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Dorfladen Otersen

Vorbild für viele Gemeinden

19.05.2013 Zuletzt aktualisiert: 20.06.2022 12:44 Uhr

OTERSEN/OSTERBRUCH. Steinau wollte ihn, Osterbruch will ihn und Otersen hat ihn: Seit zwölf Jahren versorgen sich die Bürger der kleinen Gemeinde im Landkreis Verden und ihre Nachbargemeinden mit einem Dorfladen selbst. Trotz einiger verlustreicher Jahre ist der Otersener Dorfladen ein Erfolgsprojekt und weit über die Grenzen Niedersachsens hinaus bekannt.

Doch auch in Otersen war die Zukunft des Ortes noch zur Jahrtausendwende völlig unklar. „Im Frühjahr 2000 gab die Inhaberin des Lebensmittelgeschäfts ihren Laden aus Altersgründen auf“, sagt Günther Lühning, Vorsitzender des wirtschaftlichen Vereins, der Eigentümer und Betreiber des Dorfladens ist. Ein Arbeitskreis hatte sich damals vergeblich um einen Nachfolger bemüht.

„Nach zwei gut besuchten Bürgerversammlungen kam es dann zur Gründung des Vereins“, so Lühning. Rund 60 Haushalte erwarben damals einen oder mehrere Anteilswerte von jeweils 250 Euro, sodass ein Kapital von 51 500 Euro zusammenkam. Jeder Anteil bedeutet eine Stimme. Inzwischen gibt es 138 Mitglieder. Nicht zuletzt darin sieht Lühning das Erfolgsrezept des Ladens. „Durch die gemeinsame Finanzierung haben die Leute eine besondere Bindung und das Gefühl, in ihrem eigenen Laden einzukaufen.“

Neben dem reinen Lebensmittelgeschäft gibt es im Dorfladen ein Café, eine Paketannahmestelle, Lotto und jeden Freitag einen Mittagstisch. „Es hat sich so etabliert, dass Dorfläden zunehmend auch Dienstleister werden“, so Lühning.

In Osterbruch stehen die Einwohner derzeit noch am Anfang der Bemühungen. Die Ausgangslage hier ist ähnlich. Dennoch warnt Lühning: „Dörfer sind nicht vergleichbar. Jedes Dorf hat andere Voraussetzungen“. Ein entscheidendes Argument sei die Nähe zum nächsten Supermarkt. In Otersen ist der nächste große Ort 14 Kilometer entfernt. Die Entfernung von Osterbruch nach Otterndorf beträgt nur vier Kilometer. Ein weiteres wichtiges Merkmal sei die Form des Ortes – handelt es sich um ein geschlossen bebautes Haufendorf wie Otersen oder ein lang gezogenes Straßendorf wie Osterbruch?

„Letztendlich haben die Einwohner es selbst in der Hand“, macht Lühning deutlich. Die Einrichtung eines Dorfladens ist vielerorts gelungen. „Über 200 Bürger-Dorfläden wurden in den vergangenen Jahren gegründet, nur eine Handvoll war nicht erfolgreich.“ Zurzeit weiß Lühning von mindestens fünf weiteren Orten, die einen Laden planen.

von Niklas Rohde

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