Zeitkapseln in Wanna: Gräber aus grauer Vorzeit kommen zutage
WANNA-AHLENFALKENBERG. Archäologen wollen das Geheimnis der ersten Bauern lüften und graben wieder Steingräber aus der Jungsteinzeit aus.
Vorsichtig nähern sich Studenten aus Hamburg, Kiel und Berlin mit dem Spaten einer imposanten Hinterlassenschaft unseren Vorfahren aus der Jungsteinzeit. Sie graben nach genauen Anweisungen von Archäologin Anja Behrens auf einer Moorweide am Rande des Dorfes ein Großsteingrab aus - beziehungsweise diesmal nur einen Teil davon. Das Ausgrabungskampagne "Relikte im Moor" geht weiter.
Die Trichterbecherkultur
Diese Zeit ist bei den Fachleuten als Trichterbecherkultur, benannt nach der Form der Keramikgefäße, die sie nutzten. Das Projekt "Relikte im Moor" des Niedersächsischen Institutes für historische Küstenforschung in Wilhelmshaven startete im vorigen Jahr. Die Wissenschaftler versprechen sich weitreichende Erkenntnisse über Grabbau, Entwicklung, Beschaffung der Landschaft sowie Besiedlungen der ersten Ackerbauer und Viehzüchter dieser Region. Das Moor hat die Spuren der Vergangenheit überwuchert, versiegelt und dadurch Zeitkapseln geschaffen, die der Nachwelt einen Ausflug in die Vergangenheit ermöglichen. Wissenschaftler, Grabungstechniker und Studenten befördern sie zurzeit wieder behutsam ans Tageslicht. Schätzungsweise um die 5000 Jahre zurück in der Jungsteinzeit (rund 3200 vor Christi.) lebten genau hier die ersten Bauern und beerdigten ihre Verstorbenen in beeindruckenden Großgräbern aus riesigen rohen Steinblöcken.
Deckstein tauchte auf
Dieser Megalith - so der Fachbegriff - auf dem Kleinen Ahlen wurde erst 2016 auf einer Weide entdeckt, weil ein Deckstein aus dem Weidegras auftauchte. Drei Decksteinethornen über dieser Grabstätten. Auf jeden Fall sei sie kleiner als das komplett ausgegrabene Steingrab mit fünf Decksteinen, eingepackt in eine Steinpackung, das im vorigen Jahr an anderer Stelle am Ahlenmoor aus dem Moor befreit wurde. "Wir machen hier nichts auf und gehen nicht weiter in die Tiefe, sondern schauen uns die Decksteine und den Eingangsbereich an", erläutert die Archäologin die neuerliche Feldarbeit. Daher brauchen die studentischen Hilfskräfte hier auch nur 30 bis 40 Zentimeter tief in den torfigen Boden zu graben.
Verkleinertes Team
Anja Behrens ist froh, dass es doch noch geklappt hat, nachdem die Corona-Pademie Ausgrabungspläne im März durchkreuzte. Jetzt ist das in Flögeln untergebrachteTeam eben halbiert und alle zehn Teilnehmer sind zuvor negativ auf das Coronavirus getestet worden. Bis 2. Oktober wird es vor Ort sein, und sich noch weiteren zwei Großsteingräbern widmen, die sich in der Nähe in einer Linie befinden, eines davon in einem Drainagegraben und von Brombeersträuchern überwuchert. Aktuell geplant seien zudem Untersuchungen im mutmaßlichen Siedlungsbereich im Grenzgebiet zu Geest. "Dort können wir aber erst einen Baggerschnitt tätigen, wenn der Mais geernetet ist, der noch auf dem Feld steht." Und auch die anderen Untersuchungen laufen weiter.
Die Landschaft vor 500 Jahren
Im Sommer seien bereits die Grabungstechniker vor Ort und untersuchten über 150 Hektar geomagnetisch. Diese ermöglichen aufzuzeigen, wie sich die Landschaft vor über 500 Jahren darstellte. Bisher um die 700 Handbohrungen, alle hundert Meter sollen Aufschluss geben über die steinzeitliche Landschaft und ans Licht holen, wo und wie gesiedelt wurde. Unter den Wissenschaftlern befinden sich dazu Geologen und Biologen.
"Wir sind schon gut vorangekommen", so Archäologin Behrens. Das vom Land Niedersachsen geförderte Projekt "Im Moor bewahrt - Relikte prähistorischer Siedlungslandschaften im Elbe-Weser-Dreieck" wurde um elf Monate verlängert. Leider könne man keine öffentlichen Führungen wie im vorigen Jahr anbieten, bedauert sie, steht aber in Kontakt mit dem Mooriz, den Männern vom Morgenstern oder dem Heimatmuseum Wanna, um dennoch Interessierten Einblicke zu vermitteln.
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