Watt erleben

Wattwagenfahrt nach Neuwerk ist ein Abenteuer

03.08.2016

SAHLENBURG. Die Karawane setzt sich jeden Tag von Sahlenburg nach Neuwerk in Bewegung - und umgekehrt. Zehn Kilometer sind im Wattwagen zu bewältigen. Von Maren Reese-Winne  

„Lassen Sie die Decken mal nicht auf den Boden kommen, sonst werden die nass, wenn nachher das Wasser durch den Wagen schwappt“, sagt Wattwagenfahrer Theo und meine (einzig logische, denke ich) Reaktion ist: „Ha, ha.“ Will er wohl den Kurgästen ein bisschen Angst einjagen. Da ahne ich noch nicht, dass wir alle kurz darauf unsere Füße auf die Sitzbänke hieven werden...

Vorsichtshalber mal alles dabei haben

Unseren Ausflug haben wir dummerweise für die Zeit vor dem Sommereinbruch geplant, also wird – einer guten Regel von der Küste folgend – alles eingepackt, was vorhanden und denkbar ist: Softshelljacke, Fleecejacke, Mütze, Stulpen... Haben wir am Ende auch alles an.

Gute Dienste leistet außerdem die Plane über unseren Beinen. Wir holpern von Sahlenburg aus ins Watt. „Fräulein Meier“ und das andere Pferd (wie hieß es noch?) tun fleißig ihre Arbeit. Der Blick zurück zeigt das Wattenmeer-Besucherzentrum als neuen Bestandteil der Silhouette. Unverkennbar auch der große Abschnitt der Duhner Heide zwischen den Hochhäusern in Sahlenburg und Duhnen. Dann das Kommando zum Anhalten: Der erste Priel ist noch zu voll. Die Formation wartet. Vor uns: Eine einzige Wasserfläche, am Horizont Neuwerk. Wenn hier nicht die Durchfahrt befestigt worden wäre, wäre hier wohl kein Durchkommen mehr, erzählt der Fahrer. Den groben Schotter und die kleinen Spundwände werden wir erst auf der Rückfahrt sehen.

Herausforderung an den Prielen

Vorerst geht es zu Wasser. Ganz schön tief, aber die wirkliche Herausforderung wartet erst am zweiten Priel. Da sind dann auch die Wattwagen aus Duhnen zu uns gestoßen. Tief müssen die Pferde ins Wasser, das jetzt tatsächlich durch den Wagen fließt. Für die Reiter, die hinter uns kommen, ein Extra-Abenteuer: Ihre Ponys müssen zum Teil schwimmend durch den Priel, ein ganz eigentümliches Gefühl, wie sie erzählen.

Danach ist der Weg nach Neuwerk nur noch ein Klacks. Wir winken – Queen-gleich – von der Kutsche herunter den uns von Neuwerk aus entgegenkommenden Wattwagen zu und bedauern die Wattwanderer, die schon sehr hartgesotten sein müssen, um den Weg durch die Priele bei dem Wetter auch noch schön zu finden. Nach der knapp einstündigen Stippvisite auf dem Hof Fock geht es kurz durch die „City“ – vorbei an Dorfladen, Turm und Turmschenke – und schon rappelt der Wagen zurück ins Watt, das nun deutlich anders aussieht. Jetzt sind Priele und Muschelbänke zu erkennen.

Meeresboden zeigt sich

Anhand der Holzpflöcke an den Prielen können wir erkennen, wie hoch das Wasser dort vorhin noch gestanden hat. Freuen sich die Pferde, dass es nach Hause geht? Meine pferdekundigen Freundinnen sagen Ja. Auf dem Hof stehen schon die Helfer bereit: Wagen abspritzen, Pferde ausspannen, alles geht Hand in Hand. Die Kinder in der Reihe vor uns werden heute sicherlich gut schlafen: Frische Meeresluft kann man nicht intensiver tanken...

Infos rund um die Wattwagenfahrten

Die zehn bis zwölf (ab Duhnen) Kilometer lange Fahrt über den Meeresboden zu einer Insel sucht weltweit wahrscheinlich ihresgleichen.

Die Route der Wattwagen orientiert sich ebenso wie jene für Wattwanderer entlang der Prickenwege.

Eineinviertel bis anderthalb Stunden dauert die einfache Wattwagen-Fahrt. Zurück geht es innerhalb derselben Tide. Auf Neuwerk reicht die kurze Pause für einen schnellen Kaffee oder für Unerschrockene für einen Eiergrog.

Eine Etappe kann auch mit dem Schiff „Flipper“ zurückgelegt werden.

Mit 30 Euro pro Person ist man für die Wattwagen-Hin- und Rückfahrt dabei.

Unbedingt an Wind-, Regen- und Sonnenschutz denken.

Der Wattwagen wird per Leiter erklommen.

Legendär und einzigartig ist der „Wattwagen-TÜV“: Eine Prüfungskommission nimmt alle Fahrzeuge, Ausstattung und Pferde unter die Lupe. Die Fahrer benötigen spezielle Führerscheine.

Genau geregelt ist, wie viele Personen auf einer Bank sitzen dürfen (drei Erwachsene; vier Personen, wenn Kinder bis zu bestimmten Altersgrenzen dabei sind) und wie schwer die Gesamtlast sein darf (maximal das zweifache Gewicht der angespannten Pferde).

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