Vor 75 Jahren sank "Elbe 1"
CUXHAVEN. Ein Orkan mit gewaltigen Wellenbergen und heftigen Schauerböen ließ am 27. Oktober 1936 gegen 14 Uhr das Cuxhavener Feuerschiff "Elbe 1" auf seiner Ankerposition in der Elbmündung kentern. Zehn Minuten später war das Leuchtschiff gesunken. Alle 15 Mann der Besatzung kamen ums Leben. Kein Schiff konnte wegen des außerordentlich schlechten Wetters helfen.
Zum 75. Jahrestag des tragischen Unglücks fährt am Donnerstag ab 13 Uhr unter Regie des Feuerschiff-Vereins von 2001 das Nachfolgeschiff und heutige Museumsschiff "Elbe 1" (Bürgermeister O`swald) zur Untergangsstelle. Auf der Wrackposition wollen Angehörige und Vertreter des Wasser- und Schifffahrtsamtes und anderer maritimer Institutionen der auf See gebliebenen Besatzungsmitglieder gedenken. Auch Repräsentanten der Stadt Cuxhaven werden an der Gedenkfahrt teilnehmen.
Was sich am 27. Oktober vor 75 Jahren in der Elbmündung zutrug, ist Zeitungsberichten und dem späteren Seeamtsspruch zu entnehmen. Die einzigen Augenzeugen waren Besatzungsmitglieder des englischen Dampfers "The President", der damals in der Elbmündung Schutz suchte. Die Engländer gaben später an, dass das Feuerschiff an der Backbordseite von einer gewaltig hohen See getroffen und zur Steuerbordseite umgeworfen worden sei. Etwa zehn Minuten habe das Feuerschiff in dieser Position verharrt, dann sei es gesunken.
Die Cuxhavener Zeitung berichtete anschließend, dass die 15 Besatzungsmitglieder keine Überlebenschance gehabt hätten. Weder der englische Dampfer noch ein anderes Schiff hätte sich zum Havaristen durchkämpfen und Hilfe leisten können. Die Orkanböen im Zusammenspiel mit einer besonders starken Ebbströmung waren der Feuerschiffsbesatzung zum Verhängnis geworden. Die Strömung hatte den Ankerlieger quer zu den Brechern getrieben und so kentern lassen. Wäre die Ankerkette in dieser Lage gebrochen, wäre das Unglück möglicherweise zu verhindern gewesen. Hinterher wurde auch die Frage gestellt, warum die Schiffsführung den Anker nicht eingeholt und die gefahrvolle Position verlassen habe.
Unklar blieb auch in der Seeamtsverhandlung, ob und in welchem Maße halb volle Tanks die Stabilität des Schiffes negativ beeinflusst hätten. Alle Versuche, das 52 Meter lange Feuerschiff zu bergen, scheiterten. Das stürmische Wetter ließ zunächst nicht einmal die Suche nach dem Wrack zu. Nachdem es dann endlich gefunden worden war, kehrte der Sturm zurück, bevor an ein Heben gedacht werden konnte, bis schließlich der Mahlsand sich des Schiffes bemächtigt hatte und es nicht wieder hergab.
Wenn die Cuxhavener am Donnerstag an der damaligen Unglücksstelle Kränze zu Wasser bringen, wird Seemannsdiakon Martin Struwe an die vor 75 Jahren ums Leben gekommenen Feuerschiffsleute erinnern: Friedrich Lösekann, Albert Sawatzki, Ernst Heuck, Johann Feldhusen, Walter Ahlf, Hermann Darr, Carl Debrodt, Joseph Dörr, Gustav Garms, Wilhelm Kröncke, Johann Lau, Claus Mahler, Claus Mink, Paul Krauser und Karl Kühle.
Von Thomas Sassen