Was macht der Wattwurm im Winter?

08.03.2006

Horst Grimm führt Urlauber bei jedem Wind und Wetter durch den Nationalpark Wattenmeer

man. - Eine kleine Schar stapft tiefe Spuren in die weiß-braune Pracht. Die Schultern in den bunten Jacken sind fröstelnd hochgezogen, jedes Stück Haut gegen die beißende Kälte verhüllt so gut es geht. Doch auch beim Winterwandern zeigt das Wattenmeer seine Wunder. Drei Menschen wollen sie sehen und folgen Horst Grimm hinaus an den Priel. Zwei Lehrerinnen aus Bayern sind darunter. Das Knirschen des eisig harten Bodens unter ihren Schuhsohlen wandelt sich erst nach einer Weile zu dem typisch patschenden Geräusch, das entsteht, wenn Wattwanderer mit ihrem Gewicht den Boden unter ihren Füßen verdrängen. "Dann wollen wir mal", sagt Wattführer Horst Grimm. Schnellen Schrittes bewegt sich die kleine Gruppe auf die Pricken zu. Dass sie nicht das richtige Schuhwerk dabei haben, bekommen Sonja Kastl und Christa Henn schon nach wenigen Minuten zu spüren. "Mich friert?s an den Füßen", murmelt Christa Henn. Doch aufgeben will sie nicht. Bis zum Priel werden die Urlauberinnen laufen, dann geht's zurück nach Duhnen - ins warme "ahoi!"-Bad. Doch zunächst lauschen sie den Worten von Horst Grimm, der Durchhalteparolen durchgibt: "Sie haben nasse Füße? Das macht nichts. Das regt den Kreislauf an." Seit seiner Pensionierung wandert der ehemalige Kripo-Beamte nahezu täglich durchs Watt - auch ohne Gruppen. Ob?s stürmt, regnet oder schneit, das Wetter spielt dabei keine Rolle. "Außer bei Gewitter, da ist es zu gefährlich." Dass seine Gäste wieder sicher zum Strand zurückkommen, das ist seit acht Jahren das Wichtigste für ihn. Und natürlich soll die Zeit im Watt kein dröger Unterricht sein, sondern Spaß machen: "Immer wenn Sie ins Watt gehen, sollten Sie vorher gut frühstücken - damit Sie in Duhnen vom Radargerät erkannt werden", witzelt er jetzt. Seine Begeisterung steckt an. "Ich habe das Watt vorher nicht gekannt", meint Sonja Kastl, "aber hier erfährt man eine Menge." Solche Besucher sind Horst Grimm die liebsten. Leute, die so wie er einfach die Natur mögen und auch genießen können. "Wattwanderungen im Winter haben ihren besonderen Reiz", sagt Grimm. Dann sei das Wattenmeer noch viel ruhiger als sonst. "Und was macht der Wattwurm im Winter?", will Christa Henn wissen. Horst Grimm lacht. "Der Wattwurm ist natürlich auch im Winter aktiv und gräbt seine Gänge durch den Schlick", erklärt Grimm. "Und wenn's ihm zu kalt wird, flieht er vor dem Frost in die Tiefe und buddelt sich ein."

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