Eisbärin Valeska und ihr weiblicher Zwillingsnachwuchs Anna und Elsa genießen die Morgensonne und den Medienrummel. Foto: Hartmann
Eisbärin Valeska und ihr weiblicher Zwillingsnachwuchs Anna und Elsa genießen die Morgensonne und den Medienrummel. Foto: Hartmann
Besuchermagneten

Zoo am Meer Bremerhaven: Eisbären-Mädchen Anna und Elsa sind die Stars

13.05.2020

BREMERHAVEN. Die beiden Eisbären-Zwillinge Anna und Elsa sind schon jetzt ein Besuchermagnet im Zoo am Meer in Bremerhaven.

Die Eisbärenmädchen Anna und Elsa jagen im Sonnenschein einer Elster hinterher, spielen mit dem Ball im Wasser und schauen sich die neuen Besucher ohne Scheu ganz dicht an der Glasscheibe an: Seit vergangenen Freitag hat der Zoo am Meer wieder geöffnet und die ersten, noch wenigen Besucher kamen mit viel Gelassenheit und hoher Disziplin. Gut 500 waren es insgesamt am Freitag.

Klaus Adamek aus Bremerhaven ist der erste Besucher. Mit seiner professionellen Kamera fällt er unter den Teams von Fernsehen und Rundfunk gar nicht auf. Er steht direkt vor einer Scheibe und kann sein Glück kaum fassen: Eines der Eisbärenmädchen springt an die Scheibe, rubbelt mit den Tatzen über das Glas, richtet sich auf, nur Zentimeter vor Adameks Linse. Einen Moment, den er fast exklusiv erlebt, denn in der ersten Stunde kommen noch wenige Besucher. Der Bremerhavener hat mit mehr Ansturm gerechnet. "Viele müssen heute vielleicht noch arbeiten und andere scheuen vielleicht die Onlinebuchung", überlegt er. Prokuristin Nicole Tönjes ist aber zufrieden. An einem Freitag im Mai mit Eisbärennachwuchs kann man sonst mit 800 bis 1000 Besuchern rechnen. Wie viele Anmeldungen es fürs Wochenende gibt, weiß sie noch nicht, rechnet aber mit etwas mehr als an Tag 1.

Zoo statt Urlaubsreise

Anna und Elsa zu sehen, das findet auch Pia schön. Die Fünfjährige ist schließlich Fan der Zeichentrick-Schwestern, die den Eisbärchen den Namen geben. Dass so viele Erwachsene im Zoo Fragen stellen, macht sie allerdings schüchtern. "Wir haben Urlaub. Da wir nicht verreisen können, haben wir für heute den Zoobesuch geplant", erklärt deshalb Vater Marcus Gloistein aus Osterholz-Scharmbek. "Da guck, ein Eisbär", sagt Mutter Steffi zum anderthalbjährigen Paul. Menschenkind und Eisbärenjunges schauen sich neugierig an. Kein Gedrängel, viel Platz, die Familie genießt den Spaziergang an der Sonne.

Am 8. Dezember geboren, sind die zwei Eisbären auf den Tag fünf Monate alt und fressen auch schon kleine Fische oder wollen am liebsten Mama Valeska die ganz großen Rindfleischstücke abjagen, erklärt Pfleger Thomas Grunert, der sichtlich vernarrt in den Nachwuchs ist. "Sie strecken die Zunge raus, jetzt wollen sie gleich gesäugt werden", beschreibt der Pfleger, der nach 26 Jahren im Job die Sprache der Eisbären spricht. Er erzählt den Besuchern gerne mal etwas über die Tiere. Doch in Zeiten der Corona-Krise heißt es für die Pfleger, Abstand zu halten. Sie arbeiten weiterhin in zwei festen Teams, um im Infektionsfall keinen Totalausfall zu haben.

Wie am Flughafen

Abstandsmarker am Boden und Abtrennungen, wie man sie vom Flughafen kennt, gibt es am Eingang und beim Eisbärengehege. Zudem stehen dort Sicherheitsleute parat. Doch zur Öffnung können die Herren die Sonne genießen. "Valeska wollte gar nicht mehr von der Anlage, aber wir wollten noch Scheiben putzen", plaudert Direktorin Dr. Heike Kück aus dem Zooalltag. Es klappte aber noch rechtzeitig. 25 Besucher pro Viertelstunde, also 100 pro Stunde, werden in den Zoo gelassen. "Momentan werden alle Zeitfenster gleichmäßig gebucht", erklärt Nicole Tönjes. Der Spielplatz ist geöffnet, die Gastronomie geschlossen. Im Zooshop muss Mundschutz getragen werden, auf dem Außengelände nicht. Es gilt, Abstand einzuhalten.

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Die Chefin freut sich, den Zoo wieder öffnen zu können: "Ein Zoo ohne Besucher ist nur die halbe Wahrheit, wir haben eine Botschaft zu vermitteln, den Artenschutz. Dafür brauchen wir Besucher und vor allem Kinder", sagt sie. "Wir haben durch die Pause ein hohes Defizit und schauen auch, wo wir Unterstützung beantragen können", erklärt Kück.

Dafür, dass bei einer Stunde Aufenthalt der volle Eintritt bezahlt werden muss, bittet sie um Verständnis. "Wir haben zum einen höhere Kosten durch die Sicherheitskräfte und Schutzmaßnahmen", so Kück. Zum anderen habe die Gastronomie geschlossen und auch die Zahl der Bänke im Zoo ist begrenzt worden, um den Abstand zu wahren. "Wir sind ein kleiner Zoo, es ist also möglich, in Ruhe durchzugehen, in einem Rundgang alles zu sehen. Die Besucher helfen uns sehr, wenn sie sich an die Regeln halten, damit wir alle diese schwere Zeit überstehen", so Kück.

Das Team ist froh, wieder komplett arbeiten zu können. Lob gab es von der Chefin an ihre "Corona-Managerin" Prokuristin Nicole Tönjes, die sich um Online-Ticketsystem, Schutzmaßnahmen "und einfach alles" gekümmert habe. "Wir haben von treuen Besuchern Unterstützung erhalten, durch Gutscheinkäufe oder Spenden, da sind wir sehr dankbar. Deshalb tut es uns auch leid, jetzt alles so reglementieren zu müssen", ergänzt Tönjes. Das Team werde immer auf das aktuelle Aufkommen reagieren: Wenn sich nur wenige Gäste angemeldet haben, gebe es an der Kasse auch Hinweise, das man etwas länger bleiben darf. "Wer am Deich spazieren geht, kann sich mit dem Handy ja auch schnell ein Zeitfenster buchen, so ganz unspontan muss der Zoobesuch also nicht sein", sagt Tönjes.

Für die 600 Dauerkarteninhaber (inklusive Familien) stehen drei Termine pro Woche als Zeitfenster zur Verfügung. Die Zeiträume würden auch mal wechseln, je nach Aufkommen. Das muss sich alles entwickeln, erklärt die Prokuristin.

Lloyd hat schlechte Laune

Einer hat dann doch schlechte Laune: Eisbärenvater Lloyd macht im Nebengehege Radau, ruft mit bärigem Grummeln. Das Männchen vermisst seine Valeska, würde sich gern paaren. Doch die Mutter hat nur Augen für den Nachwuchs. Das wird auch noch eine Weile so bleiben. Anderthalb bis zwei Jahren können die Kleinen bei der Mutter bleiben. Das Zooteam richtet auch schon ein Teilgehege her.

Von Maike Wessolowski

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