Die Kita-Finanzierung ist im Haushalt der Stadt Cuxhaven die zweitgrößte Einzelposition. Die Millionenförderung hilft, Tarifsteigerungen aufzufangen. Foto: Reese-Winne
Die Kita-Finanzierung ist im Haushalt der Stadt Cuxhaven die zweitgrößte Einzelposition. Die Millionenförderung hilft, Tarifsteigerungen aufzufangen. Foto: Reese-Winne
Jährlich fast zwei Millionen Euro

Wichtige Entlastung auch für Cuxhaven: Land legt bei Kita-Finanzierung kräftig drauf

von Maren Reese-Winne | 08.04.2026

Die laufenden Kosten für die Kindertagesbetreuung belasten die Haushalte aller Kommunen Niedersachsens. Da kommt ein millionenschweres neues Finanzpaket der Landesregierung gerade recht. Auch in den Kreis Cuxhaven fließen Millionen Euro.   

Mit jährlich zusätzlich 290 Millionen Euro wird das Land Niedersachsen von 2026 bis 2031 die Kommunen bei der Finanzierung der Kindertagesbetreuung unterstützen. Das ist keine abstrakte Zahl aus dem fernen Hannover: In den kommenden sechs Jahren wird allein die Stadt Cuxhaven jährlich über 1,93 Millionen Euro erhalten. Insgesamt sind das über 11,6 Millionen Euro - Erhöhungen durch künftige Tarifsteigerungen nicht eingerechnet.

Angesichts der Tatsache, dass die Kita-Finanzierung nach der Kreisumlage die zweitgrößte Position im Haushalt ist, stelle dies eine große Hilfe für die Stadt Cuxhaven dar, unterstreicht Oberbürgermeister Uwe Santjer. Rund 32 Millionen Euro fließen hier Jahr für Jahr in den Betrieb der Kindertagesstätten. Abzüglich des Landkreis-Anteils von rund zehn Millionen Euro muss die Stadt rund 22 Millionen Euro jährlich nur für den Betrieb der Kitas (ohne Investitionen) aufwenden.

Für Uwe Santjer und den Stadt-Kämmerer Marcus Itjen ist die zwischen der Landesregierung und den Kommunalen Spitzenverbänden ausgehandelte Vereinbarung aus mehreren Gründen bemerkenswert. Zum einen sei die Höhe der Zusatzförderung während der Verhandlungen deutlich angestiegen und zum anderen habe das Land - dem Vorschlag der Kommunen folgend - einem neuen Berechnungssystem zugestimmt.

Steigende Gehälter auffangen

Ziel der Verhandlungen war, die Kommunen insbesondere bei der Finanzierung der davonlaufenden Gehaltskosten zu unterstützen. Tarifsteigerungen für Fachkräfte kann Uwe Santjer schon aufgrund seiner eigenen beruflichen Herkunft nur unterstützen, jedoch sei die Belastung für den Stadt-Haushalt hierdurch immens. Die neu vereinbarte Unterstützung sollen an künftige Tarifsteigerungen im öffentlichen Dienst angepasst werden und später in einer neuen Finanzhilfe aufgehen. Die gesamte Abwicklung soll schneller und unbürokratischer werden.

Marcus Itjen lobt das neue Berechnungsmodell als "echten Systemwechsel". Bisherige Landesbewilligungen seien stets von den tatsächlichen Personalkosten abgewichen. Zukünftig gelte als Grundlage jedoch die Zahl der genehmigten Plätze - nicht die Zahl der tatsächlich anwesenden Kinder.

Das wird in dem Moment relevant, in dem eine Gruppengröße zum Beispiel aufgrund der Anwesenheit von Inklusionskindern oder unter Dreijähriger in einer altersgemischten Gruppe reduziert wird. "Der Aufwand pro Gruppe bleibt in dem Fall aber ja gleich", verdeutlicht Itjen. Als Berechnungsgrundlage solle außerdem künftig die Kinder- und Jugendhilfe-Statistik des Landesamts für Statistik Niedersachsen herangezogen werden, was unnötige Bürokratie abbaue.

"Mit der Einigung ist eine langjährige Forderung der Kommunen erfüllt worden", so Uwe Santjer. Das Land sei während der drei Konsultationsrunden mit dem Niedersächsischen Städtetag, dem Niedersächsischen Landkreistag und dem Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund mehrfach auf die Kommunen zugegangen.

Kein Kind soll ohne Kita-Platz dastehen

Die Stadt Cuxhaven könne damit weiter versprechen, jedem Kindergartenkind einen Platz anzubieten, erklärt Uwe Santjer. Auch wenn dies nicht immer sofort im direkten Wohnumfeld möglich sei, bedeute dies Zuverlässigkeit auch für künftig hierher kommende Familien. 

Für jedes Kind ein Kindergartenplatz und eine hochwertige pägagogische Begleitung - das soll mit der finanziellen Entlastung der Kommunen weiter gesichert werden. Foto: Reese-Winne

Für den Ministerpräsidenten Olaf Lies (SPD) verspricht die Einigung nicht nur eine Entlastung der Kommunen, sondern auch gute Arbeitsbedingungen für Fachkräfte und eine hohe Qualität in der Kindertagesbetreuung unabhängig vom Kassenstand vor Ort. 

Aufgabe wird oft den Kommunen übertragen

In Niedersachsen sind originär die Landkreise und kreisfreie Städte als örtliche Träger der öffentlichen Jugendhilfe zuständig für die Kindertagesbetreuung. Faktisch ist dies jedoch meist auf die Gemeinden übertragen. Das Land unterstützt die Kommunen und Träger insbesondere durch eine pauschalierte Finanzhilfe bei den Personalkosten. Nachdem Inflation und steigende Kosten den Kommunen zusehends zu schaffen machen, hatten Landesregierung und kommunale Spitzenverbände seit dem vergangenen Jahr gemeinsam an einer tragfähigen Lösung gearbeitet.

"Der Landkreis erhält direkt keine Finanzmittel aus diesem Topf. Wir begrüßen aber, dass sich das Land stärker an der Finanzierung der Kosten für den Betrieb der Kindertagesstätten beteiligt", so Landrat Thorsten Krüger. "Damit kommt die Landesregierung dem Versprechen, sich zu zwei Dritteln an den Kosten zu beteiligen, näher. Wir werden nicht locker lassen, diese Beteiligung vom Land einzufordern."

Bereits heute beteiligt sich das Land mit rund 1,5 Milliarden Euro jährlich an den Personalkosten in Kitas. Hinzu kommen weitere Förderprogramme, etwa für Sprachbildung, zusätzliche Fachkräfte, Personal in Ausbildung sowie Maßnahmen zur Qualitätsentwicklung und zur Flexibilisierung angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels.

Elternbeitrag entfällt für Kindergartenkinder

Elternbeiträge, die früher in der Kita-Finanzierung noch ein Drittel ausmachten, müssen seit dem Kindergartenjahr 2018/19 in Niedersachsen für Kinder im Alter von drei Jahren bis zur Einschulung nicht mehr entrichtet werden. 

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Nachrichten-Newsletter

Hier können Sie sich für unseren CNV-Newsletter mit den aktuellen und wichtigsten Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven anmelden.

Die wichtigsten Meldungen aktuell


Bild von Maren Reese-Winne
Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

reese-winne@no-spamcnv-medien.de

Lesen Sie auch...
Bundesprogramm macht es möglich

Großprojekt im Cuxhavener Schlossgarten: Sanierung soll Wasser wieder in Gang bringen

von Jens Potschka

Mitten in der Stadt wartet ein verstecktes Gewässer darauf, wiederzuleben: Der Schlossgraben soll mehr als nur entschlammt werden. Behutsam und nachhaltig soll die Natur ihr Gleichgewicht zurückgewinnen, doch die Zeit drängt für dieses Vorhaben.

Wahrzeichen

10.000 Stimmen für die Alte Liebe in Cuxhaven: Ringen um das Oberdeck geht weiter

von Christian Mangels

Nicole Antons hat mit ihrer Petition zum Erhalt des Oberdecks der Alten Liebe viel erreicht. NPorts hat die Pläne überarbeitet und das Bauwerk um eine zusätzliche Ebene erweitert. Dennoch sammelt sie weiter Unterschriften. Worum geht es ihr?

Was der Karneval damit zu tun hat

Auf Besuch aus Namibia: Mit fast 88 Jahren bereist Gerd Vogel nochmal die alte Heimat

von Maren Reese-Winne

Als Gerd Vogel die Entscheidung traf, Otterndorf und Cuxhaven hinter sich zu lassen, hieß das Land umgangssprachlich noch "Deutsch-Südwestafrika" und lockte mit Sonne und einem Job. Er blieb für immer, aber die Bande in die Heimat hielten.

Schlossverein bleibt am Ball

Marstall in Cuxhaven-Ritzebüttel: Gutachten entscheidet über Zukunft des Gebäudes

von Jens Potschka

Kurz vor Ostern rückte ein Rollgerüst am Marstall Ritzebüttel an. Doch statt eines Anstrichs gab es eine umfassende Untersuchung. Was die Experten fanden, könnte über die Zukunft des 205 Jahre alten Gebäudes entscheiden.