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Gäste genießen den sonnigen Herbsttag am Sonnabend im Cuxhavener Stadtteil Duhnen. Foto: Mangels
Gäste genießen den sonnigen Herbsttag am Sonnabend im Cuxhavener Stadtteil Duhnen. Foto: Mangels
Saisonbilanz 2026

Gastronomie in Cuxhaven unter Druck: Warum volle Restaurants nicht mehr reichen

von Christian Mangels | 18.10.2026 Zuletzt aktualisiert: 18.10.2026 14:38 Uhr

Der Tourismus in Cuxhaven bleibt stark, die Gastronomie meldet eine solide Saison 2026. Doch selbst gut besuchte Betriebe stehen unter Druck: Es gibt mehrere Faktoren, die die Wirte belasten.

Die Sonne strahlt, die Terrassen sind gut besucht, und in den Restaurants an den Stränden und im Hafen herrscht noch einmal reger Betrieb. Das freundliche Herbstwetter lockt am Sonnabend (17. Oktober 2026) zahlreiche Cuxhavener und Urlauber nach draußen. Bei Kaffee, kühlen Getränken und gutem Essen genießen sie die letzten warmen Sonnenstrahlen. Es sind Bilder, die an den Sommer erinnern - und die Cuxhavener Gastronomen zum Ausklang der Tourismussaison gerne sehen. Doch wie fällt die wirtschaftliche Bilanz des Jahres 2026 tatsächlich aus?

Kristian Kamp, Vorsitzender des Dehoga-Stadtverbands und Direktor des Strandhotels Duhnen, zeigt sich insgesamt zufrieden. Er spricht von einer "einmal mehr guten touristischen und gastronomischen Saison", die die Attraktivität des Cuxhavener Angebots nachhaltig bestätige. Auch die Besucherzahlen hätten sich auf dem Niveau der Vorjahre bewegt.

Das Wetter spielte dabei wie immer eine wichtige Rolle. Zwar sei der Sommer etwas durchwachsen gewesen, insgesamt aber überwiegend schön. Größere Ausschläge nach oben oder unten habe es deshalb nicht gegeben. Kamp sieht zudem einen Standortvorteil für die Küste: Während das Binnenland zeitweise unter großer Hitze litt, lockten die gemäßigten Temperaturen an der Nordsee. Das unter dem Begriff "Coolcation" beworbene Reisen in kühlere Regionen gewinne an Bedeutung. Früher habe man dazu schlicht "Sommerfrische" gesagt.

Die Gäste achten stärker aufs Geld

Etwas zurückhaltender fällt die Bilanz von Jan Fitter aus, der in Cuxhaven unter anderem die "Buchtbude", das "Sturmflut" und das "Unikat" betreibt. Der Gastronom bezeichnet die Saison als "durchschnittlich" - weder besonders gut noch besonders schlecht. Jammern liege ihm nicht, sagt er, unter dem Strich sei er "zufrieden".

Strahlender Herbsttag an Cuxhavens Küste: Die Gäste genießen am Sonnabend die letzten warmen Sonnenstrahlen und lassen es sich bei Kaffee, Kuchen und kühlen Getränken in der Außengastronomie gut gehen. Foto: Mangels

Während das Wetter in der Hauptsaison mitgespielt habe, seien die Vorsaison regnerisch und der Endspurt im Herbst eher durchwachsen gewesen. Entscheidend sei deshalb, den Gästen mehr zu bieten als gutes Essen. Auch Unterhaltung und besondere Erlebnisse gehörten zu einem erfolgreichen gastronomischen Konzept.

Allerdings sitzt das Geld bei vielen Urlaubern längst nicht mehr so locker wie früher. Die allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit und gestiegene Lebenshaltungskosten machen sich auch in Cuxhaven bemerkbar. Statt ausgiebiger Restaurantbesuche wird häufiger selbst gekocht oder auf günstigere Alternativen zurückgegriffen.

"Das berühmte dritte Bier bleibt doch schon mal aus", beschreibt Kamp das veränderte Konsumverhalten. Auch werde in Ferienwohnungen dem Vernehmen nach deutlich häufiger gegrillt. Gleichzeitig verändern sich die Ansprüche an das gastronomische Angebot. Vegetarische und vegane Speisen würden zunehmend nachgefragt. Darauf müssten sich die Betriebe einstellen.

Auf der Kostenseite bleibt die Situation angespannt. Zwar gilt seit Jahresbeginn für Speisen in der Gastronomie wieder dauerhaft der reduzierte Mehrwertsteuersatz von sieben statt 19 Prozent. Diese Entlastung verschafft den Betrieben nach Einschätzung des Dehoga dringend benötigten finanziellen Spielraum. Bei den Gästen kommt sie allerdings kaum in Form niedrigerer Preise an.

Seit Jahresbeginn gibt für Speisen in der Gastronomie wieder dauerhaft der reduzierte Mehrwertsteuersatz von sieben statt 19 Prozent. Foto: Sina Schuldt/dpa

Die Erklärung liefert Kamp: Die Kosten für Lebensmittel, Getränke, Energie und Personal seien in den vergangenen Jahren derart stark gestiegen, "dass kaum ein Gastronom in der Lage war, die Mehrwertsteuersenkung von 19 auf sieben Prozent mit einer Senkung seiner Preise darzustellen".

Hinzu kommen steigende Löhne. Der gesetzliche Mindestlohn wurde zum Jahresbeginn um 8,4 Prozent angehoben. In Niedersachsen sind zudem seit Mai höhere Tarifentgelte im Gastgewerbe vorgesehen. Lebensmittel- und Getränkelieferanten verlangen ebenfalls mehr Geld, teilweise ergänzt durch Diesel- und Energiezuschläge.

Wie stark diese Entwicklung einzelne Unternehmen trifft, verdeutlicht Fitter. Allein die Energiezulagen seiner Lieferanten verursachten in seinen Betrieben Mehrkosten von rund 20.000 Euro. Die gesamte Kostenentwicklung belaste das Geschäft "brutal".

Personalmangel und Bürokratie belasten

Neben den finanziellen Belastungen bereiten den Gastronomen bürokratische Vorgaben und der anhaltende Fachkräftemangel Sorgen. Kamp verweist auf aufwendige behördliche Anforderungen, Dokumentationspflichten sowie komplizierte Verfahren beim Baurecht und Brandschutz. Unter diesen Bedingungen sei es eindeutig schwieriger geworden, einen Gastronomiebetrieb wirtschaftlich erfolgreich zu führen.

Besonders entscheidend sei die Personalsituation. "Das Personal ist die Software eines Unternehmens", betont Kamp. Fehlende Fachkräfte könnten dazu führen, dass Betriebe ihre Platzkapazitäten oder Öffnungszeiten einschränken müssten. Im schlimmsten Fall drohe die Schließung.

Zwischen Sonnenschein und Kostendruck: Cuxhavens Gastronomie blickt auf eine ordentliche Tourismussaison 2026 zurück. Trotz stabiler Gästezahlen wird das Geschäft schwieriger. Foto: Weißbrod/dpa

Fitter sieht sich beim Personal dagegen gut aufgestellt. Er könne sich auf "ambitionierte und gute Leute" verlassen, die sich mit seinen Betrieben identifizierten. Deutliche Kritik übt er jedoch ebenfalls an der Bürokratie. Sein Appell an die Politik ist unmissverständlich: "Die versprochene Entbürokratisierung muss endlich kommen."

Dass die Lage ernst ist, zeigt auch der Blick über Cuxhaven hinaus. Bundesweit zählt das Gastgewerbe zu den besonders insolvenzgefährdeten Branchen. In der Stadt selbst sieht Kamp bislang allerdings keine auffällige Häufung von Pleiten. Die stabile touristische Nachfrage wirke als wichtiger Schutzfaktor. Dennoch könne der zunehmende wirtschaftliche Druck einzelne Betreiber auf Dauer zur Aufgabe zwingen.

Ein zuversichtlicher Blick auf das Jahr 2027

Trotz der Herausforderungen überwiegt bei beiden Gastronomen der Optimismus. Kamp verweist auf die Widerstandsfähigkeit des Cuxhavener Tourismus, der selbst nach den schweren Corona-Jahren wieder mehr als vier Millionen Übernachtungen erreicht habe und dieses Niveau halten konnte. Die Vielfalt und Qualität des touristischen Angebots seien eine solide Grundlage für die Zukunft. Auch Fitter blickt zuversichtlich auf die kommende Saison.

Doch gute Besucherzahlen allein garantieren längst keine guten Gewinne mehr. Für die Betriebe wird es zunehmend darauf ankommen, mit steigenden Kosten, veränderten Gästewünschen und knapper werdenden finanziellen Spielräumen zurechtzukommen.

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