Die Ausgleichsmaßnahme auf der Elbinsel Schwarztonnensand während der Bauarbeiten im Mai dieses Jahres. Foto: WSV
Die Ausgleichsmaßnahme auf der Elbinsel Schwarztonnensand während der Bauarbeiten im Mai dieses Jahres. Foto: WSV
Auf Elbinsel

Wegen Bauarbeiten für Elbvertiefung: Eingriffe werden ausgeglichen

25.12.2020

KREIS CUXHAVEN. Die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung berichtet über Kompensationsmaßnahmen auf der Elbinsel Schwarztonnensand für Elbvertiefung.

Die Arbeiten zur Fahrrinnenanpassung der Unter- und Außenelbe gehen voran. Es geht dabei nicht nur um die Vertiefung und Verbreiterung der Fahrrinne für moderne Containerschiffe, sondern auch um die Durchführung der angeordneten Ausgleichsmaßnahmen für Natur und Umwelt. Auf dem Gebiet der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes werden eine Reihe von Maßnahmen durchgeführt.

Dr. Claudia Thormählen, Projektleiterin im Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Hamburg: "Natürlich ist die Fahrrinnenanpassung auch ein Eingriff in die Natur. Wir setzen aber alles daran, diesen Eingriff durch Maßnahmen für die Natur zu kompensieren und sind dabei gut im Zeitplan." Die Planfeststellungsbehörden haben dazu ihren "5. Bericht (2020) zur Sicherung der Kohärenz des Netzes Natura 2000 im Zusammenhang mit der Fahrrinnenanpassung von Unter- und Außenelbe" an die EU-Kommission abgegeben.

Uferschlenze angelegt

Im Bericht geht es zum einen um die aquatische Kompensationsmaßnahme "Schwarztonnensander Nebenelbe", bei der eine durchgängige Strömungsrinne hergestellt wurde. Damit werden bisher trockenfallende Gebiete wieder während des gesamten Tidezyklus überflutet. Die entstehenden hochwertigen Flachwasserbereiche werten das Biotop insgesamt auf. Zusätzlich wurde eine drei Fußballfelder große Uferschlenze angelegt. Zum anderen fanden umfangreiche Bauarbeiten auf der Insel Schwarztonnensand, im Gebiet Allwördener Außendeich-Mitte und -Süd und an der Stör statt, mit denen der Tide-Auwald gestärkt wird und gute Lebensbedingungen für Röhrichte und feuchte Hochstaudenfluren geschaffen werden, die wichtig für unterschiedliche Insekten und Vögel sind.

Prielsysteme, Tidetümpel sowie aufgeweitete Grüppen wurden neu gestaltet und erhöhen den Tideeinfluss. "Der Tisch ist gedeckt" für die ungestörte Naturentwicklung: Pflanzen, Vögel und Fische werden die Nutznießer der neuen tidebeeinflussten Flächen sein.

Naturschutzgebiet aufwerten

In der Schwarztonnensander Nebenelbe wurde eine durchgängige Strömungsrinne hergestellt. Damit werden bisher trockenfallende Gebiete wieder während des gesamten Tidezyklus überflutet. Die entstehenden hochwertigen Flachwasserbereiche werten das Biotyp insgesamt auf. In Niedersachsen gestalteten beauftragte Baufirmen am südlichen Ufer der Schwarztonnensander Nebenelbe eine Bucht mit Anschluss an den Flachwasserbereich der Nebenelbe. Sie ist etwa 19.000 Quadratmeter groß. Diese Uferschlenze ist so gestaltet, dass sie dauerhaft unter Tideeinfluss steht und nie gänzlich trocken fällt. So entsteht ein neuer Lebensraum insbesondere für Kleinorganismen im Wasser und für Fische. Den entnommenen Boden (gut 50.000 Kubikmeter) nutzte der Deichverband Kehdingen-Oste für die Deichverstärkung in seinem Zuständigkeitsbereich.

Auch auf der Insel Schwarztonnensand fanden umfangreiche Arbeiten statt, um das Naturschutzgebiet aufzuwerten. So wurden durch ein verändertes Geländerelief der Tide-Auwald gestärkt und gute Lebensbedingungen für Röhrichte und feuchte Hochstaudenfluren geschaffen, die wichtig für unterschiedliche Insekten und Vögel sind. Eine zehn Hektar große Uferfläche wurde als Offenbodenbereich gestaltet. Unter Offenboden versteht man nicht oder nur spärlich bewachsenen Boden. Durch Fräsen der Fläche wird der Boden in diesem Zustand gehalten. Diese Sandfläche ist ideal für Offenlandbrüter wie Kiebitz, Austernfischer, Regenpfeifer und Seeschwalben. Die gebaggerten Böden aus den Mulden und dem Offenbodenbereich wurden genutzt, um eine Dünenlandschaft zu schaffen. Die Dünen sollen sich langfristig zu Graudünen entwickeln.

Vernässung in Kehdingen

Die Bauarbeiten in den zwei Gebieten Allwördener Außendeich-Mitte und -Süd wurden bis Mitte November weitestgehend abgeschlossen. Restarbeiten erfolgen im nächsten Jahr. Die neu geschaffenen Prielsysteme und Tidetümpel sowie die aufgeweiteten Grüppen erhöhen den Tideeinfluss auf den Flächen. Die Erfolgskontrolle beginnt ein Jahr nach Bauabnahme. In Allwörden ist für März 2022 die Aufnahme der Vernässung und die Revierkartierung von Wasservögeln (Avifauna) geplant. Im Mai und von Juli bis September 2022 wird die Vegetationsentwicklung überprüft und in den kommenden Jahren folgen weitere Untersuchungen (zu Fischfauna, Brut- und Schlupferfolg von Wiesenvögeln).

Auch in den sechs Maßnahmengebieten in Schleswig-Holstein an der Stör sind die baulichen Maßnahmen abgeschlossen - bis auf einige Restarbeiten auf der Fläche Siethfeld im nächsten Jahr. Alle Flächen erhielten einen besseren Tidezufluss, sodass in den Gebieten häufiger Wasser steht. In Bahrenfleth, Hodorf und Neuenkirchen entstanden durch Ufergestaltung Bereiche, in denen der bedrohte Schierlings-Wasserfenchel wachsen kann. Er wurde in Bahrenfleth bereits angepflanzt, 2021 geschieht dies auch in Hodorf und Neuenkirchen.

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