Vom Straßenbauer zum Spitzenmanager

04.01.2007

Der gebürtige Cuxhavener Detlef Kornett machte eine erstaunliche Karriere

<b>flü. - Das Handy klingelt einmal. Kurzer Blick aufs Display. Eine SMS. "Entschuldigung, aber wir hatten da noch was bei den Freezers zu regeln", lächelt Detlef Kornett. Das muss das Lächeln sein, das einst ein Nachrichtenmagazin beschrieb. Er wirke nach außen nett, auch wenn er knallharte Entscheidungen treffe. Er sei ein "Meckie Messer ohne Messer", hieß es damals, als er zu verantworten hatte, dass der Eishockey-Klub München Barons umzieht - 800 Kilometer nördlich - und von da an Hamburg Freezers hieß. </b>

Die Kurznachricht auf dem Handy in Klartext übersetzt: Trennung von Freezers-Trainer Mike Schmidt, Einstellung von Bill Stewart perfekt. "Ein harter Hund", ergänzt Kornett, der sich auch gern manchmal solch einen Trainer gewünscht hätte, als er noch in Cuxhaven selbst Basketball spielte.

An der Elbmündung vor 43 Jahren geboren, erlebte er eine behütete Kindheit - der Vater war beim Tiefbauamt, die Mutter kümmerte sich um ihn und seinen älteren Bruder, der heute in der Schweiz lebt. Während er am Lichtenberg-Gymnasium sein Abitur baute, fuhr er für zwei Heißmangelgeschäfte die Wäsche aus. Auch im Straßenbau jobbte er. "Die Kapitän-Alexander-Straße habe ich gebaut", scherzt Kornett, der sich mit dem verdienten Geld einen Traum erfüllt hatte, nämlich eine Reise in das Mutterland des Basketballs, in die USA.

Er selbst ging seinerzeit beim Cuxhavener Sportverein (CSV) auf Korbjagd. Der Basketball prägte Detlef Kornetts weiteren Berufsweg entscheidend. Zwar folgte ein Studium auf Lehramt - unter anderem Sport und Politologie - in Berlin, doch seine freundschaftlichen Verbindungen zu dem Bremerhavener Basketball-Mäzen Wolfgang Grube brachten ihn von dem Pfad zum Pädagogen ab. "Sportklamotten verkauft", sagt er salopp zu seinem Einstieg als Vertreter für den Sportartikel-Hersteller Converse.

Bis 1994 hat er das gemacht, davon zweieinhalb Jahre im Hauptoffice in Berlin. "Ich habe Wolfgang Grube viel zu verdanken, habe viel von ihm gelernt, viel Grundwissen für das Geschäft erfahren", blickt Kornett mit einem Funkeln in den Augen zurück und fügt gleich die nächsten vier Jahre seiner steilen Karriere hinzu: "Ich war dann Director der National Football-League Europe" - das bedeutete auch ständiges Pendeln zwischen Berlin und London. Der 43-Jährige beteuert aber im gleichen Atemzug, dass ihm die Bezeichnung seines Postens nicht viel bedeute: "Ich habe das nie so genau genommen, was der Titel besagt. Ich habe einfach gemacht."

Ein Ziel habe er allerdings immer gehabt: "Ich wollte gern Geschäftsführer sein, der Bestimmer sein, die operative Verantwortung haben." Da kam ihm das Angebot des amerikanischen Textilherstellers Twins Enterprises Boston recht. Er wurde in London als Sanierer für das Geschäft in Europa mit Niederlassungen in mehreren Ländern eingestellt. Mit großem Erfolg, und der blieb auch anderen nicht verborgen.

"Ein Headhunter rief mich an, dass ein US-Mann in Eishockey machen will und ich dabei helfen soll", beschreibt Kornett die in der freien Wirtschaft mittlerweile übliche Methode, geeignete Manager von anderen Unternehmen abzuwerben. Nicht alltäglich ist jedoch ein weiterer Anruf, der kurz danach an einem Sonnabend folgte: Kornett solle Sonntag zu einem Gespräch nach Denver kommen. Der gebürtige Cuxhavener antwortete, dass er das nicht schaffen werde, schließlich hätten seine Angestellten bei Twins am Montag ihren Scheck bekommen sollen. Das gehe vor.

Das Bewerbungsgespräch fand schließlich am Dienstag statt - 30 Minuten Audienz waren angesetzt beim US-Unternehmer Philip Anschutz. Drei Stunden wurden es. Dann waren sowohl der US-Milliardär als auch Detlef Kornett überzeugt, gemeinsam in Europa viel Bewegung in Eishockey, Basketball, Fußball und Entertainment zu bringen.

Neben Tüchtigkeit hätte das Glück eine Rolle bei der prompten Einstellung gespielt. "Ich passte in das Profil; ich lebte in London, kam aus dem Sport, bin deutsch und im operativen Geschäftsbereich tätig", berichtet der Top-Manager mit großer Bescheidenheit von seinem beeindruckenden Werdegang.

Als Geschäftsführer der Anschutz Entertainment Group (AEG) in Europa ist er seit dem Jahr 2000 sozusagen auch Chef von zahlreichen Sportlern, wie zum Beispiel den beiden Erstliga-Eishockeyteams Hamburg Freezers und Berliner Eisbären. AEG ist weltweit einer der größten Eigentümer von Sportclubs - in den USA unter anderem Besitzer des legendären Basketball-Teams Los Angeles Lakers.

Kornett selbst betreibe Sport nur noch unter dem Gesundheitsaspekt: "Ein bisschen Laufen und Fitness für meinen basketballgeschädigten Rücken." Einmal im Jahr spiele er Basketball, bei der Betriebsmeisterschaft des weltweit 3000 Mitarbeiter zählenden Konzerns aus den USA.

Der Besitz von Sportvereinen oder die Beteiligung daran sei nur ein Geschäftsfeld von vielen bei AEG. Veranstaltungszentren sind ein weiterer großer Faktor. Das Staples Center in Los Angeles - da finden die Lakers-Spiele und die Grammy-Verleihungen statt - sei mit einem Investitionsvolumen von 1,5 Milliarden entstanden. "Damals lebten dort gerade einmal 5000 Menschen. Jetzt sind es 100000", nennt Kornett eine beeindruckende Zahl zu diesem Projekt, das auch in Europa Schule machen soll. In London, wo er bis Ende 2004 auch lebte, werde gegenwärtig Ähnliches von AEG bei "The Dome" umgesetzt.

Und die nächste Großbaustelle ist eingerichtet: Im Spätsommer 2008 soll die O2 World in Berlin eröffnet werden. Auf 18 Hektar am ehemaligen Ostbahnhof im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg entsteht ein neues Stadtviertel mit Wohnbau, Gastronomie, Hotel, Gewerbe und dem Herzstück: Eine der modernsten Multifunktionshallen Europas für Entertainment, Freizeit, Sport und Kultur. Allein die Kosten für den Arena-Bau belaufen sich auf über 150 Millionen Euro. "Ein vollständig privates Invest", wie Kornett betont. Lediglich bei der Infrastruktur wie Zufahrtsstraßen müsse die öffentliche Hand investieren.

Die 160 Meter lange und 130 Meter breite Halle werde bei Musikveranstaltungen 17000 Zuschauer fassen, beim Eishockey und Basketball bis zu 15500. 59 Business-, vier Event- und zwei Konferenz-Logen sollen außerdem in der Arena entstehen. Der 43-jährige Manager ist von dem Erfolg des Projekts überzeugt, denn: "Berlin ist elektrisiert. Die Sehnsucht nach dieser Arena ist groß, sehr groß. Berlin braucht, ja, verdient eine internationale Bühne für Unterhaltung, Kultur und Sport."

Da drängt sich natürlich die Frage auf, ob er sich vorstellen könne, weil die Cuxhaven BasCats nun einmal schon in der 2. Bundesliga spielen, sich in seiner Geburtsstadt zu engagieren. An der Elbmündung werde schließlich zumindest darüber diskutiert, ob eine neue Sporthalle mit größerer Kapazität realistisch sei. Kornett sehr diplomatisch, eher zurückhaltend: "Es ist sehr schön, was sich hier im Basketball entwickelt hat. Eine tolle Sache." Mit dem Thema Hallenneubau im Nordseeheilbad habe er sich bisher jedoch nicht beschäftigt, weil bisher auch keine Anfrage aus seiner ehemaligen Heimat an ihn herangetragen wurde. Cuxhaven sei aber eben nicht Berlin oder Hamburg, dämpft er zu hohe Erwartungen.

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