Gedenktafeln im Netz finden:

Web-Stolpersteine gegen das Vergessen

13.10.2015

KREIS CUXHAVEN. Mehr als 50 000 Stolpersteine hat der Künstler Gunter Demnig schon verlegt – fast überall in Europa erinnern die kleinen Messingplatten an das Schicksal von Menschen, die im Nationalsozialismus verfolgt wurden und ums Leben kamen. Auch im Cuxland liegen etliche Stolpersteine. Aber wo genau? Das Internet hilft weiter.

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, sagt der Künstler Gunter Demnig (www.stolpersteine.eu). Seit 1995 erinnert er an die Opfer des Nationalsozialismus, indem er kleine Gedenktafeln aus Messing vor ihrem letzten Wohnort in den Boden einlässt. „Hier wohnte...“, steht auf den zehn mal zehn Zentimeter großen Tafeln, dann Name und Geburtsdatum des Opfers und Informationen zu Deportation und Ermordung. „Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten“, ist der Kölner Künstler überzeugt. Damit hat Demnig das weltweit größte dezentrale Mahnmal für die Opfer des Dritten Reichs geschaffen.

Damit noch mehr Menschen von den Schicksalen der ermordeten Juden, Sinti und Roma, Homosexuellen und anderen Verfolgten des Nazi-Regimes erfahren, hat die Hamburger Werbeagentur Jung von Matt auf Grundlage von Google-Maps und Google Streetview einen Großteil der bislang verlegten Stolpersteine in einer digitalen Karte erfasst. So „stolpern“ Jugendliche und junge Erwachsene dort, wo sie einen Großteil ihres Alltags verbringen – online.

Stolpersteine in Cuxhaven fehlen noch

Unter der Internet-Adresse www.stolpersteine-online.com finden sich zahlreiche Stolpersteine in Hamburg, Bremen, Bremerhaven und vielen anderen Städten Deutschlands. Vollständig ist die Karte aber noch lange nicht. Auch die Messingplatten, die Demnig in Cuxhaven und Umgebung verlegt hat, fehlen noch. Allerdings kann jeder Web-Nutzer mithelfen, das Projekt voranzutreiben, indem er weitere Stolpersteine meldet.

Wer Informationen über die in der Stadt Cuxhaven verlegten Stolpersteine sucht, ist derzeit am besten bei Wikipedia aufgehoben. Unter https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_ in_Cuxhaven sind die 22 Gedenksteine komplett aufgelistet – mit den Namen der Opfer, den Standorten, Verlegedaten und Inschriften. Dort wird unter anderem an Oskar Dankner erinnert. Er war einer der ersten Juden in Cuxhaven, der den antisemitischen Terror des Hitlerregimes am eigenen Leibe zu spüren bekam. Eine gegen ihn gerichtete Hetzkampagne gipfelte am 27. Juli 1933 in einer öffentlichen Anprangerung, bei der Dankner zusammen mit seiner angeblichen „Mätresse“ Adele Edelmann, einer Nichtjüdin, mit einem Schild um den Hals durch die Straßen der Stadt getrieben wurde.

Das Stadtportal Cuxpedia hält nähere Informationen zu Dankner und weiteren Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft bereit (www.cuxpedia.de/ index.php/Stolperstein).

Fotos und einen kurzen Bericht von der Stolperstein-Verlegung in Ihlienworth im Juli 2014 in Gedenken an den ermordeten Gastwirt Georg Arp gibt es unter der Web-Adresse www.ihlienworth.de/ortsgeschehen/875-jahre-ihlienworth/stolperstein.

Von Jens-Christian Mangels

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