Vor 50 Jahren: "Ondo" strandet auf dem Vogelsand
CUXHAVEN. Der 6. Dezember 1961 ist ein ausgesprochen ungemütlicher Tag an der Elbmündung. Ein Sturmtief mit Orkanböen wütet über der Nordsee, treibt Regenschauer vor sich her. Es ist noch dunkle Nacht, als sich auf Lotsendampfer "Kaptiän Hilgendorf" um kurz vor fünf Uhr drei Mann für ein Versetzmanöver bereit machen: Ein britischer Stückgutfrachter Namens "Ondo" hat um Unterstützung gebeten.
Er ist am gefährlichen Nordrand des Fahrwassers unterwegs. Das kleine Versetzboot wird zu Wasser gelassen, kämpft sich durch die schwere See. Wellentäler, meterhohe Gischt: Nach langen Minuten ist der Frachtdampfer erreicht. Der Lotse will gerade die Strickleiter ergreifen, als eine mächtige Welle das kleine Boot erfasst. Es kentert. Die Männer haben in der aufgewühlten See keine Chance. Eilig werden auf der "Ondo" die Maschinen gestoppt, das Schiff gedreht. Die Vermissten sollen nicht durch die Schiffsschraube gefährdet werden. Ein Fehler: Kurz nach fünf Uhr meldet die "Ondo" Grundberührung: Der Sturm drückt den mit Kakaobohnen beladenen Frachter auf die Sandbank "Großer Vogelsand". Dort liegen die Reste noch heute. Kleine Teile der Ladung, ein Rettungsring, eine Tischdecke, ein Teller, ein Skylight, die Brückenuhr und einige großformatige Fotos zeugen noch heute im Cuxhavener Wrackmuseum von dem Unglück vor 50 Jahren. Zu besichtigen ist die Ausstellung im Erdgeschoss aber erst wieder ab Mitte März 2012. Eilig werden damals Schlepper in Fahrt gesetzt. Alle Bergungsversuche missglücken. Auch das Löschen der Kakaobohnen bringt nicht den erhofften Auftrieb.
Am 11. Dezember bringt der Cuxhavener Rettungskreuzer "Ruhr-Stahl" die letzten Besatzungsmitglieder von Bord der "Ondo", insgesamt waren es 65. "Frachter Ondo ist ein sterbendes Schiff" titelt die Cuxhavener Zeitung am selben Tag in pathetischen Worten.