Ohne Masten und Klüverbaum gibt die „Hermine“ am Rande des Schleusenpreis derzeit ein trauriges Bild ab. Trotzdem wird der Gaffelschoner jeden Tag von vielen Touristen fotografiert, die eine Erinnerung an Cuxhaven mit nach Hause nehmen wollen. Fotos: Potschka
Ohne Masten und Klüverbaum gibt die „Hermine“ am Rande des Schleusenpreis derzeit ein trauriges Bild ab. Trotzdem wird der Gaffelschoner jeden Tag von vielen Touristen fotografiert, die eine Erinnerung an Cuxhaven mit nach Hause nehmen wollen. Fotos: Potschka
Innenstadtentwicklung

Am hölzernen Rumpf der "Hermine" wächst jetzt Gras

von Jens Potschka | 27.07.2023

Es bleibt verdächtig still um den Gaffelschoner "Hermine". Aus dem Cuxhavener Rathaus dringt kein "überflüssiges Wort", wenn gezielt nach dem Ergebnis des Gutachters oder nach den weiteren Plänen für das sanierungsbedürftige Holzschiff gefragt wird.

Unterdessen erregt der schlechte Zustand des Schiffes, das seit vielen Jahren die Innenstadt am Rande des Schleusenpriels ziert, nicht nur die Gemüter vieler Cuxhavener und Urlauber. Auch die Partei "Die Demokraten" im Rat der Stadt Cuxhaven meldet sich jetzt zu Wort und sieht dringenden Handlungsbedarf.

"Hermine" als Museumsobjekt restauriert

Die "Hermine" ist das Einzige noch vollständig erhaltende komplett aus Holz gefertigte Schiff seiner Art in ganz Deutschland. Der Gaffelschoner wurde im Jahr 1904 erbaut. Ab 1907 war das Schiff unter dem Namen "Emma" und ab 1934 als "Wega" in der Küstenschifffahrt auf Nord- und Ostsee im Einsatz. Im Jahr 1979 wurde die "Hermine" in Schweden wiedergefunden und nach Hamburg gebracht. Das Schiff konnte jedoch nicht wieder seetüchtig gemacht werden.

Dank berufsqualifizierender Programme des Arbeitsamtes wurde die "Hermine" als Museumsobjekt restauriert. Als maritimes Denkmal fand das Holzschiff am Schleusenpriel einen neuen Heimathafen. Dort kann sie seitdem von außen rundherum besichtigt werden und ist ein viel fotografiertes Motiv.

Masten und der Klüverbaum des Gaffelschoners amputiert

Kurz vor Weihnachten 2022 wurden die beiden Masten und der Klüverbaum des Gaffelschoners mit großem Gerät amputiert. Die Stadtverwaltung sah, nachdem ein Gutachter einen Blick auf das Schiff geworfen hatte, die Standfestigkeit der Masten nicht mehr gegeben. Es bestand dringender Handlungsbedarf.

"Das Schiff hat im Laufe der Zeit erheblichen Schaden genommen. Viele Bewohner und Besucher von Cuxhaven sind über den Zustand des Schiffes empört. Das Schiff hat inzwischen eine gewisse Anziehungskraft entwickelt und dient mit als Wahrzeichen der Stadt. Es ist an der Zeit, dass das Schiff wieder in seinen ursprünglich restaurierten Zustand versetzt wird. Es ist eine Schande für unsere Stadt, dieses maritime Juwel so verrotten zu lassen", sagt Thomas Mellin von der Partei "Die Demokraten".

Schiff wieder in voller Pracht erstrahlen lassen

Thomas Mellin fügt hinzu: "Obwohl wir nicht wissen, ob die Stadtverwaltung bereits eine Sanierung plant, sind wir der Meinung, dass eine dringende Reparatur erforderlich ist. Es gibt sicherlich Möglichkeiten, die Finanzierung der Restaurierung sicherzustellen. Ein Blick in europäische, staatliche oder regionale Förderprogramme könnte ein guter Anfang sein. Eine Zusammenarbeit mit  Ämtern oder die Gründung einer Genossenschaft für dieses Projekt, wie es beim Bürgerbahnhof der Fall war, könnten ebenfalls in Betracht gezogen werden. Es gibt viele Wege, die zum Ziel führen. Es erfordert nur den Willen, das Schiff wieder in voller Pracht erstrahlen zu lassen."

Wie bereits vor ein paar Tagen berichtet, wurden vor der "Hermine" zwei moderne Leucht-Masten aufgestellt, die das maritime Denkmal in den Abendstunden ins rechte Licht setzen sollen. Doch auch ohne das die mit EU-Mitteln geförderten Leuchter bislang ihre volle Wirkung entfalten können, indem sie eingeschaltet werden, wächst an einigen Stellen des hölzernen Schiffsrumpfes Gras sowie einige Wildkräuter.

Zustand der "Hermine" verschlechtert sich zusehends

Die vermeintliche, nicht geäußerte stille Hoffnung einiger Verantwortlicher, es möge Gras über den schlechten Zustand des Schiffes wachsen, dürfte an dieser exponierten Stelle allerdings ein Wunsch bleiben. Der dringende Handlungsbedarf fällt Bürgern, Urlaubern und Verantwortlichen mit jedem Tag des Abwartens mehr ins öffentliche Auge.

Auch wenn die soeben installierten neuen Leucht-Masten vor der "Hermine" noch nicht eingeschaltet sind, ist der schlechte Zustand des Holzschiffes nicht mehr zu verbergen. Jetzt wächst sogar schon Gras am Rumpf des Holzschiffes.

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Jens Potschka

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

potschka@no-spamcnv-medien.de

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