Nach dem schweren Verkehrsunfall auf der B73 hat sich der verunglückte Motorradfahrer zu Wort gemeldet - und Vorwürfe gegen die Polizei erhoben. Foto: Lange
Unfall auf Bundesstraße

Vermeintliches Straßenrennen auf B73: Motorradfahrer wehrt sich gegen Vorwürfe

06.08.2019

CADENBERGE. Nach dem vermeintlich illegalen Straßenrennen auf der B73 bei Cadenberge erhebt einer der Unfallbeteiligten Vorwürfe gegen die Polizei. 

Motorradfahren will Hannes Klindwort in diesem Jahr nicht mehr. Zu tief sitzt der Schock über das, was er am vergangenen Freitag erlebt hat: Nach Einbruch der Dunkelheit fährt der 22 Jahre Dachdecker aus Cadenberge mit seinem Motorrad zum Tanken zu einer Tankstelle an der B73. Nach eigenen Angaben sieht er dort eine Honda Fireblade, ein Sportmotorrad, sowie einige Autos stehen. "Das müssten die Überwachungskameras der Tankstelle einwandfrei belegen können", berichtet Klindwort. "Die Fireblade und den Fahrer habe ich zuvor noch nie gesehen." Da ist er offenbar nicht der einzige. Von einem Anwohner will Klindwort erfahren haben, dass der Fireblade-Fahrer mit seinem hochmotorisierten Bike die B73 "rauf und runter gefahren" sein soll. "Das kann ich aber nicht bezeugen", sagt Klindwort.

Gedrosseltes Motorrad

Nach dem Tanken macht sich Klindwort mit seinem auf 48 PS gedrosselten Motorrad auf den Heimweg. Eine solche Drosselung ist in den ersten zwei Jahren bei Fahranfängern gesetzlich vorgeschrieben. "Da ich aber ganz vergessen hatte, dass die Bahnhofsstraße in Cadenberge derzeit gesperrt ist, bin ich umgedreht und auf direktem Weg über die B73 nach Hause gefahren." Wie schnell er dabei unterwegs war, wisse er nicht mehr, wie Klindwort im Gespräch mit unserem Medienhaus beteuert. 

Schwerer Unfall auf B73

Und plötzlich ging alles ganz schnell: Gegen 22 Uhr biegt ein 45-jähriger Mann aus Oberndorf mit seinem Mercedes-Sprinter von der Schützenstraße nach links auf die B73 in Richtung Wingst ab. "Mir wurde später gesagt, dass er mich weder gesehen noch gehört habe", sagt Klindwort. Überhaupt habe er mit dem 45-Jährigen nach dem Unfall nur die Adressen ausgetauscht, sonst aber bis heute nichts mehr von ihm gehört. "Er hat sich nicht einmal entschuldigt, obwohl er mir die Vorfahrt genommen hat." 

"Hätte tot sein können"

So kommt eins zum anderen: Klindwort rauscht mit seinem Motorrad "mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit" von hinten heran, wie die Polizei annimmt. Bei der Vollbremsung bricht das Vorderrad des Motorrads weg, wodurch die schwere Maschine von hinten auf den Sprinter auffährt. Durch die Wucht des Aufpralls schleudert Klindwort von seiner Maschine und bleibt auf der Gegenfahrbahn liegen. "Wenn mir in dem Moment jemand entgegengekommen wäre, wäre ich jetzt wohl tot", sagt Klindwort mit ruhiger und gefasster Stimme. Sein Motorrad verkeilt sich unter dem Sprinter, wodurch der Sprinter-Fahrer kaum noch bremsen kann und erst nach etwa 100 Metern zum Stehen kommt. 

Der Schock sitzt tief

Klindwort wird sofort klar, dass er einen riesengroßen Schutzengel hatte: "Der Helm hat nicht einen Kratzer abbekommen." Eine Behandlung im Krankenhaus lehnt er ab. Bis auf einige Prellungen und Schürfwunden ist der 22-Jährige mit dem Schrecken davongekommen.

Polizei ermittelt wegen illegalen Straßenrennens

Doch der sitzt tief. Erst recht, seit er nach dem Unfall wenige Minuten nach der Behandlung im Rettungswagen von den Polizeibeamten vor Ort gesagt bekommt, dass gegen ihn wegen der Teilnahme an einem verbotenen Kraftfahrzeugrennen ermittelt wird. Zudem haben die Beamten ein Verfahren wegen deutlich überhöhter Geschwindigkeit gegen Klindwort eingeleitet. Das hat die Polizei Hemmoor inzwischen auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigt. 

Vorwürfe gegen Polizei

Den Vorwurf des illegalen Straßenrennens weist Klindwort jedoch weit von sich und erhebt umgekehrt Vorwürfe gegen die Polizei: "Ich fand ich es nicht richtig, im Schockzustand direkt nach einem so schweren Unfall noch im Rettungswagen während der Erstversorgung befragt zu werden und dann direkt als Raser abgestempelt zu werden." Zudem sei ihm nach ersten Ermittlungen der Polizei vorgeworfen worden, nicht im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis für derart eine große Maschine gewesen zu sein. "Die Polizisten vor Ort haben weder meine Fahrzeugpapiere noch mein TÜV-Gutachten zur Drosselung sehen wollen", sagt Klindwort. "Auf welcher Grundlage wollen sie das dann beurteilen?" 

Polizei äußert sich

Inzwischen hat die Polizei Hemmoor auf Nachfrage mitgeteilt, dass sie die Drosselung seines Motorrades "im Rahmen der Verkehrsunfallaufnahme selbst festgestellt" habe. Zu den konkreten Vorwürfen von Klindwort will sich die Polizei hingegen nicht äußern. 

Ermittlungen gegen zweiten Motorradfahrer

Überhaupt frage er sich, so Klindwort, wieso der Vorwurf eines illegalen Straßenrennens im Raum stünde. Die Polizei stützt sich bei ihren Ermittlungen auf Zeugenaussagen, ohne näher ins Detail zu gehen. "Das wundert mich schon, da ich weit und breit keinen anderen Motorradfahrer und auch kein Auto hinter mir gesehen habe", sagt hingegen Klindwort. Von einem zweiten oder gar mehreren anderen Teilnehmern des vermeintlichen Rennens sei gegenüber ihm nie die Rede gewesen. Von der Polizei heißt es dazu: "Die Ermittlungen - auch in Bezug auf das zweite Motorrad - dauern an." Klindwort hat dazu eine andere Einschätzung: "Ich kann mir nur vorstellen, dass Leute den Fahrer der Honda Fireblade an der Tankstelle und dann später mich gesehen haben und sich dann irgendetwas wild zusammengereimt haben, was überhaupt nicht stimmt." 

Zahlreiche Vorwürfe aus privatem Umfeld

Das ärgere ihn besonders, da er mittlerweile nicht mehr unerkannt durch Cadenberge gehen könne ohne auf den Unfall angesprochen zu werden. "So etwas spricht sich herum, hier weiß jeder, dass ich der Motorradfahrer bin, entsprechend wird dann auch vor und hinter meinem Rücken geredet." Zudem hätten sich über soziale Netzwerke, wie Facebook und WhatsApp, bislang rund 30 Personen persönlich bei dem 22-Jährigen gemeldet und ihm Vorwürfe gemacht wegen des vermeintlichen Straßenrennens und ihn zum Teil beleidigt. "Das geht nicht spurlos an einem vorbei", sagt Klindwort. Daher wolle er sich notfalls auch juristisch gegen die Vorwürfe der Polizei zur Wehr setzen, um seinen Ruf wiederherzustellen. Denn auch wenn er den Unfall äußerlich nahezu unversehrt überstanden hat, werden ihn dessen Folgen wohl noch eine ganze Weile beschäftigen. 

Von Christoph Käfer

Lesen Sie auch...
Cuxland persönlich

Der Zufall führte diese Otterndorferin auf die Theaterbühne

08.12.2019

OTTERNDORF. Sie steht mit Leidenschaft auf "den Brettern, die die Welt bedeuten". Gerne hätte sie früher eine Schauspielschule besucht, aber ihr Wunsch wurde in ihrem Elternhaus nicht ernst genommen.

Politik

Steinau: Dürre macht Straßdeichwettern Probleme

08.12.2019

STEINAU. Der Gemeinderat in Steinau befasste sich mit den Folgen der Trockenheit auf die Wasserwirtschaft.

Weihnachtszeit

Schwebefähre Osten-Hemmoor wieder einsatzbereit

08.12.2019

OSTEN. Fast auf den Tag genau vor drei Monaten setzte ein technischer Defekt die Schwebefähre Osten-Hemmoor außer Betrieb.

Umwelt

Naturschutzstiftung zieht es ins Ahlenmoor

von Christian Mangels | 07.12.2019

KREIS CUXHAVEN. Die Naturschutzstiftung des Landkreises Cuxhaven will die Fläche neben dem MoorIZ kaufen und dort ein Stiftungshaus aufbauen.