und Davits (Aussetzeinrichtung für Boote), aber auch den ganz banalen Feuerlöscher verkauft und wartet das Unternehmen. "Viele wissen gar nicht, dass die Wartung von Feuerlöschern auch in Privathaushalten alle zwei Jahre empfohlen wird, um die Funktionsfähigkeit sicherzustellen", erklärt Suhr.

Lagercontainer

Das große Angebot benötigt Platz. Verliehene Ausrüstung wird nach der Rückgabe in der Werkstatt überprüft und aufgearbeitet, andererseits hängen dort Schutzanzüge in verschiedenen Größen. "Lagermäßig sind wir etwas eingeschränkt", gibt Oltmann zu, er möchte vergrößern. Der Bauantrag für einen 10 mal 14 Meter großen Anbau wurde bereits im Herbst vergangenen Jahres gestellt. Vorerst helfen zwei Lagercontainer, die aber sehr unpraktisch beim Aus- und Einräumen sind.

Marescape hatte zunächst 2017 das Lager und die Werkstatt bezogen, im April 2020 folgte das Büro. Der Betrieb mit zehn fest angestellten Mitarbeitern, davon sieben Techniker, ist auch für das Ortsbild ein Gewinn. Er belebt die Ortsmitte und hat Leerstand beseitigt. "Wir dürfen die Dörfer nicht ausbluten lassen", sagt Krischan Oltmann. Und auch sein Unternehmen profitiert von der Lage: "Seit wir hier vor Ort sind, sind wir als Unternehmen wesentlich präsenter", erzählt Melvin Blanck. Kollege Suhr freut sich, in einem jungen und motivierten Team arbeiten zu können.

Online unterwegs

Auch die Homepage kommt frisch und modern daher; derzeit allerdings nur auf Englisch. Marescape ist außerdem auf Facebook zu finden. "So erreichen wir Privatkunden, aber auch potenzielle Mitarbeiter", so Oltmann. "Das Tolle ist, dass wir uns einerseits über den Namen und die Tätigkeit von der Firma Hatecke emanzipiert haben und etwas komplett Neues aufbauen konnten, andererseits die Rückendeckung des Mutterkonzerns gegeben ist, auch größere Investitionen zu tätigen und wir den Support mit einer Konstruktionsabteilung oder den Stahlbau im Stammhaus haben", sagt der Geschäftsführer.

Von Susanne Helfferich

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