Rund um die große Scheune hätte am kommenden Sonntag ein Markt unter dem Titel "Gartenlust" stattfinden sollen. Er entfällt genauso wie die geplante Veranstaltung am Pfingstwochenende. Foto: Schult
Rund um die große Scheune hätte am kommenden Sonntag ein Markt unter dem Titel "Gartenlust" stattfinden sollen. Er entfällt genauso wie die geplante Veranstaltung am Pfingstwochenende. Foto: Schult
Zwangspause

Wie geht es zukünftig weiter auf dem Gut Taubenhof in Cadenberge?

27.04.2020

CADENBERGE. Die Sonne lacht, ein Storchenpaar hat sein Nest auf dem reetgedeckten Dach der großen Scheune bezogen und der gepflegte Garten lädt zum Verweilen ein. Doch außer den beiden Besitzern Pascale Capbarat und Carsten Eickhof ist weit und breit niemand zu sehen.

"Uns fehlen die Gäste schon sehr", sagt Pascale Capbarat mit ihrem französischen Akzent. "Nur meine Mutter bewohnt zurzeit das Gästehaus. Ansonsten ist hier alles auf Null gefahren", sagt sie. Corona hat auch einen der idyllischsten Orte im Landkreis Cuxhaven voll im Würgegriff - den Taubenhof Gut Cadenberge. "Wir wollten nach der Winterpause im März gerade wieder mit unserem Kinoprogramm durchstarten, da kam die Anordnung zur Zwangspause", ergänzt ihr Mann Carsten Eickhof.

Anwesen wachgeküsst

Vor etwa elf Jahren hat das Ehepaar das ehemalige Gut aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Mit großem Elan, noch mehr Arbeit und ganz viel Liebe zum Detail haben sie die Gebäude und das Außengelände besuchsfein gemacht. "Hier gibt es keinen Reparaturstau. Alle Anlagen sind in einem baulich guten Zustand. Denn eigentlich wollten wir das Ensemble aus Altersgründen schon im vergangenen Jahr verkaufen", sagt Carsten Eickhof, der die 70 bereits überschritten hat. "Aber daraus wurde nichts", fügt seine Frau hinzu. Interessenten habe es zwar einige gegeben. Aber als die gemerkt haben, wie viel Arbeit hier drinsteckt, haben sie alle einen Rückzieher gemacht. "Wir werden das fast 7000 Quadratmeter große Grundstück und das Haus in diesem Sommer erneut anbieten. Vielleicht haben wir dann mehr Erfolg", hofft Pascale Capbarat.

Erhebliche Fixkosten

Bis dahin müssen sie allerdings erst mal die Corona-Zwangspause überstehen. "Wir haben den Betrieb komplett heruntergefahren und in eine Art Winterschlaf versetzt. Auch unsere Mitarbeiter haben wir nach Hause geschickt. Trotzdem drücken uns jeden Monat Fixkosten in Höhe von fast 2000 Euro für Versicherungen, Strom, Heizung und Steuern." Aus dem staatlichen Förderprogramm haben die beiden einen nicht rückzahlbaren Zuschuss in Höhe von 9000 Euro bekommen, erzählen sie. "Damit kommen wir bis zum August über die Runden, was den Betrieb anbelangt. Was wir privat zum Leben brauchen, nehmen wir aus unseren Rücklagen", erläutert Carsten Eickhof die Situation. Er rechnet nicht damit, dass es vor August weitergeht. Auch dann werden die Gäste nicht gleich in Scharen kommen, vermutet er. "Die Menschen müssen ja erst mal wieder ein gutes Bauchgefühl haben, um zu uns ins Café oder ins Hotel zu kommen." Auch um die vielen Künstler, die in den vergangenen Jahren dazu beigetragen haben, dass der Taubenhof zu einem kulturellen Aushängeschild in der Region geworden ist, macht sich Eickhof Sorgen. "Bei meinen Gesprächen habe ich festgestellt, dass viele gar nicht wissen, welche Fördermöglichkeiten sie jetzt beantragen können. So gibt es etwa von der Sparkassenstiftung eine Soforthilfe von 2000 Euro für freischaffende Künstler."

Als nächste Handwerksmärkte auf dem Gutshof sind "Sommerprinz" am 29./30. August und "Herbstkönig" am 7./8. November geplant. Bis dahin verbringen Pascale Capbarat und Carsten Eickhof die Zeit mit Aufräumen und Pflegearbeiten. "Hier gibt es immer etwas zu tun. Da wird uns ganz sicher nicht langweilig und Ideen haben wir noch genug."

Von Thomas Schult

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