Stolz und mit vielen Erinnerungen strecken Mutter und Tochter den Gedenkteller in die Kamera. Darauf zu sehen: Das Ehepaar Walter und Karla Knobloch vor ihrer damaligen Fischbude in Duhnen. "Den Teller haben wir zur Silberhochzeit geschenkt bekommen", erinnert sich die fröhliche Dame. Foto: Anders
Stolz und mit vielen Erinnerungen strecken Mutter und Tochter den Gedenkteller in die Kamera. Darauf zu sehen: Das Ehepaar Walter und Karla Knobloch vor ihrer damaligen Fischbude in Duhnen. "Den Teller haben wir zur Silberhochzeit geschenkt bekommen", erinnert sich die fröhliche Dame. Foto: Anders
Familienangelegenheit

Wie sich diese Cuxhavener Familie mit Fischbrötchen ein Imperium aufbaute

04.09.2021

CUXHAVEN. Fischbrötchen: Der leckere Snack schmeckt nicht nur gut, es füllt auch ganze Leben. Etwa das der Familie Knobloch aus Cuxhaven.

Die Kuckucksuhr tickt im Hintergrund. An den Wänden hängen Bilder der großen Familie. Von Familienfesten, Abschlussfeiern und den vielen Fischbuden, die Familie Knobloch in all den Jahren im Fischbrötchengeschäft schon betrieben hat. "Ich habe schon mit elf oder zwölf Jahren hinter der Theke gestanden und geholfen", erinnert sich Ilka Knobloch. "Unser Vater hat uns damals schon etwas ‘verwöhnt', weil wir ja schon immer Geld verdient haben." Mit ‘wir' sind auch ihre drei anderen Geschwister gemeint. Ihre beiden älteren Schwestern und der große Bruder.

Fährhafen, Steubenhöft, Döse und Duhnen

Los ging alles, als ihr inzwischen leider verstorbener Vater, Walter Knobloch, im Jahr 1967 die erste Bude an der "Alten Liebe" eröffnet. Es folgen Stände am Fährhafen, in Döse, Duhnen, am Steubenhöft und später an der Klappbrücke - weil sie die Bude an der "Alten Liebe" wegen Bauarbeiten und neuer Auflagen schließen müssen. "Am Anfang ist mein Vater mit seiner Fischbude klingelnd unterwegs gewesen", erinnert sich Tochter Ilka. Zwei Mal in der Woche habe er zum Anfang des Familienbetriebs als Marktschreier auf sich aufmerksam gemacht. "Dann haben wir angefangen zu fragen und zu fragen und Gespräche zu führen. So kam das ganze ins Rollen", fasst die 50-Jährige ihre Knoblochsche Buden-Geschichte zusammen.

Ferien hinter der Fischtheke

Dass sie die weiterführt, war schnell klar, auch wenn es zur Ausbildung erst einmal in andere Gefilde ging. Die Lehre zur Bäckereifachverkäuferin führt das Nesthäkchen der Familie nach der Schule in die Bäckerei Böhn. Die liefert damals auch die Brötchen für die familiären Fischbuden. Anschließend geht es dann aber doch wieder hinter die heimische Theke. "Das habe ich ja früher schon immer in den Ferien gemacht. Es gab halt immer ganz gut zu tun."

Erster Urlaub während Corona

Geändert hat sich das bis heute nicht. Selbst die Corona-Krise steckt die Familie gut weg. "Plötzlich hatten wir Urlaub, das war ganz ungewohnt", lacht Ilka gemeinsam mit Mutter Karla. Fahrradtouren durch die Umgebung hätten sie unternommen und die Zeit gemeinsam genossen. Nur die vorbestellte Ware sorgte für traurige Mienen. "So viel Fisch habe ich noch nie wegschmeißen müssen", bedauert die sonst so fröhliche Frau, die den Betrieb inzwischen leitet. Auch ihr Bruder Stefan ist der Familien-Theke treu geblieben, hinter der inzwischen auch Pommes und allerlei andere Leckereien angeboten werden. Was ihr Erfolgsrezept sei? "Ich denke, das Preis-Leistungs-Verhältnis ist schon sehr wichtig. Und die Brötchen, die müssen gut sein." 

"Remoulade braucht es nicht"

Natürlich könne man die auch tiefgekühlt kaufen, das würden sie jedoch nicht machen. "Tomate, Gurke, Zwiebeln, Butter, das gibt es bei uns nicht. Nur das Brötchen und der Fisch, ohne ‘Tschi Tschi'." Auch wenn sie Remoulade natürlich bereit halten, für alle Fälle - jedoch nur mit zugedrückten Augen. "Wenn der Fisch nicht schmeckt, dann musst du viel Remoulade nehmen", scherzt die Frau mit den starken Armen und dem breiten Lächeln.

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