Internet

Wohnzimmerkonzerte per Mausklick im Cuxland

08.11.2017

KREIS CUXHAVEN. Künstler zum Anfassen und Kennenlernen, statt Konzertgräben und Absperrbänder. Von Jens-Christian Mangels

Wohnzimmerkonzerte werden immer beliebter. Im Internet finden Musiker und Gastgeber für die Auftritte im privaten Rahmen zusammen. Längst ist das Live-Erlebnis zwischen Sofa und Stehlampe auch im Cuxland angekommen.

Samstagabend in einer beschaulichen Drei-Zimmer-Wohnung. Auf einem kuscheligen Ledersofa, auf Sitzkissen und Küchenstühlen haben ein Dutzend junger Leute Platz gefunden. Das Licht ist schummrig, die Atmosphäre warm und vertraut. Ab und zu wird am Weinglas genippt, während die Anwesenden gebannt dem Gitarristen, der in der Mitte der Runde sitzt, lauschen. Gefühlvoll zupft er auf den Saiten, dann stimmt er einen selbstkomponierten Song an. So – oder so ähnlich – beginnen die Wohnzimmerkonzerte von „SofaConcerts“.

Die Hamburgerinnen Marie-Lene Armingeon und Miriam Schütt haben das Portal vor vier Jahren gegründet. Mit „SofaConcerts“ bringen sie Musikfans und professionelle Musiker zusammen. Privatleute können ihr Wohnzimmer – mit Foto und Kurzbeschreibung über sich und ihren Musikgeschmack - auf der Web-Seite zur Verfügung stellen. Musiker wiederum können – je nachdem, in welcher Stadt sie sich gerade aufhalten – anbieten, dort zu spielen. „Alles Weitere, wie etwa die Höhe der Gage und den genauen Zeitpunkt, machen beide Seiten unter sich aus“, erklärt Marie-Lene Armingeon.

Im Anschluss haben Besucher und Künstler die Möglichkeit, den Auftritt zu bewerten. „Als Fan bekomme ich so die Möglichkeit, den Erfolg meiner Lieblingsband voranzutreiben. Die Musiker haben wiederum die Chance, neue loyale Fans zu gewinnen“, so Armingeon. Für die Vermittlung berechnet „SofaConcerts“ 13 Prozent der Gage, die – je nach Art des Wohnzimmerkonzertes und Anzahl der Musiker – zwischen 150 bis 3000 Euro beträgt.

Wobei mittlerweile längst nicht nur in Wohnzimmern gespielt wird. Auch hier hat die Idee der beiden Gründerinnen eine Eigendynamik entwickelt, von der sie selbst überrascht sind. Ob in einem Loft-Apartment oder in einer Studenten-WG, ob in Treppenhäusern, Küchen oder Scheunen, ob im Feinkost- oder Blumenladen: Lediglich zwölf Quadratmeter braucht man, um Gastgeber zu sein. Die Musiker wiederum müssen anhand von Videos und Demo-Aufnahmen nachweisen, dass sie professionell Musik machen. Coverbands sind ausgeschlossen. „Wir hören uns die Musik an, um beurteilen zu können, ob sie unsere Qualitätskriterien erfüllen“, erläutert Marie-Lene Armingeon. Mittlerweile sind bei „SofaConcerts“ rund 2500 internationale Musiker und 1500 regelmäßige Gastgeber aus 16 Ländern gelistet. Auch das Cuxland ist vertreten: Zehn Gastgeberinnen und Gastgeber aus dem Raum Cuxhaven/Bremerhaven bieten ihre guten Stuben als Konzertsaal an.

Warum sich Musiker bei „SofaConcerts“ anmelden, hat ganz unterschiedliche Gründe: Einige Künstler wollen ihre neuen Songs vor einem kleinen Publikum ausprobieren, andere wollen bekannter werden und wieder andere nutzen es als zusätzliche Einnahmequelle.

Für den aus Australien strammenden Sänger und Songwriter Joe Astray, der jetzt in Hamburg lebt, sind Wohnzimmerkonzerte etwas ganz Besonderes: „Ich liebe diese Intimität. Die Leute sind viel aufmerksamer. Sie sind wirklich interessiert und hören respektvoll zu“, sagt der 31-Jährige. Über „SofaConcerts“ bekommt er rund zehn Anfragen im Jahr „und es werden immer mehr.“ Am 9. Dezember gibt er ein Wohnzimmerkonzert in Cuxhaven – und freut schon sehr darauf. „Ich habe in Cuxhaven vor kurzem ein paar Tage Urlaub gemacht. Eine sehr schöne Stadt.“

Künstler ist immer mittendrin

Die Idee intimer Konzerte trifft scheinbar einen Nerv. Das hat Wolfgang Heß schon vor 20 Jahren erkannt. Der Bürgermeister, Geschäftsmann und Musikfan aus Cadenberge hat bereits mehr als 80 Wohnzimmerkonzerte veranstaltet. Der Ablauf ist immer gleich: „Die Künstler spielen zwei Sets. In der Pause gibt es ein Buffet mit den mitgebrachten Speisen der Gäste.“ Für Gespräche – in der Pause oder nach dem Konzert – bleibt immer genug Zeit. „Man lernt viele neue Menschen kennen. Und der Künstler ist immer mittendrin und zum Anfassen.“ Das Portal sofaconcerts.org kennt Heß zwar, er nutzt es aber nicht. „Ich schreibe die Musiker immer direkt an. Durch die Mundpropaganda der Künstler bekomme ich jede Menge Anfragen.“

Konzertinfos

Der Sänger Joe Astray gibt am Sonnabend, 9. Dezember, ein Wohnzimmerkonzert in Cuxhaven. Wer dabei sein will oder nähere Informationen wünscht, kann sich bei Joe Astray unter der E-Mail-Adresse music@joeastray.com melden.

Auch Wolfgang Heß, der Wohnzimmerkonzerte in Cadenberge veranstaltet, informiert Interessierte gern über Künstler und Termine. Seine E-Mail-Adresse lautet Hess_Cadenberge@t-online.de

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