Dobrock-Turnier

"Wieder oben mitmischen"

16.08.2013

WINGST. Björn Nagel ist mit seinen erst 35 Jahren einer der erfolgreichsten Reiter, die je auf dem Dobrock gestartet sind. Zweimal hat er den Großen Preis gewonnen, nur sein Vater Tjark war mit drei Siegen erfolgreicher. Einige Jahre ist es nun schon her, dass Björn Nagel zuletzt beim Turnier geritten ist. An diesem Wochenende will er wieder angreifen.

„Es ist als wenn die Zeit stehen geblieben wäre. Hier ist es wie immer. Auch die meisten Gesichter erkennt man wieder. Das macht das Flair aus“, sagt der 35-Jährige. „Ich habe viele gute Erinnerungen an das Dobrock-Turnier. Hier herrscht ein gutes Miteinander in der großen Pferdefamilie.“

Björn Nagel ist gewissermaßen heimgekehrt, obwohl er nie weg war. Sechseinhalb Jahre hatte er sich der ukrainischen Equipe angeschlossen. Das ist seit 2012 endgültig vorbei. „Wir haben unsere Ziele international nicht erreicht. Für die oberste Liga war es vom Material her irgendwann zu schwer. Wir haben den nächsten Schritt in die Weltspitze nicht geschafft, weil es an Kontinuität gefehlt hat, nicht an Potenzial. Dann war ich es leid. Ich war müde und habe gesagt, jetzt ist Schluss.“

Bedauert hat Björn Nagel die Zeit in der ukrainischen Mannschaft dennoch nicht. Jetzt hakt er dieses Abenteuer als wertvolle Erfahrung ab und strebt neuen Zielen entgegen: „Ich will Championate reiten und wieder oben mitmischen.“

Allerdings muss er erstmal zwei Jahre lang seine Sperre als Nationenpreisreiter für Deutschland abwarten. Doch untätig bleibt er in der Zwischenzeit natürlich dennoch nicht. Auf dem Familienbetrieb der Nagels in Friedrichskoog ist er dabei mit jungen Pferden etwas Neues aufzubauen. „Ich hoffe, dass irgendwann ein richtig gutes Pferd dabei ist, um im Springsport auf hohem Niveau zu reiten.“ Im Jahr 2006 hat er im Betrieb die Leitung übernommen, ist für den väterlichen Rat aber jederzeit empfänglich.

Turnierluft schnuppern

Derzeit arbeitet er mit 15 jungen Pferden, die ihm seine Sponsoren, drei Besitzerfamilien, zur Verfügung gestellt haben. Mit sechs Pferden, zwei Sechsjährigen, zwei Siebenjährigen und einem Achtjährigen ist er auf den Dobrock gekommen, damit die Tiere Turnierluft schnuppern können. Als sechstes hat er den elfjährigen Hengst Baron v. Baloubet dabei, der auch die Große Springtour gehen soll. Gleiches gilt für die achtjährige Stute Risohorse Emilia v. Extasy. Doch das Schwergewicht seiner Arbeit liegt künftig auf der Ausbildung der jungen Pferde. „Die sind alle gut zusammengekauft“ und sie sind eine Option auf eine auch sportlich wieder erfolgreiche Zukunft.

Zugleich widmet sich Björn Nagel auf dem Betrieb der Zucht. Bewährte Holsteiner Stutenstämme sind dabei. Die Vererber sind samt und sonders Hengste aus dem internationalen Sport. „Ich schaue auch auf dieser Schiene schon danach, ob ein vielversprechendes Pferd dabei ist.“ Am 27. September veranstaltet er seine erste internationale Fohlenauktion. Die soll jährlich stattfinden, um mit den Fohlen den Hengstmarkt zu bestücken.

„Noch jung genug“

Mit seinem Unternehmergeist als Pferdezüchter will Nagel auch ein klares Signal senden. „Die Stimmung in der Züchterszene ist gerade nicht besonders gut. Aber ich will zeigen, dass man mit ein bisschen Mut in der Vermarktung etwas bewirken kann, wenn man bereit ist neue Wege einzuschlagen.“ Mit der Turnierreiterei, der Ausbildung und Zucht hat sich Björn Nagel drei Standbeine geschaffen. „Ich habe Spaß daran, etwas groß aufzuziehen. Mit 35 bin ich dafür ja immer noch jung genug.“

Zwei Teilnahmen an Olympischen Spielen, 2008 in Hongkong und 2012 in London, hat Björn Nagel im ukrainischen Team, das vom Milliardär Oleksandr Onischtschenko gesponsert und mit Pferden versorgt wird, vorzuweisen. Hinzu kommen Auftritte bei Welt- und Europameisterschaften mit der ukrainischen Mannschaft. Für diese Möglichkeit, die ihm zuvor in Deutschland nicht geboten worden war, ist Nagel dankbar. Doch jetzt ist es Zeit seine reiterische Laufbahn auf eigene Füße zu stellen.

Von Ulrich Rohde

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