Ein neuer Name wird auf jeden Fall ab Sommer am Gebäude in der Rathausstraße prangen. Wenn es nach der jetzigen Schule geht, darf sich der Wandel auch im Namen zeigen. "Oberschule Cuxhaven" wäre der Favorit. Foto: Reese-Winne
Ein neuer Name wird auf jeden Fall ab Sommer am Gebäude in der Rathausstraße prangen. Wenn es nach der jetzigen Schule geht, darf sich der Wandel auch im Namen zeigen. "Oberschule Cuxhaven" wäre der Favorit. Foto: Reese-Winne
Was jetzt zu tun ist

Ab Sommer 2023 erste Oberschulen in Cuxhaven: Mit neuem Namen für die Bleickenschule?

von Maren Reese-Winne | 22.03.2023

Ein Spaziergang war es nicht und auch kein Selbstgänger: Doch seit Mitte Februar steht fest, dass sich die Schullandschaft in der Stadt Cuxhaven verändern wird. Das Okay für die Umwandlung der Bleickenschule in eine Oberschule kam als erstes.

Der Bescheid für die Süderwischschule ist noch auf dem Weg. Nach dem Beschluss des Kreis-Schulausschusses im Mai vergangenen Jahres hatte der Landkreis beim Land fristgerecht die beiden Anträge auf Umwandlung der bisherigen Haupt- in Oberschulen gestellt. Die Schülerzahlen wurden im Genehmigungsprozess besonders genau unter die Lupe genommen. Die für die Inklusion angewandte Doppelzählung von Schülerinnen und Schülern mit Förderbedarf konnte nämlich nicht einfach übernommen werden - auch wenn de facto die Beschulung dieses Schülerkreises in Cuxhaven fast komplett von den Hauptschulen übernommen worden ist.

Inklusion und hoher Ausländeranteil

Schulleiterin Clarissa Schröer nennt für die Bleickenschule eine Inklusionsquote von 28 Prozent, in manchen Klassen mehr als 50 Prozent, und das in den Bereichen Lernen, GE (geistige Entwicklung) und ES (emotional-soziale Entwicklung). Hinzu kommt hier und in Süderwisch noch stärker ein außergewöhnlich hoher Anteil an nicht deutsch sprechenden Kindern und von Kindern aus Flüchtlingsfamilien. SPD-Landtagsabgeordneter Oliver Ebken erinnert sich noch gut an einen Austausch im Landtagsplenum, in dem Landrat, 1. Kreisrat und er den zuständigen Staatssekretär des Kultusministeriums auf eben diese Problematiken aufmerksam gemacht hatten.

Chancengleichheit bei der Personalsuche erhofft

"Ich behaupte, dass wir schon erstklassige Arbeit im Bereich Lernen und GE leisten", stellt Clarissa Schröer fest. Auch bei vielen der rund 40 emotional-sozial beeinträchtigten Schülerinnen und Schüler  gelinge die Inklusion recht gut, allerdings verblieben rund 20 Prozent, bei denen dies sehr schwierig sei. Gähnende Leere bei den Stellen für Schulsozialarbeit und -Sozialpädagogik und steter Lehrermangel seien in einem solchen Umfeld keine gute Bedingungen. Die Umwandlung zur Oberschule verspreche Chancengleichheit: "Nun können wir mit Real- und anderen Oberschulen auf Augenhöhe kommen." Die Bleickenschule hofft auch auf mehr Anwärterinnen und Anwärter aus den Reihen des Cuxhavener Studienseminars.

Stellen würden laufend durch das Landesamt für Schule und Bildung Lüneburg (Außenstelle Cuxhaven) ausgeschrieben - zuletzt meistens mit geringer Resonanz. Mit dem Aufbau der Oberschule könne sich das verbessern - entsprechend der zu erwartenden Entwicklung der Schülerzahlen: "Wir rechnen nicht mit einem sofortigen Run der Eltern auf unsere Schule", sagt Clarissa Schröer. Dafür brauche es mehr Informationen und erste Erfahrungsberichte. Auf den Informationsabenden der Grundschulen stellen sich jedes Jahr die weiterführenden Schule vor. In diesem Jahr konnte sie das Oberschul-Konzept noch in drei Schulen erklären, alle anderen Veranstaltungen waren schon gelaufen.

Lernen soll stressfreier werden

Kennzeichen der Oberschule ist unter anderem das längere gemeinsame Lernen in den  Klassen 5 und 6 (fast wie früher in der Orientierungsstufe). Danach steigt der Grad der Differenzierung. Getrennte Real- und Hauptschulzweige gibt es ab Klasse 7 oder 9. Das Lernen soll stressfreier sein. Eine zweite Fremdsprache wird durchgehend ab der 6. Klasse angeboten, um den Wechsel auch aufs Gymnasium jederzeit offen zu halten. Verstärkungsbedarf sieht die Schulleiterin vor allem für die zweite Fremdsprache und für die Fachprofile Technik, Wirtschaft, Gesundheit und Soziales.

Die Planungsgruppe Oberschule lasse sich gern durch Schulentwicklungsplanerin Regina Steinborn vom Landesamt für Schule und Bildung beraten, berichtet Clarissa Schröer weiter. Ferner sei die OBS-Tauglichkeit der schuleigenen Lehrwerke und Arbeitspläne in einer Schulinternen Lehrerfortbildung (SchiLF) betrachtet worden, in der es außerdem um eine weitere wichtige Frage ging: Ob die künftige Oberschule unter dem Namen Bleickenschule weiter existieren kann und soll.

Das Erbe der Hauptschule abschütteln

Die Hauptschule ist nach Cuxhavens erstem Bürgermeister Bleik Max Bleicken benannt. Bei der Fortbildung habe sich der Wunsch nach einer Änderung herauskristallisiert, so Clarissa Schröer - weil der Name "Bleickenschule" mit der Schulform der Hauptschule verbunden sei und für viele Eltern daher von vornherein ausfalle. Jetzt gebe es die Chance für einen Schnitt. "Wir wünschen uns den Namen ,Oberschule Cuxhaven'", erklärt die Schulleiterin. Die Entscheidung obliege allerdings dem Schulträger und damit der Kreispolitik.

Die Namensänderung sollte idealerweise schon zum Sommer vollzogen werden und nicht erst mit dem Einzug in den Neubau, der hinter den BBS Cuxhaven errichtet werden soll. Dessen Planung bedeute ein wichtiges Signal für die Kollegien beider Schulen am derzeitigen Standort und habe auch das Zeug, in den Köpfen der Eltern etwas zu verändern und ihnen die Oberschule als echte Alternative anzubieten.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Oliver Ebken verbindet im Gespräch mit unserem Medienhaus mit der Oberschule die Chance zu längerem gemeinsamen Lernen. Er freue sich daher für beide Schulen, versichert er. Für ihn sei dies allerdings nur der erste Schritt, dem konsequenterweise irgendwann der zu einer Integrierten Gesamtschule folgen solle. Idealerweise spiegele sich das schon in den Planungen für den Schulneubau wider.     

Hintergrund

Oberschulen (Klasse 5 bis 10) können in Niedersachsen ohne gymnasialen Zweig (mindestens zweizügig) oder mit gymnasialem Zweig (mindestens dreizügig) geführt werden. Die Differenzierung erfolgt entweder innerhalb der Jahrgänge (mit Fachleistungskursen in den Kernfächern Deutsch, Mathematik und Englisch) oder schulzweigbezogen (mit getrennten Klassen für die Haupt- und die Realschule).

Die Oberschule soll Schülerinnen und Schüler auf den Eintritt in eine berufliche Ausbildung, den Besuch einer berufsbildenden Schule oder das allgemeinbildende Gymnasium vorbereiten. Vergeben werden der Hauptschulabschluss nach Klasse 9 oder 10, der Realschulabschluss (Sekundarabschluss I) oder der Erweiterte Sekundarabschluss I, der zum Besuch eines Gymnasiums ab Klasse 11 berechtigt.     

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Maren Reese-Winne

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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