Auch Cuxhavener Eltern erheben Stimme für mehr Personal an Förderschulen
Wie sich am grünen Tisch getroffene Entscheidungen in der Praxis äußern, machen Elternräte niedersächsischer Förderschulen, darunter der Schule am Meer in Cuxhaven, in einem Brief an die niedersächsische Politik und Schulverwaltung deutlich.
Wie sich am grünen Tisch getroffene Entscheidungen in der Praxis äußern, haben die Elternräte mehrerer niedersächsischer Förderschulen, darunter die der Schule am Meer in Cuxhaven, in einem offenen Brief an den niedersächsischen Landtag, das niedersächsische Kultusministerium und das Regionale Landesamt für Schule und Bildung deutlich gemacht.
Viele Förderschulen in Niedersachsen stünden vor erheblichen Herausforderungen: Fachkräftemangel, unbesetzte Stellen, zunehmende Belastungen des Personals, steigende Klassengrößen sowie Unsicherheiten bei strukturellen Veränderungen. Die Auswirkungen einer chronischen Unterbesetzung schildern die Eltern - für die Schule am Meer ist es Schulelternratsvorsitzende Gabriele Mercier - am Beispiel eines ziemlich realistischen Schulalltags mit Kinder mit jeweils ganz unterschiedlichen Beeinträchtigungen: Zwei streiten, eines muss gewickelt werden, anderen ist alles zu viel, während eines einen epileptischen Anfall bekommt: "Um wen soll sich die Lehrerin und die pädagogische Mitarbeiterin zuerst kümmern? Wie sieht die Situation aus, wenn nicht sieben, sondern acht oder neun Schülerinnen und Schüler in einer Klasse sind? Was passiert, wenn die Lehrkraft krank oder die Schulbegleitung nicht da ist, weil der Schüler über die Eingliederungshilfe keine mehr bekommen kann?", fragen die Verfasser. Das sind genau die Bereiche, die die vorgesehenen Einschnitte in die Sozialsysteme mit treffen werden.
Förderschulen leisteten einen unverzichtbaren Beitrag zur Bildung, Förderung und gesellschaftlichen Teilhabe von Kindern und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf, geben die Eltern zu bedenken. Sie schafften Lern- und Entwicklungsräume für Schülerinnen und Schüler, die auf besondere Unterstützung, individuelle Förderung und verlässliche Strukturen angewiesen seien. Einschnitte kämen unmittelbar bei den betroffenen Kindern und ihren Familien an, die alles auffangen sollten - um den Preis zusätzlicher organisatorischer, finanzieller und psychischer Belastungen.
Die steigenden Schülerzahlen erforderten eine ausreichende Personal- und Raumausstattung. Dieses konkretisieren die Eltern mit einem Forderungskatalog, unter anderem:
- vollständige und zeitnahe Besetzung offener Stellen,
- Schaffung zusätzlicher Stellen entsprechend dem tatsächlichen Unterstützungsbedarf (zum Beispiel durch Schulgesundheitsfachkräfte/"School Nurses" sowie Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter),
- Anpassung der Personalbemessung und -ausstattung an steigende Schülerzahlen sowie den tatsächlichen Förder-, Unterstützungs-, Pflege- und Therapiebedarf,
- nachhaltige Maßnahmen zur Gewinnung und langfristigen Bindung qualifizierter Fachkräfte,
- Verbesserung der Beschäftigungs- und Vergütungsbedingungen für pädagogische und therapeutische Fachkräfte,
- zweite ausgebildete pädagogische Fachkraft in jeder Klasse (erst recht, wenn Schulbegleitungen wegfallen),
- Abordnungen von anderen Lehrämtern an die Förderschule GE (nicht als Dauerlösung),
- Einbindung externer therapeutischer Fachkräfte.
"Eine bedarfsgerechte multiprofessionelle Personalausstattung ist die Grundlage für eine verlässliche sonderpädagogische Förderung", heißt es. Sie sichere auch den Verbleib des bereits vorhandenen Personals. Daher sollten zum Beispiel freie Stellen schnell veröffentlicht und besetzt und Neubesetzungen auch zum Halbjahr ermöglicht werden.
Klassengrößen dürften nicht dauerhaft als Folge von Personalmangel erhöht oder Unterrichtsstunden gekürzt werden. Gerade für ihre Kinder seien außerdem die stabile Bindung an ihre Bezugspersonen, Stabilität und Verlässlichkeit essenziell.
Die gezielte Förderung von Nachwuchskräften müsse bereits im Studium beginnen oder durch einen attraktiven Freiwilligendienst forciert werden. Mit den Schulleitungen zusammen gelte es, Ideen zusammenzutragen und konkrete Maßnahmen zu entwickeln. Nicht zu vergessen: qualitätsgesicherte Möglichkeiten für den Quereinstieg.
Nur der Abbau struktureller Benachteiligungen von Förderschulen könne auch gleichwertige Bildungschancen gewährleisten: "Unsere Kinder haben ebenso ein Recht auf Bildung und gleichberechtigte Teilhabe wie alle anderen. Es ist nicht zu erklären, warum Gymnasien eine Abdeckung von fast 100 Prozent haben und die Förderschulen im Vergleich bei nur etwa 85 Prozent, an einzelnen Schulen auch weit darunter", heißt es.
Abschließend wird ein Blick auf das Thema Inklusion geworfen. Was einerseits erfreulich sei, stoße in der Praxis auf hohe Hindernisse, da die aktuelle Situation des Bildungssystems die Lernbedingungen, die ihre Kinder bräuchten, nicht zulasse. Auf dem Weg dorthin seien noch viele Modelle denkbar - nur müsse auch darüber geredet werden. "Eine inklusive und gerechte Bildungslandschaft misst sich daran, wie sie diejenigen unterstützt, die auf besondere Förderung angewiesen sind", betonen die Schulelternräte, verbunden mit einer Einladung zum Austausch. (mr/red)
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