Das Aktionsbündnis für verantwortungsvollen AKW-Rückbau aus dem Kreis Cuxhaven bleibt am Ball und protestiert gegen die Einleitung von radioaktiv kontaminiertem Abwasser in die Elbe beim stillgelegten Atomkraftwerk Brokdorf. Foto: Charisius/dpa
Das Aktionsbündnis für verantwortungsvollen AKW-Rückbau aus dem Kreis Cuxhaven bleibt am Ball und protestiert gegen die Einleitung von radioaktiv kontaminiertem Abwasser in die Elbe beim stillgelegten Atomkraftwerk Brokdorf. Foto: Charisius/dpa
AKW-Rückbau

Juristischer Dreh: So wird radioaktives Abwasser in die Elbe reingewaschen

von Wiebke Kramp | 13.05.2022

BROKDORF / KREIS CUXHAVEN. Das Aktionsbündnis für verantwortungsvollen AKW-Rückbau aus dem Kreis Cuxhaven bleibt empört.

Mehr noch: "Unfassbar" finden die Verantwortlichen, dass das Preußen Elektra Abwasser-Entsorgung in die Elbe einen juristischen Dreh anwende. So würde radioaktives Primärkreislauf-Wasser zum normalen Abwasser erklärt und eifach in den Fluss geleitet.

Das Problem taucht auf im Zuge des Rückbaus des Atomkraftwerkes Brokdorf. Auch der Samtgemeinderat Land Hadeln hat vor wenigen Tagen in einer Resolution seinen Unmut über die kontaminierten Abwässer erklärt, im Stadtrat Otterndorf steht diese Entscheidung demnächst auf der Agenda. Und das hiesige Aktionsbündnis bleibt am Ball, um die gesundheitsschädlichen Einleitungen zu verhindern. Maria C. Jarowoy und Dr. Silke Eulenstein als Vorstände der Energiegenossenschaft Otterndorf, Elke Roskosch-Buntemeyer als Vorstand im Grünen-Kreisverband Cuxhaven und Dr. Gisela Penteker vom Verein IPPNW (Internationale Ärzte gegen Atomkrieg und in sozialer Verantwortung) haben einen weiteren offenen Brief mit Kritik und Forderungskatalog verfasst.

Brief ans Kieler Umweltministerium

Adressat ist der Schleswig-Holsteiner Umweltminister Jan-Philipp Albrecht (Grüne). Bereits Ende März hat das hiesige Aktionsbündnis einen offenen Brief an den Umweltminister und die zuständige Landes-Umweltbehörde geschickt. Thema war die bevorstehende Genehmigung für das Unternehmen Preußen Elektra, borhaltige Abwässer in die Elbe einzuleiten.

Eilantrag wurde genehmigt

Aber ohne Wirkung: Inzwischen sei der Eilantrag trotz der eingereichter Widersprüche genehmigt worden. "Leider haben wir keine Antwort auf den offenen Brief bekommen, stattdessen hat der Umweltminister im Fernsehen konstatiert, dass Bor für die Elbe nicht gefährlich sei", teilt das Aktionsbündnis mit. Das sieht das Bündnis, in dem auch Wissenschaftlerinnen mitarbeiten ganz anders. Es geht von gesundheitlichen Gefahren für Lebewesen und weiteren Schädigungen der Umwelt aus. Die Frauen aus dem Kreis Cuxhaven erneuern ihre Kritik: Das borhaltige "Abwasser" stamme aus dem Primärkreislauf des Atomkraftwerkes und sei somit stark belastet. Preußen Elektra selbst habe die radioaktive Kontamination in seinem Eilantrag an die Wasserbehörde sogar schriftlich festgehalten.

Sobald jedoch dieses Gemisch aus dem Herstellungsprozess genommen und dieses Wasser einem Gewässer zugeführt werde, handele es sich auf einmal rechtlich gesehen um Abwasser. Aufgrund der Genehmigung zum Sofortvollzug befürchtet das Aktionsbündnis, dass Preußen Elektra die Nuklide und assoziierten Boranteile, die sich im Primärkühlkreislauf und Kompaktlager befänden, größtenteils in Kürze in die Elbe einleite.

Forderungskatalog des Aktionsbündnisses

Das Aktionsbündnis verweist auf ein Einlenken eines anderen Energie-Unternehmens in gleicher Angelegenheit beim Atomkraftwerk Brunsbüttel: "Von Vattenfall konnten wir 2020 ein Entgegenkommen erwirken, nicht auf den 30 Jahre alten Grenzwertrichtlinien zu beharren, Preußen Elektra bleibt stur", lauten die neuerliche Kritik und Sorgen. Es sei ein großer Irrtum, wenn der Umweltminister das Bor als ungefährlich einstuft und den Zusammenhang mit den radioaktiv kontaminierten Abwässern unter den Tisch fallen lasse.

Daher hat das Aktionsbündnis für verantwortungsvollen AKW-Rückbau einen Forderungskatalog an das Umweltministerium in Schleswig-Holstein erneuert: Gefordert wird die Aussetzung der Einleitung borhaltiger radioaktiver Abwässer mit sofortigem Vollzug, die Anweisung an die Wasserbehörde, den Genehmigungsbescheid entsprechend dem Minimierungsgebot im Strahlenschutz zu überarbeiten, um eine mögliche Beeinträchtigung von Menschen und Umwelt auszuschließen.

Zudem müsse das Unternehmen Preussen Elektra verpflichtet werden, den aktuell besten Stand der Filtertechnik zu nutzen, anstatt die Elbe weiterhin durch kontaminiertes Abwasser zu belasten.

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Wiebke Kramp

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

wkramp@no-spamcuxonline.de

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