Vogelplage in Hadeln: Saatkrähen nisten jetzt auch in Hemmoor
HEMMOOR. Otterndorf hat jahrelange Erfahrung mit Saatkrähenkolonien. Dort sind Lärm und Verschmutzung an der Tagesordnung.
Jetzt haben sich die schlauen Vögel auch in Hemmoor angesiedelt. Eine Kolonie nistet in einem Wäldchen am Basbecker Friedhof in der Nähe eines Wohngebiets. Die Anwohner sind genervt.
Die Otterndorfer wissen ein Lied davon zu singen, allerdings kein schönes. Es ist eher ein lautes, rauhes Krah-Krächzen aus vielen Hälsen, das morgens und abends in unangenehmer Regelmäßigkeit ertönt. Doch jetzt hat sich auch andernorts solch ein kakofoner Chor niedergelassen. Die Saatkrähen haben Hemmoor entdeckt.
Anwohner sind schwer genervt
Im Beckmann‘schen Gehölz, einem kleinen alten Buchenwäldchen nahe dem Basbecker Friedhof, hat sich eine Kolonie Saatkrähen, ausgezeichnet mit dem Prädikat "Vogel des Jahres 1986", niedergelassen. Und die großen Krähen mit dem markanten Schnabel und dem metallisch glänzenden schwarzen Gefieder haben offenbar nicht vor, wieder zu verschwinden. Sehr zum Verdruss der Anwohner in der benachbarten Wohnsiedlung. Sie sind schwer genervt. Die Klagen über Lärm und Kotverschmutzung häufen sich bei der Stadt.
Hemmoors Stadtdirektor Dirk Brauer wirkt noch ein wenig ratlos. "Das ist ein neues Problem für Hemmoor." Doch diese Ratlosigkeit wird sich in absehbarer Zeit kaum legen. Denn andere Kommunen, die schon seit etlichen Jahren - siehe Otterndorf - mit diesen standorttreuen und geselligen Vögeln zu tun haben, wissen nach wie vor nicht, wie sie die stetig wachsende Zahl ungebetener Gäste wieder loswerden können.
Denn es gibt nicht allzu viele Möglichkeiten. Die ruffreudige Art ist geschützt. Vor allem gelten Saatkrähen als hochintelligent und lassen sich nicht so einfach austricksen - und schon gar nicht vertreiben. Hartnäckig halten die Vögel an ihren angestammten Standorten fest und lassen sich bei massiven Störungen allerhöchstens ein paar hundert Meter weiter nieder. Im ungünstigsten Fall teilen sie sich sogar in mehrere Kolonien auf.
Die Toleranz der Bürger gegenüber der Saatkrähe ist überschaubar. Der ständige Lärm und die Verschmutzung von Häusern, Gärten und Autos zerrt an ihren Nerven. Möglichkeiten des Eingriffs, um die Kolonie zum Abflug zu bewegen, gibt es zwar, aber sie sind an hohe Auflagen geknüpft. So könnte geprüft werden, ob die Saatkrähe für einen örtlich begrenzten Bereich von der Liste der bedrohten Arten genommen werden darf. Auch Beschallung, wie es bereits einige Landwirte tun, um ihre Felder vor den Krähen-Überfällen zu schützen, ist denkbar, aber in einem Wohngebiet eher keine gute Option. Auch Falkner könnten eingesetzt werden, um die Bestände in überschaubarer Größe zu halten.
Kolonie könnte sich teilen
Vom Vergrämen hält Stadtdirektor Brauer wenig, weil es dann zur Teilung der Kolonie kommen könnte und das Problem an anderer Stelle erneut auftaucht. Einen Ortstermin mit der Naturschutzbehörde des Landkreises hat es schon gegeben. Jetzt wird ein Gutachten in Auftrag gegeben, um die Saatkrähen-Population in Basbeck zu erheben und Maßnahmen zu bestimmen, die zulässig und artgerecht sind, um der Vogelplage Herr zu werden.
Der Brutbestand der Saatkrähe in Deutschland beträgt laut Naturschutzbund mehr als 80 000 Paare. Der Winterbestand ist durch Zuzügler aus dem Osten und Norden wesentlich höher. Stellenweise vervielfacht er sich dann, erkennbar an den massenhaften Ansammlungen an den Schlafplätzen in den Baumkronen.
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