Kreuzbandriss stoppt Joshuas USA-Traum: Wie geht es jetzt für den Cuxhavener weiter?
Ein Kreuzbandriss verändert alles: Football-Talent Joshua Eiers aus Cuxhaven kämpft sich nach einem schweren Rückschlag zurück. Statt US-Highschools steht nun Physiotherapie im Mittelpunkt, doch er gibt seinen Traum nicht auf.
Eigentlich sollte für Joshua Eiers in wenigen Tagen das größte Abenteuer seines bisherigen Lebens beginnen. Der 18-jährige Footballer aus Cuxhaven wollte Ende Juli an eine Highschool in Kentucky wechseln und dort den Grundstein für eine mögliche College-Karriere in den USA legen. Mehrere Highschools hatten sich um den talentierten Receiver bemüht, sogar ein College aus der Division One war auf ihn aufmerksam geworden. Doch statt im Football-Trikot auf einem amerikanischen Spielfeld steht Joshua nun regelmäßig in der Physiotherapie. Ein Kreuzbandriss hat seinen Traum vorerst gestoppt.
Dabei schien Ende Mai noch alles nach Plan zu laufen. Im letzten Saisonspiel der U19 der Bremerhavener Seahawks gegen die Bremen SG wollte Joshua vor seiner Abreise kein unnötiges Risiko eingehen. Es war das vierte Viertel, nur noch sechs Minuten waren zu spielen. Noch wenige Minuten, dann wäre seine Zeit bei den Seahawks beendet gewesen. Doch dann passierte es. "Ich wurde von hinten an der Hüfte festgehalten. Das ist im Football nichts Ungewöhnliches", erinnert sich der 18-Jährige. "Ich bin dann unglücklich gestürzt, aber wieder aufgestanden und habe weitergespielt." Ein Schmerz im linken Knie war zwar sofort da, doch Joshua konnte noch auftreten. "Ich dachte, ich lege da ein Kühlpack drauf, das reicht."
Es reichte nicht. Am nächsten Tag ließ er das Knie vorsorglich im Krankenhaus Otterndorf untersuchen. Der erste Verdacht lautete Meniskusverletzung. Zwei Tage später folgte ein MRT in Stade. Dort stand erstmals ein Kreuzbandanriss im Raum. Die endgültige Diagnose brachte schließlich ein Sportmediziner in Bremen. "Das war natürlich eine ernüchternde Nachricht."
Bis zuletzt hatte Joshua gehofft, dass es nicht so schwerwiegend ist
Für Joshua stand dennoch schnell fest, wie es weitergehen sollte. "Ich wollte die Operation. Ohne wäre der Heilungsprozess noch länger gewesen." Bis zuletzt klammerte er sich allerdings an die Hoffnung, dass die Verletzung vielleicht doch nicht so schwerwiegend sei. Zu viel hing davon ab: die Reise in die USA, ein neuer Lebensabschnitt und möglicherweise sogar eine Football-Karriere.
Ende Juni wurde Joshua ambulant operiert. Der Verdacht bestätigte sich: Das Kreuzband war vollständig gerissen. Für die Rekonstruktion entnahmen die Ärzte eine Sehne von der Oberschenkelinnenseite und ersetzten damit das gerissene Band - eine Methode, die gute Heilungschancen verspricht. Trotzdem platzte damit der große Traum vom Highschool-Football. "Es ist immer noch nicht leicht und es fällt mir schwer, damit klarzukommen", sagt Joshua. "Ich kann keinen Sport machen, nur meinen Oberkörper trainieren."

Die ersten Wochen nach der Operation bestanden aus Schonung, Lymphdrainage und zahlreichen Physiotherapie-Einheiten. "Die sind wirklich schmerzhaft", erzählt er. Inzwischen kann er immerhin wieder ohne Krücken laufen und hat dabei keine Schmerzen mehr. Nach etwa drei Monaten soll er langsam wieder mit dem Joggen beginnen dürfen. Bis er wieder Football spielen kann, werden jedoch voraussichtlich neun bis zwölf Monate vergehen. "Die Ärzte sind zuversichtlich, dass ich wieder bei 100 Prozent Leistung ankomme. Aber es kommt darauf an, wie viel man dafür macht."
Er bleibt im Football-Netzwerk, knüpft Kontakte
Und Joshua macht viel. Dass der Weg über eine amerikanische Highschool nun versperrt ist, steht fest. Im kommenden Jahr wäre er für dieses Programm bereits zu alt. Ganz aufgegeben hat der Cuxhavener seinen Traum deshalb aber nicht. Stattdessen schlägt er einen anderen Weg ein. Bei der "The Frame Academy", die ihn ursprünglich auf seinem Weg in die USA begleitet hatte, wird Joshua nun ein praktisches Jahr absolvieren, um seine Fachhochschulreife zu erwerben. Er unterstützt die Academy organisatorisch, kümmert sich um Social Media und begleitet die Highschool-Tour in den USA - allerdings nicht mehr als Spieler. "Ich wechsle sozusagen die Seiten und bin gespannt, was kommt." So bleibt er im amerikanischen Football-Netzwerk, knüpft weitere Kontakte und will sich im kommenden Mai bei einer College-Tour erneut präsentieren - dann mit dem Ziel, direkt ein College-Angebot zu erhalten.

Wie realistisch diese Chance ist, lässt sich heute noch nicht sagen. Doch Joshua weiß, dass amerikanische Coaches sein Talent bereits erkannt haben. Und trotz des schweren Rückschlags blickt er nach vorn. "Man sollte sein Ziel auf jeden Fall im Auge behalten und sich bis dahin kleine Ziele setzen", sagt er. "Nur wenn man weitermacht, kann man es schaffen. Es ist noch nichts verloren."
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