Zaun zwischen Altenwalde und Oxstedt abgebaut
ALTENWALDE/OXSTEDT. Auf weiten Strecken wird in diesen Monaten der Zaun um das frühere Munitionsdepot zwischen Altenwalde und Oxstedt abgebaut. Von Maren Reese-Winne
„Die Pfähle hätten noch 100 Jahre gehalten“, stellen Henning Wehebrink und Kim Plambeck fest, als sie den Schuttberg gegenüber dem Schießplatz im Altenwalder Wald begutachten. Aber die Zeichen stehen auf Freiheit: Auf weiten Strecken wird in diesen Monaten der Zaun um das frühere Munitionsdepot zwischen Altenwalde und Oxstedt abgebaut.
Wo er schon weg ist, wirkt es, als sei es schon immer so gewesen: Die Flächen scheinen zusammengewachsen, gerade an dieser Stelle ist das Zusammentreffen von Wald und Heide besonders gut zu beobachten. Wobei „beobachten“ für Förster Henning Wehebrink hier der richtige Begriff ist: Denn die Bereiche abseits der Wege dürften im Naturschutzgebiet weiterhin nicht betreten werden.
Auch für die Tiere sei die Freiheit nicht ganz neu, denn in den 13 Jahren seit Aufgabe des Munitionsdepots hätten sie genügend Schlupflöcher gefunden. Das gelte besonders für Wildschweine, die große Strecken zurücklegen könnten: „Wir wissen, dass diese nachts vom Nordholzer Fliegerhorst bis in den Wernerwald wandern.“
Hunde können Beute werden
Während Wölfe sich augenscheinlich im Altenwalder Forst nicht aufhalten, vermehren sich die Wildscheine munter. „Das merken wir deutlich“, so der Förster: „Während wir früher mal ein paar vereinzelte Spuren gefunden haben, ist der Wildschaden, auch im landwirtschaftlichen Bereich, heute an vielen Stellen deutlich.“ Beim Ausheben von Mäusenestern (oft an Baumwurzeln) sind die Wildschweine imstande, Riesenkrater zu produzieren.
Jungtiere kommen nicht mehr nur zwischen Mitte Februar und Ende März zur Welt, sondern ganzjährig. Das heißt: Wer, etwa als Pilzsucher, in versteckten Ecken stöbert, muss damit rechnen, auf eine Wildschweinfamilie mit verteidigungsbereiter Bache zu stoßen. Aggressiv seien sie gegenüber Spaziergängern auf den Wegen aber nicht; nur Hundebesitzern gibt der Förster den Rat, wachsam zu sein: „Eine Wildschweinbache mit Frischling ist wenig zimperlich, da wird ein Hund schnell mal zur Beute.“ Auch ein einsamer Wolf hätte wenig Chancen – das zeigten Beispiele aus anderen Gegenden, in denen der Wolf schon länger wieder unterwegs sei. „Dort ist das Schwarzwild wesentlich wehrhafter geworden. Da sind schon die Jagdhunde gefährdet.“ Das habe auch Einflüsse auf die Art des Jagens.
Die Jagd hält er auch in unseren Breiten für den einzigen Weg, eine jährliche Verdoppelung bis Verdreifachung des Wildschwein-Bestandes zu verhindern. Er mache dies als Bundesförster selber als Dienstleister für den Eigentümer, die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), brauche aber die Kooperation mit anderen Jagdpächtern, betont er.
Gut im Wald kennt sich auch Kim Plambeck von der Firma Plambeck Erd- und Tiefbau aus, nachdem er 2014 den ehemaligen Verladebahnhof des Depots zurückgebaut hat. Nun sind etwa 6000 Meter Zaun dran, unter anderem entlang der K 13 (Am Möhlendiek) und bis hin zur Straße Am Heidfeld, wo der wiedereröffnete Radweg zwischen Altenwalde und Oxstedt endet.
Eingezäunt bleiben zunächst die Baracken des früheren Lagers Oxstedt – dort, wo auf lange Sicht einmal ein Landschaftspflegehof und sogar ein Biergarten entstehen könnten – sowie die Erdbunker. „Dort haben wir noch Absturzhöhen von vier bis fünf Metern“, erläutert Henning Wehebrink. Hier könne der Rückbau noch einige Jahre dauern.
Kein neues Wegenetz
Neue Rad- und Fußwege haben keine Priorität: Eine Wegedichte wie im Naturschutzgebiet Cuxhavener Küstenheiden werde es nicht geben, so der Fachmann. Angestrebt sei, die in 50 Jahren weitgehender Ruhe hergestellte „natürliche Dynamik“ zu bewahren.
Nach den Dauer-Regenfällen der vergangenen Monate geht es jetzt für die Plambeck-Fahrzeuge Stück für Stück voran. „Die Materialien werden getrennt voneinander gesammelt; der Bauschutt in unserer firmeneigenen Anlage recycelt“, berichtet Kim Plambeck. Auf das Metall wartet ein zweites Leben in der Stahlproduktion.
Ob es ohne Zaun mehr Wildunfälle Am Möhlendiek gibt, sei zu beobachten, so Henning Wehebrink. „Allerdings war dieser auch schon so durchlässig, dass er keine große Aufgabe mehr versehen konnte.“ Stattdessen ergebe sich jetzt ein großer Gewinn für das Landschaftsbild.
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