Die Fangquote für Scholle sinkt um zehn Prozent. Nahezu unverändert bleiben die Fangmengen für deutsche Fischer bei Schellfisch, arktischem Kabeljau und Schwarzen Heilbutt. Foto: Charisius/dpa
Die Fangquote für Scholle sinkt um zehn Prozent. Nahezu unverändert bleiben die Fangmengen für deutsche Fischer bei Schellfisch, arktischem Kabeljau und Schwarzen Heilbutt. Foto: Charisius/dpa
Fangquoten festgelegt

Weniger Seelachs für Cuxhavener Fischer: Preise werden steigen

von Redaktion | 07.01.2022

KREIS CUXHAVEN/BREMERHAVEN. Seelachs, Kabeljau und Scholle zählen zu den beliebtesten Speisefischen. Allerdings geht deren Bestand zurück. Um gegenzusteuern, legte die Europäische Union (EU) jetzt niedrigere Fangquoten fest. Das wirkt sich auch auf die Preise aus. 

Von Jürgen Rabbel

Wie sich das genau auf das Portemonnaie der Verbraucher in der Region auswirken wird, darüber lässt sich nur spekulieren, sagen Branchenkenner. Stabil bleiben werde 2022 aber sicherlich der Preis für Hering. Die Fangquote dafür wurde nämlich angehoben. 

Keine gemeinsame Regelung mit England

Die EU-Staaten legen Jahr für Jahr die zulässigen Gesamtfangmengen für bestimmte Gewässer fest. Auf dieser Basis entfallen auf die einzelnen Länder durch festgeschriebene Verteilungsschlüssel die jeweiligen nationalen Fangmengen. Grundlage der Verhandlungen ist eine Vorlage der EU-Kommission, die in erster Linie auf wissenschaftlichen Empfehlungen beruht. Eine Einigung zu Fangmengen für gemeinsam von Großbritannien und der EU genutzten Beständen sei leider immer noch nicht geregelt, erklärt Dr. Uwe Richter, Chef der Fischreederei Doggerbank in Bremerhaven und Vorsitzender des Deutschen Hochseefischerei-Verbands. 

Markentwicklung nicht absehbar

"Eigentlich hätte ein Ergebnis bis zum 20. Dezember vorliegen sollen." Nur für das erste Quartal 2022 gesichert sei im Moment die Quote für den arktischen Kabeljau, so Richter. Dafür hätten sich aber Norwegen und die Färöer selbst einen fetten Quotenzuschlag bei der Kabeljau-Sorte Skrei gegönnt. Wie sich der Markt in diesem Jahr entwickele, könne im Moment nicht eingeschätzt werden: "Nach dem 31. März wissen wir sicherlich mehr." 

Weniger Seelachs für deutsche Fischer

Deutsche Fischer dürfen zwar ab Januar mehr Hering (+ 22 Prozent) fangen, dafür aber 25 Prozent weniger Seelachs, dem sogenannten Brotfisch. "Dabei haben wir schon im Jahr 2021 ein Viertel eingebüßt", sagt Kai-Arne Schmidt, Chef der Cuxhavener Kutterfisch-Zentrale sowie Geschäftsführer Deutsche See. Die Preise bei Hering würden trotz der höheren Fangquote sicherlich nicht fallen, eine Preissteigerung für den als Matjes und Dosenfisch beliebten Hering sieht er aber auch nicht. Bei den Grundfisch-Arten wie Kabeljau, Seelachs, Schellfisch und Scholle sei das sicherlich anders. Bei einer Quotenreduzierung um 25 Prozent sei eine Preissteigerung von im Schnitt 10 bis 15 Prozent durchaus realistisch, schätzt Schmidt. 

Verbraucher fragen nach Fanggebieten

"Gestiegene Preise haben die Verbraucher im Jahr 2021 nicht vom Fischverzehr abgehalten", so Schmidt weiter. Im Gegenteil. "Während der Pandemie ist das Interesse an dem gesunden Lebensmittel gestiegen." Aber: "Die Verbraucher fragen verstärkt nach, wo der Fisch gefangen wurde."

Festgestellt hat Schmidt auch, dass es mit Blick auf dieses Jahr Preisanfragen von Großkunden gibt. "Sie bieten bereits jetzt schon höhere Preise." Die Unternehmen versuchen, sich den Fisch zu sichern." 

Keine Gefahr für verarbeitende Betriebe

Für die Betriebe, die in Cuxhaven und Bremerhaven Frischfisch verarbeiten, werde die Produktion durch die gesunkenen Fangquoten sicherlich nicht gefährdet, ist Schmidt überzeugt. Geben werde es ausreichend Fisch. Nur zu welchem Preis. Diese Frage sei offen. "Und da spielt natürlich auch die Nachfrage auf dem europäischen Markt eine Rolle."

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