Trotz Wetterextremen und Reparatur: Segler Gordon Nickel aus Cuxhaven feiert EM-Titel
Der gebürtige Cuxhavener Gordon Nickel hat in Litauen die ORC-Europameisterschaft im Segeln gewonnen. Auf dem Weg zum Titel musste das Team um den 31-Jährigen allerdings auch einen Ruderschaden und kaputte Segel überstehen.
"Ich bin sehr glücklich, aber auch kaputt." Nach zehn anstrengenden Tagen bei der ORC-Europameisterschaft im Segeln war Gordon Nickel die Erschöpfung anzumerken. Doch die Strapazen hatten sich gelohnt: Der 31-Jährige gewann mit der dänischen XR 41 "DIXI 5" den EM-Titel. Dabei hatte das Team um Eigner Erik Stannow von Beginn an keinen Zweifel an seinem Favoritenstatus gelassen. Die Crew brachte vom ersten Tag an ihre Leistung auf das Wasser und setzte sich früh an der Spitze fest. Schon Mitte der Woche war Gordon Nickel klar, dass der Titel greifbar war. "Wenn nichts kaputtgeht, bringen wir das ins Ziel."
Ganz ohne Probleme blieb die Meisterschaft allerdings nicht. Gleich der Auftakt hatte es in sich. Bei der Langstrecke herrschte nach Nickels Worten "sehr viel Wind" und damit "Extrembedingungen". 26 bis 27 Stunden war die Crew unterwegs. Im Teilnehmerfeld habe es sogar Stimmen gegeben, die angesichts der Bedingungen der Meinung gewesen seien, dass die Regatta nicht hätte gestartet werden sollen. "Man muss aber auch solche Bedingungen abkönnen - aber vielleicht nicht so lange", sagt Gordon Nickel.
Für die "DIXI 5" kam es direkt am ersten Tag noch dicker. Das Boot erlitt einen Ruderschaden. "Das war nicht ideal und eigentlich passiert so etwas nie." Nach der langen Wettfahrt musste die Crew die Yacht zunächst aus dem Wasser kranen, um den Schaden reparieren zu lassen. "Dabei wollten wir nach so einem langen Rennen eigentlich nur noch ins Bett." Auch an den folgenden Tagen lief nicht alles glatt. Segel gingen kaputt und mussten abends repariert werden. Die erste Wettfahrt unter den extremen Bedingungen habe dem Material zugesetzt. "Umso mehr freue ich mich, dass wir das als Team hinbekommen haben", sagt Nickel. "Es war einfach eine super Woche."

Bereits einen Tag vor dem offiziellen Ende stand die Crew vorzeitig als Europameister fest. Am Finaltag wurde der Triumph dann gefeiert, ehe es am nächsten Morgen für Nickel schon wieder zurück nach Deutschland ging. Während der 31-Jährige ins Flugzeug nach Hamburg stieg, blieb die "DIXI 5" zunächst in Litauen zurück. "Das Boot muss noch repariert werden", sagt Nickel. An ausgiebige Erholung war für ihn selbst aber ebenfalls nicht zu denken. Um 9 Uhr landete er am Hamburger Flughafen, sechs Stunden später stand er schon wieder auf einem anderen Sportplatz. "Um 15 Uhr habe ich dann bei meinem alten Verein ausgeholfen und Fußball gespielt."
Jetzt gönnt sich Nickel zumindest ein paar ruhigere Tage. Auch körperlich habe die Europameisterschaft nämlich Spuren hinterlassen. "Der Körper hat bei der EM ein bisschen gelitten." Ein oder zwei Tage Pause sollen reichen, bevor es wieder mit dem Fitnesstraining weitergeht. Denn der nächste Einsatz wartet bereits. Ende August steht für Nickel die "Blue Week Middelfart" in Dänemark auf dem Programm, eine Regatta im Rahmen der Viking Challenge, einer internationalen ORC-Offshore-Serie in Nordeuropa. Anschließend soll es zur dänischen Meisterschaft gehen. "Einfach, um im Rhythmus zu bleiben."
Der Blick geht aber längst noch weiter nach vorn. Nach dem Vizeweltmeistertitel 2025 in Tallinn, zwei Deutschen Meistertiteln in diesem Sommer und nun dem EM-Sieg hat Gordon Nickel das nächste große Ziel klar vor Augen: die ORC-Weltmeisterschaft 2027 in Dänemark. "Ich werde alles dafür tun, um nächstes Jahr Weltmeister zu werden."
CNV-Newsletter
Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.