Fiebern vor den Golden Globes

Von Cuxhaven aufs Parkett in Hollywood

08.01.2017

CUXHAVEN. Die Basis für sein Leben erhielt er in Cuxhaven - nun ist Torsten Witte einer der beliebtesten Hair- und Make-Up-Designer im Filmgeschäft. Von Maren Reese-Winne

Für sieben „Golden Globes“ ist das romantische Musical „La La Land“ nominiert, das 2016 die Filmfestspiele in Venedig eröffnete und seither Kritiker wie Publikum verzaubert. Ab dem 12. Januar wird der Film in den deutschen Kinos zu sehen sein. Von den Oscars wird schon gemunkelt. Was keiner ahnt: Auch eine gehörige Portion Cuxhaven war mit im Spiel, als der Film sein Gesicht bekam – und das ist wörtlich zu verstehen: Denn für das Make-up zeichnet Torsten Witte aus Cuxhaven verantwortlich.

Den Hauptdarstellern Emma Stone und Ryan Gosling verlieh er in „La La Land“ den unverwechselbaren Look genauso, wie er es schon bei unzähligen Stars getan hat: Matt Damon, Jodie Foster, Ellen Pompeo, Penelope Cruz, Jamie Foxx, Salma Hayek, Brooke Shields, Zac Efron, Zooey Deschanel, Betty White und, und, und.

Seinem ersten großen Film „Little Miss Sunshine“ (2006), der in den USA (und nicht nur dort) immer noch hoch angesehen ist, sind inzwischen viele weitere gefolgt.

Eines der jüngsten Projekte, entstanden nach „La La Land“, ist „The Great Wall of China“, ein Monumentalfilm mit Matt Damon, der ebenfalls am 12. Januar in die deutschen Kinos kommt. Seit Jahren ist Torsten Witte mit dabei, wenn Matt Damon um die Welt reist, um seine Filme – aus jüngster Vergangenheit etwa „Elysium“, „Monuments Men – Ungewöhnliche Helden“, „Der Marsianer“, „Jason Bourne“ oder „Manchester by the Sea“ (Matt Damon als Produzent, Deutschlandstart 19. Januar) – zu promoten.

Zu Hause ist er in Los Angeles und Palm Springs und wenn er nicht mit Filmproduktionen unterwegs ist, wird er von den größten Magazinen und Agenturen gebucht.  Und das alles ausgehend von einer Friseurlehre in Cuxhaven.

Denn seine Kindheit und Schulzeit erlebte Torsten Witte, Jahrgang 1966, hier in Cuxhaven – fast mehr noch auf dem Dorf, in der Geborgenheit Stickenbüttels, wie er im CN-Interview erzählt: „Ich bin wirklich auf dem Bauernhof groß geworden. Wir waren eine tolle Reiter-Gruppe!“

Lange schon war klar, wie es nach der Realschulzeit weitergehen sollte: „Ich wollte schon immer Maskenbildner werden und es war damals in Deutschland üblich, vorher eine Friseur-Lehre abzuschließen.“ Danach ging es schnell aufs internationale Parkett.  Die europäische Bühne machte ihm ebensoviel Spaß wie das Sprachenlernen, er war in Paris, Spanien und Deutschland unterwegs. „New York City und und Los Angeles waren dann mein Plan nach Paris. Mein Agent war dort und somit buchte ich Jobs in beiden Städten.“ Seine erste weltberühmte Kundin war Brooke Shields, der er aus New York nach LA folgte.

Viele Promotions-Touren führen den 50-Jährigen aber auch regelmäßig nach Europa, sodass er dann meist bei Premieren auch seine Eltern sieht. „Im Frühjahr und Herbst haben wir uns in Berlin getroffen, einmal für einen George-Clooney-Film und im Herbst für die ,Jason Bourne‘-Deutschland-Premiere. Matt Damon und seine Frau kennen meine Eltern mittlerweile gut und es ist ganz nett, wenn wir Zeit auf meinem Arbeitsplatz verbringen“, erzählt Torsten völlig unarrogant.

Als seine größte bewältigte Aufgabe sieht er die David-Fincher-Version „Girl with the Dragon-Tattoo“ (deutsch: „Verblendung“) mit Rooney Mara an. Er war selber als persönlicher Make-up-Artist verantwortlich für Rooney Maras Haar-, Make-up- und Tattoo-Styling und außerdem Leiter des gesamten Make-Up-Artist-Teams: „Ich muss sagen, das war meine größte Herausforderung. Wir haben zwölf Monate in den USA, Schweden, der Schweiz und England gedreht.

Im Moment blicken alle auf „La La Land“: Torsten Witte ist zuversichtlich: „Er wird hoffentlich ganz viel gewinnen. Wir haben im Dezember die Critics Choice Awards gewonnen (von den Filmkritikern gab es acht Auszeichnungen, d. Red.) und sieben Golden Globe-Nominierungen. Es fühlt sich immer gut an, im Team eines sehr erfolgreichen Films zu sein.“ Ähnlich wie „Little Miss Sunshine“, ein Roadmovie, in dem sich ein so gar nicht ins typische Bild passendes kleines Mädchen als Kindermodel unter lauter bis zur Unkenntlichkeit aufgebrezelten Altersgenossinnen präsentiert, habe „La La Land“ mit seinem Charme und der Liebeserklärung an Los Angeles das Zeug, ein „Liebling der Nation“ zu werden, spürt Torsten Witte.

Irgendwann mal eine falsche Entscheidung getroffen? „Nein“, sagt er: „Ich hatte nie Zweifel an mir und meine Eltern haben mich immer unterstützt. Sein wahres Talent zu finden und es auch dann auszuleben, ist unbezahlbar. Da ich genau das mache, was ich will und alle meine Projekte sehr unterschiedlich sind, wird es nie eintönig oder langweilig.“

Beschäftigt ist er im Moment genug: „Ich mache gerade die Pressearbeit für Tom Fords neuen Film ,Nocturnal Animals‘ und Matt Damons ,Great Wall of China‘. Dann ist von Januar bis März in Los Angeles ,Award Season‘ (Saison für Preisverleihungen).

Mein Kalender ist gut ausgefüllt und da ich meine Kunden seit Jahren kenne, haben wir immer eine tolle Zeit, wenn ich sie für den roten Teppich und die Show fertig mache. Wenn sie nominiert sind oder einen Award präsentieren, gehe ich meistens mit.“

Seit neun Jahren geschieht das am häufigsten mit Matt Damon und dessen Frau Luciana Barroso. Außerhalb des Hollywood-Glitzers übrigens wie viele seiner Kunden „ganz normale Leute“ und ohne jegliches Star-Gehabe, wie Torsten versichert. Auch Emma Stone, Ryan Gosling, Jodie Foster, Christian Bale und viele andere seien äußerst bodenständig, naturverbunden und echte Familienmenschen.

Dass es zu ihnen ein ganz besonderes Band gibt, führt Torsten Witte, inzwischen Deutsch-Amerikaner, auch auf die Werte zurück, die er in seiner Kindheit mitbekommen hat: „Ich bin sehr dankbar, dass ich in der Dorfstraße in Cuxhaven aufgewachsen bin und es hat mich sehr geprägt und zu der Person gemacht, die ich heute bin.“

Los Angeles fiebert der Verleihung der 74. Golden Globes entgegen: Schauplatz wird am Sonntag, 8. Januar, das Beverly Hilton Hotel im Stadtteil Beverly Hills sein – bei uns ist dann spätnachts.

In Kürze „La La Land“ geht mit Nominierungen in sieben Kategorien ins Rennen – so viele hat kein anderer Film.

Emma Stone und Ryan Gosling sind als beste Hauptdarstellerin/bester Hauptdarsteller Komödie/Musical nominiert.

Weitere Nominierungen gibt es für die Kategorien „Bester Film Komödie/Musical, Beste Regie (Damien Chazelle), Bestes Drehbuch (Damien Chazelle), Beste Filmmusik (Justin Hurwitz), Bester Filmsong („City of Stars“, Justin Hurwitz/Benj Pasek/Justin Paul).

Die Auslandspresse Hollywoods (Hollywood Foreign Press Association) vergibt die begehrten Trophäen für Kinofilme und Fernsehsendungen. Die Golden Globes gelten nach den Oscars als zweitbedeutendste Auszeichnung im Filmgeschäft.

Gleich nach den Golden Globes geht es für „La La Land“ ins Rennen um die Oscars (26. Februar) und gilt als einer der Favoriten auch dort.

Ryan Gosling und Emma Stone spielen in dem Musical einen Jazzpianisten und eine Schauspielerin, die sich bei ihrem anstrengenden Kampf, in ihrem Geschäft in Los Angeles Fuß zu fassen, ineinander verlieben.

Der Film gilt auch als Hommage an Los Angeles, was sich auch im Namen wiederfindet.

Motive der alten Hollywood-Filmmusicals, etwa in der Tradition von Ginger Rogers und Fred Astaire, werden aufgegriffen.

Im Bali-Kino-Center in Cuxhaven wird der Film „La La Land“ zum Bundesstart am 12. Januar noch nicht zu sehen sein. Dort in der Vorschau ist hingegen bereits der Film „The Great Wall“ mit Matt Damon, ein düsteres Fantasy-Spektakel, bei dem Torsten Witte ebenfalls für das Make-up verantwortlich zeichnete.

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